Interview mit Tom Angelripper von Sodom

Vier Jahre mussten die Fans warten, bis sich SODOM mit einem neuen Langeisen aus dem Ruhrpott zurückmeldeten. Mit Frontmann und Mastermind Tom Angelripper konnten wir am Telefon über das neue Album „In War And Pieces“, insolvente Plattenfirmen und die guten alten Zeiten reden. Aber lest selbst!

Servus Tom! Alles gut bei dir?
Alles bestens, klar! Gerade ziemlich aktiv, weil viele Interviews anstehen. Wie das halt bei der Veröffentlichung eines neuen Albums so ist.

Freut man sich nach all den Jahren noch auf so einen Interviewmarathon oder ist man doch eher froh, wenn es vorbei ist?
Man freut sich schon noch drauf. Das Tollste an sich ist es ja, wieder ein neues Album draußen zu haben. Aber dann ist jedes Mal natürlich auch eine gewisse Nachfrage vorhanden, weil jeder was wissen will. Das macht Spaß, klar – man will ja mithelfen.

Gleich am Anfang sticht einem natürlich das geniale und auch recht moderne Coverartwork ins Auge. Wer hat es denn entworfen?
Das war Eliran Kantor. Es haben sich doch einige beworben, die das neue Coverartwork machen wollten und wir haben auch ein paar Tests gemacht, um den Geeignetsten zu finden. Eliran ist, wie man sieht, ein alter SODOM-Fan und hat das Artwork auch ein wenig an „Persecution Mania“ und „Agent Orange“ angelehnt. Ich wollte eine chaotische Kriegsszenerie haben, aber im Grunde genommen hatte er freie Hand. Neben dem Cover hat er auch das Booklet und gesamte Layout gemacht, damit sind wir echt sehr zufrieden.

Welche Anhaltspunkte hatte er denn zum Arbeiten? Nur die Songtitel oder doch auch Lyrics und die Songs an sich?
Ich hab ihm die kompletten Texte geschickt. Es war ihm sehr wichtig, noch rein lesen zu können. Er ist Amerikaner, versteht natürlich alles super und konnte dann auch anfangen, ein kleines Skript zu entwerfen, ein paar Ideen zu entwickeln – wie beispielsweise den SODOM-Schriftzug auf dem Panzer zu platzieren. Das entstand alles so nach und nach und war, denke ich mal, eine Mischung aus Photoshop und Zeichnen. Viele Künstler in diesem Bereich arbeiten heute ja nur noch mit Photoshop und das sieht man auch – aber wir wollten den alten Charme so weit wie möglich erhalten.

Der „Knarrenheinz“ hat seinen Weg aufs Cover gefunden, wenn auch in leicht abgeänderter Form. Die Szene wirkt alles in allem ein wenig konfus – passt, ein kleines bisschen zumindest, auch zur Musik.
Ja, da stimm ich dir zu. Der „Knarrenheinz“ hat sich ja im Laufe der Jahre immer ein bisschen verändert, sah mal so, mal so aus. Eliran hat ihn wieder ein wenig an „Persecution Mania“ angelehnt, man sieht in aus dem Boden kommen, mit diesen vor Schmerz zusammengekrampften Händen. Das hat etwas von diesem chaotischen, das ja auch in unseren Texten vorkommt, so wie man die Welt halt gerade beschreiben muss. Das wollte ich in so einer Kriegsszene drinnen haben. Die Texten handeln ja auch von diesen Themen, mit denen man von der Medienlandschaft zur Zeit zugedröhnt wird.

Perfekte Themen für eine Band wie euch, nicht wahr?
Eine Band wie wir muss einfach darüber singen, klar – das war schon immer so. Man muss eine Stellung beziehen.

Hättest du die Texte erst jetzt geschrieben – würden sie dann auch aktuelle Dinge, wie beispielsweise die erhöhte Terrorgefahr, behandeln?
Terrorwarnungen gibt es ja schon seit einer halben Ewigkeit, jetzt besteht eben eine akute Gefahr. Bei mir war es so, dass der 11. September wirklich einiges für mich verändert hat, obwohl es jetzt schon so viele Jahre her ist. Man ist einfach schockiert darüber, was überall so abgeht. Wenn Bundeswehrsoldaten in Afghanistan sterben oder sich ein Selbstmordattentäter auf irgendeinem Markt in die Luft jagt. Das ist doch alles Scheisse. Ich versuche das auf lyrische Art und Weise zu verarbeiten und dass dabei auch brauchbare Texte entstehen, ist mir sehr wichtig.

Zumal ihr ja noch nie eine Band wart, die mit plakativen oder zu weit hergeholten Lyrics hantiert hat.
Ich mag diese Klischeetexte einfach nicht, wie sie beispielsweise Manowar schreiben. Die Texte sollten direkt aus dem Leben gegriffen sein und ich schreibe in erster Linie auch aus der Perspektive, wie ich etwas empfinde. Wenn die Fans dann noch was draus lernen oder verstehen können, bin ich natürlich auch zufrieden. Aber klar: Über solche akuten Terrorwarnungen macht man sich natürlich auch seine Gedanken. Ich will nächste Woche nach Berlin fahren und man weiß ja nie – wenn du da am Bahnhof stehst und…

Als Sänger in einer Thrash Metal-Band bist du auch in der optimalen Position, deinen Ärger einfach ganz ungefiltert rausschreien zu können.
Klar, die Bühne und so ein Album bietet einem natürlich schon die Möglichkeit, ein paar Dinge einfach für dich herauszuschreien. Gerade bei Songs wie „In War And Pieces“ oder „The Art Of Killing Poetry“ hört man es ja auch ein bisschen raus, dass wir gewisse Aggressionen auch anstauen können. Waldemar, unser Produzent, sagte auch: „Du kannst ja aggressiv singen, aber es muss halt auch rüberkommen!“

Was meinst du: Würde es den Politikern helfen, wenn sie ihre Umgangsformen mal sein lassen würden und einfach sagen, was Sache ist, ihrem Ärger freien Lauf lassen?
Natürlich würde das helfen. Gut, ich kann das jetzt so einfach sagen, klar. Aber jeder sollte seine eigene Meinung sagen können. Und ob die Politiker überhaupt ihre eigene Meinung sagen, wage ich jetzt auch mal zu bezweifeln. Aber natürlich kann das helfen, einfach mal zu sagen, dass es ein paar Probleme in unserer Gesellschaft gibt, die man jetzt einfach mal angesehen muss. Aber die Ignoranz der Menschen und der Gesellschaft ist auch etwas, das mich so ein bisschen ärgert. Ich selbst kann leider nicht mehr politisch aktiv werden, dazu fehlt mir wegen der Band einfach die Zeit. An erster Stelle kommt bei uns zwar die Musik, aber wenn wir durch die Texte noch ein bisschen was erklären und ausdrücken können, ist es umso besser.

Gab es in Sachen Songtexte auch Hilfe von Außen oder habt ihr die alle komplett in Eigenregie geschrieben?
Eine gute Bekannte von unserem Schlagzeuger hilft uns da seit ein paar Jahren, die Texte ins Englische zu übersetzen, weil sie sehr gut darin ist, für gewisse Sachen die passenden Ausdrücke zu finden. Es ist mir auch wichtig, dass meine Texte nochmal überarbeitet werden – gerade die Rechtschreibung und Grammatik, weil mein Englisch eben auch nicht perfekt ist. Da ist es schon gut, wenn man Hilfe von jemandem bekommt, der sich so richtig auskennt.

Stimmt es denn, dass der Pfarrer in deiner Heimat dich schon oft in die Kirche einladen wollte – samt deiner Bassanlage?
Das stimmt, aber er hat mich bisher noch nicht überreden können (lacht). Bei einer Kommunion habe ich ihn gesehen und er meinte dann, dass er auch Klampfe spielt und sie in der Kirche auch sehr viel Musik machen und ob ich mich nicht mal einbringen wollte. Ich hab ihm dann stattdessen erklärt, welche Musik wir eigentlich spielen und dass das nicht unbedingt passen würde. Ich schalte die Marshall-Endstufe an und man hört von seiner Klampfe nichts mehr… Ich bin ohnehin kein Freund der Kirche und auch schon vor Langem ausgetreten. Die Kinder müssen selbst entscheiden, wie sie es damit halten wollen.

Also keine Spur von Versöhnlichkeit in Sachen Kirche?
Ach, Versöhnlichkeit kann man so nicht sagen… Ich bin früh aus der Kirche ausgetreten, weil der Beitrag früher halt ein Kasten Bier im Monat war. In der Lehre sind wir damals geschlossen zum Amtsgericht, haben den Zettel ausgefüllt und sind ausgetreten. Die Kirche macht ja auch viel kaputt. Gestern habe ich gehört, dass der Papst Kondome jetzt doch endlich mal erlaubt, aber sie sollen doch bitte nur von Prostituierten benutzt werden. Ich mein: Hallo, hat der sie nicht mehr alle? Der meint wohl, nur weil er dazu in der Lage sein sollte, alle Menschen zu füttern, kann er auch die Moral predigen, dass die Menschen ohne Kondome ins Gefecht gehen sollten… sozusagen. Das ist doch schlimm, wirklich schlimm. Unglaublich. In Afrika, wo du die meisten Aids-Toten hast, Kondome zu verbieten. Die Leute leben zwar da, aber die wollen doch auch mal ran. Ist doch normal.

Ein perfektes Thema für einen neuen Text, oder nicht?
Absolut! Ich weiß noch nicht, wie ich das umschreiben soll, aber da fällt mir noch was ein (lacht).

Zum „Knarrenheinz“ ist dir letztendlich ja auch was eingefallen. Der darf nämlich jetzt, nach über 20 Jahren, auch endlich mal vom Artwork in einen Song. In diesem Fall wurde ihm der gleichnamige Titel auf dem neuen Album gewidmet.
Wir waren mal wieder im Proberaum und haben an diesem Song gearbeitet, aber noch keine Texte dazu. Bei uns entsteht ja absolut alles im Proberaum, wir schicken uns nichts als MP3 hin und her. Es kam dann eher zufällig, dass ich dieses Stück „Knarrenheinz“ nannte. Meine Jungs waren gleich vollkommen begeistert davon und meinten: „Schreib doch endlich mal was für ihn, er hat sichs doch verdient!“. Geschrieben habe ich dann, was er schon alles erlebt hat, auch wie ich die Cover sehe, auf denen er aufgetaucht ist. Das war jetzt nicht von langer Hand geplant, aber wenn mir spontan ein guter deutscher Text einfällt, lasse ich den dann auch auf Deutsch. Live wird der Song bestimmt gut ankommen, das schreiben auch viele Leute. Der Titel an sich ist ja auch ein ziemlich brachiales Stück, eine richtige Thrash-Granate.

Aufgenommen wurde „In War And Pieces“ mit Waldemar Sorychta. Wie seid ihr genau auf ihn gekommen? Er ist ja eher durch seine Arbeit mit Bands wie Tiamat, Sentenced und Lacuna Coil bekannt.
Man muss ja erst mal sagen, dass wir gar nicht im Studio waren und auch in keines wollten. Ein Studio kostet heutzutage 800-1000€ am Tag und wir dachten uns, dass man das Geld besser in einen richtigen Produzenten investiert, der die Sachen dann mit einem im Proberaum aufnimmt. Den Waldemar habe ich auf dem Rock Hard Festival getroffen und darüber gesprochen, dass wir bald unser neues Album machen wollen. Es kam dann alles nach und nach zusammen, als er sagte, dass er auch starkes Interesse daran hätte, mal wieder sowas mit einer Band zu machen.Er war nicht nur ein richtiger Produzent, nicht einfach ein Soundtechniker, sondern praktisch unser viertes Bandmitglied und hat einen echt guten Job gemacht. Das ging teilweise schon wirklich ans Eingemachte.

Vor allem für dich persönlich, wie ich gehört habe.
Ja, ich musste nämlich jeder Strophe 10 Mal singen, weil er nicht zufrieden war. Ich habe noch nie so gearbeitet, aber es hat sich wirklich gelohnt. Teilweise bin ich aber schon auch sauer geworden, denn eine Gitarre oder einen Bass kannst du frisieren, aber den Gesang nicht unbedingt. Irgendwann lässt deine Stimme halt mal ein bisschen nach. Aber wir haben schon einen sehr guten Kompromiss gefunden, denn ich wusste ja auch, was er meint und wofür es gut war, wenn er sagte: „Mach hier mal ein bisschen wie Tom Araya, hier mal eher ein Gegrunze wie früher“.

Grundsätzlich war mir eben auch wichtig, dass die Platte mal wieder einen richtig guten Sound bekommt. Unsere letzte vollwertige Scheibe hatte einen Sound, mit dem ich im Nachhinein nicht wirklich zufrieden war, obwohl die Songs an sich sehr gut waren. Ich wollte mal wieder ein großes Schlagzeug haben und die Gitarre schön nah am Ohr.

Wie war es dann auch, endlich mal einen festen Produzenten zu haben und nicht nur jemanden, der das Resultat dann halt technisch bearbeitet?
Das war natürlich super, weil wir schon lange nicht mehr mit einem richtigen Produzenten gearbeitet haben. Es ist schon schön, wenn man einen hat, der sagt, was man gut macht – aber ich brauche eben auch jemanden, der mal wirkliche Kritik übt und sagt, was nicht so passt, jemanden, auf den man sich dabei verlassen kann. Das bedeutet ja nicht, dass wir alles kaufen, was er uns anbietet. Waldemar hatte einfach super Ideen, auf die man auch zurückgreifen konnte. Er ist ein wirklich toller Musiker, Musik ist sein Leben und er kann gar nicht mehr ohne. Genau so einen Freak haben wir gebraucht, der seine Seele der Musik verschrieben hat. Wir hätten auch nicht mehr auf ihn verzichten können.

Gab es einen bestimmten Punkt, an dem ihr gemerkt habt: Okay, jetzt brauchen wir einen richtigen Produzenten oder wolltet ihr das die Jahre schon immer machen aber es ergab sich einfach nie?
Das neue Album hat ja relativ lange auf sich warten lassen. Da gab es die Probleme mit unserer Plattenfirma SPV, dann kamen andere Sache dazwischen, so dass es letztendlich vier Jahre dauerte, bis „In War And Pieces“ fertig war. Im Grunde genommen dachten wir während dieser Zeit aber nicht krampfhaft daran, dass wir jetzt einen Produzenten brauchen würden – das ergab sich eher so. Bobbys Vorschlag war dann eben Waldemar, den er auch schon länger kennt aus der Dortmunder Zeit. Er wollte also auf jeden Fall das Schlagzeug bei ihm machen, Waldemar meinte dann aber, dass er lieber alles zusammen machen möchte, damit er über alles ein Auge hat. Die Gitarren im einen Studio, das Schlagzeug hier und die Gesangsaufnahmen wieder wo anders zu machen, wäre einfach Schwachsinn gewesen. Deswegen einigten wir uns darauf, Waldemar alles in die Hand zu geben, damit einfach auch das Ergebnis besser wird. Es hat sich echt gelohnt und ich hoffe, wir können auch das nächste Album wieder mit ihm machen.

Du hattest ja gerade schon die Probleme eurer Plattenfirma SPV angesprochen, die Mitte 2009 Insolvenz anmelden musste. Gab es für euch einen Zeitpunkt, ab dem ihr euch dann auch nach anderen Labels umgesehen habt oder war klar, dass ihr SPV die Stange halten würdet?
Nein, das war überhaupt nicht klar. Die Probleme haben sich ja schon seit einigen Jahren abgezeichnet. Es gab zwar noch unsere bestehenden Verträge, die aber bei einem Insolvenzverfahren null und nichtig sind. Ich habe dann einen befreundeten Anwalt für Musikrecht angerufen, damit er sich ein wenig darum kümmern konnte. Viele Sachen kann man selbst auch nicht entscheiden oder durchblicken, weil sie ziemlich komplex sind. In dieser Zeit haben wir natürlich auch mit vielen großen Plattenfirmen geredet, die gemerkt haben, dass es SPV nicht gut geht – und die dann selbstverständlich auch versucht haben, die Bands davon abzugreifen; und ich wollte meine Band irgendwo unterkriegen, das ist ja auch verständlich.

Dann war es so, dass ich mit Oli Hahn gesprochen habe. Der Insolvenzverwalter hat die Geschäfte übernommen, denn der Manfred Schütz, der ehemalige SPV-Chef, ist ja nicht mehr da. Es gab ein Meeting, in dem wir erfahren haben, dass sie auf jeden Fall gerne mit uns weiter machen wollten. Wir haben die ganzen Sachen, die früher waren, vergessen, die Altlasten aus dem Weg geräumt und hatten dann natürlich den Platz, nach vorne zu schauen. Wir haben einen ganz neuen Vertrag mit einem komplett neuen Konzept aufgesetzt und ich bin wirklich froh, dass wir mit diesem Album bei SPV geblieben sind. Viele größere Bands sind ja auch weg, wodurch SODOM jetzt auch mehr Aufmerksamkeit bekommen. Die letzten Jahre über gab es immer ein paar Bands, die größer waren als wir, weswegen wir manchmal eher ein Nebenprodukt waren. Das wichtigste ist, miteinander zu reden. In der Vergangenheit herrschte oft Funkstille zwischen uns und SPV und wenn wir jetzt immer miteinander reden, können gewisse Probleme gar nicht erst entstehen oder, wenn dann mal welche da sind, aus dem Weg geräumt werden.

Anwälte wegen irgendwelcher Vertragsgeschichten, Meetings mit Plattenfirmen, die ganzen Promotiontätigkeiten – all das gabs in euren Anfangstagen nicht, was sicherlich auch weniger Arbeit bedeutet hat.
Früher haben wir ja noch einen Manager gehabt, der einem einiges abgenommen hat. Im Laufe der Jahre hat sich aber herausgestellt, dass wir gar keinen Manager brauchen. Was wir brauchen ist eine gute Booking-Agentur, eine gute Plattenfirma mit einer guten Promotion-Abteilung – den Rest kann ich eigentlich alleine machen. Was viele nicht wissen: SODOM ist ein Fulltime-Job. Nicht nur wegen der Interviews, die jetzt immer anstehen, sondern auch weil Abends geprobt werden muss, Buchhaltung erledigt werden will – das Finanzamt will ja auch bedient werden – und hin und wieder mal ein Treffen mit dem Steuerberater muss auch sein. Dazu kommen noch viele, viele andere Sachen. Ich bin verheiratet, habe zwei Kinder und dadurch fällt der ganz normale Kram des Alltags auch an. Man ist von morgens bis abends beschäftigt. Es ist nicht so, dass wir nur auf der Bühne sind und Musik machen…

Sehnst du dich dann nicht manchmal zurück in die Zeit, als das alles noch unkomplizierter war?
Natürlich, da war ja sowieso alles besser… Nein, im ernst. Es war alles noch einfacher, ganz klar. Es gab immer Geld, man konnte sich auch einen Manager erlauben, der alles Administrative erledigte, so dass man sich nur noch und ausschließlich um die Musik kümmern musste. Die Zeiten haben sich sowieso geändert und viele resignieren mittlerweile auch, weil sie überfordert sind mit den ganzen Sachen, die heute für eine Band anfallen.

Zumal es in letzter Konsequenz auch gar nicht bei euch selbst liegt.
Richtig, denn letztendlich entscheidet immer der Käufer, was aus einer Band wird, ob sie sich ein Management leisten kann oder nicht. Wir haben jetzt auch gesagt: „Wow, das neue Album ist Klasse, echt toll – aber von jetzt an entscheidet der Käufer, wie es weitergeht.“ Früher ist das alles von selber gelaufen, absolut jede Platte kam gut an, wir mussten uns da gar keinen Kopf drüber machen, weil sich eh alles verkauft hat. Die Zeiten haben sich leider geändert. Man muss viel, viel mehr für weniger Erfolg machen. Wir können uns aber gar nicht beschweren, wir sind in diesem Genre eine Institution, haben einen riesigen Fankreis und profitieren auch von neuen Hörern, die sich an alten Sachen orientieren. Wir haben mittlerweile einen Kultstatus, für den wir natürlich lange und hart arbeiten mussten.

Für das Frühjahr steht jetzt eine Europatournee an, für einige Sommerfestivals seid ihr ebenfalls schon bestätigt. Auf welche Art Festival freut man sich denn nach so langer Zeit am meisten? 70.000 Tons Of Metal, diese Festival-Kreuzfahrt?
Ganz klar. Das ist natürlich etwas sehr Besonderes. Aber man muss auch sagen, dass wir für eine Show satte fünf Tage unterwegs sind. Da haben wir uns schon überlegt, ob wir das wirklich machen sollen, weil man die Zeit auch anders und effektiver nutzen kann. Wir hoffen aber, dass wir dort auch ein wenig relaxen und uns im Liegestuhl mit einem Drink zurücklehnen können, nach dem Stress, den wir bis dorthin noch haben werden. Das Hellfest in Frankreich ist auch immer was Besonderes, obwohl natürlich jedes Festival seine ganz eigenen Vorzüge hat. Vielleicht klappt es dieses Jahr auch wieder mit Wacken – man weiß es nicht. Mit dem neuen Album können wir eigentlich auch wieder auf jedem Festival spielen, das wir spielen wollen. Ich freue mich immer auf Festivals, weil es für mich immer sehr interessant ist. Mal sehen, was da noch kommt. Wir wollen natürlich auch nicht die ganze Zeit touren – man muss ja ein wenig mit seinen Kräften haushalten.

Euer 25-jähriges Jubiläum habt ihr relativ groß gefeiert – steht für das sagenhafte 30. Jubiläum im kommenden Jahr überhaupt noch was an?
Ich denke mal, dass die Plattenfirma noch irgendwas veröffentlichen wird. Ich habe mal an eine schöne Box mit allen alten Videos, Live-Aufnahmen und so was auf DVD gedacht. Irgendetwas in diese Richtung vielleicht. Die Plattenfirma wird sicherlich was rausschmeißen, daran kann man sie ja auch gar nicht hindern. Ich kann durch meine Mitarbeit nur dafür sorgen, dass es dann auch qualitativ unseren Anforderungen entspricht.
Ich habe auch überlegt, eventuell doch nochmal eine Show mit Ex-Musikern zu machen, aber das werden ja momentan immer weniger. Aber solche Feiern kann man nicht ständig machen. Das 30. feiern wir vielleicht im Rahmen einer kleinen Party mit Freunden oder auch ein kleines Konzert dazu packen. Aber ich will das alles auch nicht an die große Glocke hängen.

Abschließend kommen wir noch zu unserem Metal1.Brainstorming, wenn du Lust darauf hast. Was fällt dir zu den folgenden Begriffen ein:

Laufzeitverlängerung: Atomkraft
Dortmund: Schalke
Knarrenheinz: Erfolg
Irland: Wochenende
Metal1.info: Muss ich ma‘ gucken (lacht)

Tom, vielen Dank für deine Zeit, alles Gute für das Album und die anstehende Tour!
Klar, gerne! Vielleicht sieht man sich ja mal auf Tour. Ludwigsburg ist unsere letzte Show, da ist dann alles entspannter und man kann auch ein bisschen Party machen.