CD-Review: Sodom - Out Of The Frontline Trench (EP)

Besetzung

Tom Angelripper - Gesang, Bass
Frank Blackfire - Gitarre
Yorck Segatz - Gitarre
Husky - Schlagzeug

Tracklist

01. Genesis XIX
02. Down On Your Knees
03. Out Of The Frontline Trench
04. Agent Orange
05. Bombenhagel (live)


Seit er seine Band vor knapp zwei Jahren radikal umbesetzte, wähnt sich SODOM-Frontmann Tom Angelripper offenbar unter Zugzwang: Spielte die Band bereits Ende 2018 eine EP in der neuen Zusammenstellung ein, folgt mit „Out Of The Frontline Trench“ nur ein Jahr später gleich der nächste Teaser für das kommende Album. Dabei scheint sich zu bestätigen, dass der Chef SODOM seit dem „Bruch“ wieder näher an die Anfänge der Truppe heranführen möchte, denn auch die neueste Veröffentlichung wird wieder von einem plakativ ranzigen Artwork der ganz alten Schule sowie besonders „true“ aussehenden Poser-Fotos mit möglichst vielen Ketten und Nieten auf der Rückseite geschmückt. „Back To The Roots“ also? Äußerlich auf jeden Fall…

Musikalisch gelingt es SODOM auf „Out Of The Frontline Trench“ – zum Glück – den Mittelweg aus retro und ihrem jüngeren Schaffen zu beschreiten. Los geht’s mit „Genesis XIX“, das auch den Titeltrack zum kommenden Album darstellt und hier bekommen es Fans mit einem typischen Uptempo-Song aus dem Hause SODOM zu tun. Zwar fällt die Nummer nicht mehr ganz so komplex aus wie der Großteil des letzten Albums „Decision Day“, anders als die optische Aufmachung dieser EP vermuten lässt, klingt der Song aber auch nicht aufgesetzt altbacken. SODOM überzeugen hier mit infektösen Headbang-Riffs und dezent punkiger Attitüde, wobei der Song wie auch schon der „Partisan“-Titeltrack im Mittelteil weitaus atmosphärischer daherkommt, als eingangs zu vermuten ist.

Die beiden nachfolgenden Nummern „Down On Your Knees“ und der Titelsong schlagen in eine ganz ähnliche Kerbe, wobei gerade ersterer Song ebenfalls von einer nicht zu überhörenden Punk-Attitüde gekennzeichnet ist, die ihm im Refrain einen hymnischen Anstrich verleiht. Im nachfolgenden Titelsong gibt’s statt Punk-Note dann dank gelegentlichem Schrammel-Riffing stattdessen einen leichten Black/Thrash-Anstrich, was bei den Ruhrpott-Thrashern ja ebenfalls nicht ungewöhnlich ist. Da all diese Songs in eine ganz ähnliche musikalische Richtung gehen, ist diese EP sicher nicht die abwechslungsreichste Veröffentlichung der Formation, sie zeigt aber auch, dass SODOM auch im neuen Line-Up zu starken Songs fähig sind.

Da der latente Punk- bzw. Rotz-Faktor auf „Out Of The Frontline Trench“ eines der deutlichen stilistischen Merkmale ist, darf angenommen werden, dass SODOM darunter die Rükkehr zu ihren Wurzeln verstehen. Ganz unrecht haben sie damit sicher nicht, es ist aber dennoch schön, dass die Truppe ihren musikalischen Werdegang der letzten 30 Jahre nicht gänzlich vergessen machen will. Dazu haben die Kompositionen auf dieser Platte dann doch zu viel mit neueren Alben der Band gemein. Das gilt insbesondere für die Produktion von „Out Of The Frontline Trench“, denn die ähnelt stark der von „Decision Day“. Das ist auch gut so, denn so klingen SODOM hier zu keiner Zeit zwanghaft räudig, sondern punkten mit druckvollem, ausgeglichenem Sound, wie er sich für zeitgenössische Metal-Platten gehört.

Dass eine Band nach größeren Umbesetzungen einen ihrer Klassiker neu aufnimmt, ist keine Seltenheit und so haben auch SODOM für ihre aktuelle EP mit „Agent Orange“ einen ihrer größten Hits neu eingespielt. Dass die aktuelle Besetzung in der Lage ist, der Nummer spielerisch gerecht zu werden, steht außer Frage und auch der moderne, wuchtige Sound tut dem Song durchaus gut. Erwähnenswert ist hier vor allem, dass der Song im Vergleich mit den vorangegangenen Titeln keineswegs einen Stilbruch darstellt – was die Rückbesinnung auf ihre Wurzeln angeht, scheinen SODOM also auf einem guten Weg zu sein.

Tom Angelripper ist es keineswegs egal, was Fans über seine Band denken. Als „In War And Pieces“ – im Übrigen eines der besten Alben, die SODOM je gemacht haben – aufgrund seines polierten Sounds von irrgeleiteten Konsumenten als „Metalcore“ bezeichnet wurde (ein vollkommen an den Haaren herbeigezogener Vergleich), sah der Bandkopf seine Glaubwürdigekeit derart bedroht, dass er mit „Epitome Of Torture“ ein Album veröffentlichte, das mit weniger melodiebetonten Songs und geradezu komikhaft räudigem Bass-Sound klarmachen sollte, dass SODOM nach wie vor die Alten sind. Man könnte annehmen, dass Herr Angelripper durch die Wiedereinstellung von Fan-Liebling Frank Blackfire und Platten-Layouts, die mit jedem Pinselstrich „old school“ schreien, einen ähnlichen Plan verfolgt. Dabei ist es fraglich, ob SODOM sich tatsächlich an eine Szene anbiedern müssen, die ihren Status nie in Frage gestellt hat. Erfreulich ist jedoch, dass diesmal weder Songwriting noch Produktion darunter leiden, denn da ist bei der Mannschaft aus Gelsenkirchen nach wie vor alles im grünen Bereich – das macht „Out Of The Frontline Trench“ unmissverständlich klar.

Bewertung: 7.5 / 10

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