Interview mit Thymos von Streams Of Blood

In der deutschen Hartwurstler-Szene kümmern sich STREAMS OF BLOOD um die finstereren Klänge. Die Gruppe ist im Black Metal zu verorten und hat jüngst ihr drittes Album „Allgegenwärtig“ via Folter Records veröffentlicht. Frontmann und kreativer Kopf Thymos gab uns einen Einblick in den Songwriting-Prozess der Band, verriet uns, was ihn inspiriert und erklärte uns, warum er nichts von Stärken und Schwächen hält. 

Wie fühlt es sich an, mit eurem nunmehr dritten Album „Allgegenwärtig“ wieder eine neue Scheibe in den Startlöchern zu haben und worauf seid ihr bei der Platte besonders stolz?
Es fühlt sich natürlich gut an, aber in erster Linie ist es das Gefühl, dass man sein Ziel erreicht und das Werk vollendet hat. Stolz… ich bin eher froh, dass dieses Mal fast alles wie geplant vonstattenging. Die Stücke zu komponieren, arrangieren, recorden und so weiter. Bei dem letzten Album „Ultimate Destination“ war das leider nicht so.

Was dient euch als Inspirationsquelle, wenn ihr Songs schreibt?
Das Leben sowie Erlebnisse und Erfahrungen. Die allgegenwärtige Dunkelheit und der Tod sind große Aspekte davon. Aber natürlich können auch Medien wie Bilder, Bücher, Filme und Musik eine Inspiration sein.

Wie informiert ihr euch über mögliche Themen?
Bei den meisten Songs ist es so, dass ich einfach ein Erlebnis, eine Erfahrung oder eine Geschichte von mir vertone und anders interpretiere. Ein Beispiel ist der Song „Corrosion“. Inspiration dafür war mein damaliger Job im Bahnhofsviertel in Frankfurt. Ich sah fast täglich die gleichen Junkies herumlaufen. Es ist erstaunlich, wie sich der menschliche Körper durch Drogen wie Crack, Krokodil oder Meth in kürzester Zeit verändert.

Denkst du, dass auch die Musik, die ihr persönlich hört, Auswirkungen auf euren kreativen Prozess hat?
Auch die Musik, die wir hören, beeinflusst unseren Geist in irgendeiner Weise. Wichtig ist nur, dass man daraus versuchen sollte, seinen eigenen Stil zu entwickeln und diesen mit in die eigene Musik einfließen zu lassen, anstatt sie zu kopieren.

Wie funktioniert das Songwriting innerhalb von STREAMS OF BLOOD?
Bis jetzt ist es so gewesen, dass ich größtenteils alles Songs im Vorfeld alleine komponiert habe. Die Schlagzeug-Parts wurden dann anschließend bei einer gemeinsamen Session zwischen mir und dem jeweiligen Schlagzeuger darauf komponiert.

Verfolgt ihr beim Songwriting eher einen traditionellen Ansatz mit Proberaum-Jams oder arbeitet ihr auch am Computer und nutzt das Web zum Ideenaustausch?
Wir verfolgen sowohl den traditionellen als auch den modernen Weg. Erst einmal werden die Songs von mir und dem Drummer zu 90 Prozent im Proberaum fertiggestellt. Anschließend nehmen wir sie auf und überarbeiten oder verändern sie eventuell noch. Die Tabs und Songs tauschen wir untereinander digital aus. Diese Kommunikation ist notwendig, da wir alle verstreut ansässig sind und wir uns nur zur gemeinsamen Probe treffen können.

Setzt ihr euch beim Schreiben selbst Ziele?
In erster Linie passiert es einfach. Meiner Meinung nach wäre es suboptimal, bei solch intensiver und ausdrucksstarker Musik auf einen Plan zurückzugreifen. Ziel ist, das Unerwartete zu erwarten.

Gibt es etwas, worauf du beim Songwriting vor allem achtest?
Qualität statt Quantität! Nur noch Songs zu kreieren, die es wert sind, veröffentlicht zu werden. Lied und Text müssen einfach stimmig sein. Ich gebe zu, dass darauf in früheren Jahren manchmal weniger Wert gelegt wurde. Aber man wächst mit der Zeit und ändert seine Ansprüche.

Wie lange dauert bei STREAMS OF BLOOD der Entstehungsprozess von der ersten Idee bis zum fertigen Song?
Manchmal geht es schnell in fünf Minuten und manchmal dauert es fünf Monate.

Im Bereich Home-Recording hat sich in den letzten Jahren eine Menge getan. Inwiefern hat das Einfluss auf eure Herangehensweise?
In dieser Hinsicht bin ich etwas old school. Ich habe zwar ein Interface, das ich hin und wieder benutze, um zu Hause Werke am PC aufzunehmen, aber eigentlich komponiere ich am liebsten ohne. Meistens fahre ich in den Proberaum und spiele dort in aller Ruhe. Die Riffs oder Kompositionen merke ich mir dann einfach bis zur nächsten Session.

Wie trittst du der Gefahr entgegen, beim Songwriting in ein kreatives Tief zu fallen?
Dafür habe ich noch kein Allheilmittel gefunden. Es gibt immer Hoch- und Tiefphasen im Leben eines Künstlers. Ich denke, das Wichtigste ist, seinen eigenen Stil zu finden und zu bewahren.

Wo siehst du deine größte Stärke, wo deine größte Schwäche als Musikschaffender und warum?
Ich finde die Ausdrücke Stärke und Schwäche in diesem Fall nicht passend. Es sind Eigenschaften, Fähigkeiten und Interessen, die ein jeder besitzt. Für die einen hat man mehr und für die anderen weniger Talent. Ich probiere, diese Talente bei mir und der Band zu erkennen, zu fördern und auszubauen. Ich denke, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Deswegen schätze ich die Kunst bzw. Musik so sehr. Jeder hat dadurch die Möglichkeit, sich in irgendeiner Form auszudrücken. Es gibt keine Grenzen. Ob es dann einem selbst zusagt, ist die andere Seite.

Was möchtet ihr mit eurer Musik bei den Hörern bewirken?
In erster Linie machen wir die Musik für uns. Es ist eine Form, sich auszudrücken. Über die Wirkung bei Hörern habe ich mir ehrlich gesagt noch keine großen Gedanken gemacht. Wir wären aber sehr interessiert daran, wenn uns irgendwann einer der Hörer mitteilen würde, was es bei ihm bewirkt.

Abschließen möchte ich das Interview gerne mit dem traditionellen Metal1-Brainstorming. Was fällt dir spontan zu folgenden Begriffen ein?
Traditionen sollen nicht gebrochen werden, deshalb mach ich eine Ausnahme für euch!
Donald Trump: Ist vielleicht auch ein Ausdruck von moderner Kunst.
Winter:
Getränkemarkt vor der Haustür.
Brexit: Für die Zukunft wahrscheinlich Mehrarbeit bei der Verzollung.
Black Metal anno 2017: Wird gut.
Absolutes Lieblingsalbum: Fällt mir spontan nichts ein.
STREAMS OF BLOOD in zehn Jahren: Wir machen dann Arthritis-bedingten „Doom-Metal“.

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