Interview mit Vicky Psarakis von The Agonist

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THE AGONIST haben mit „Days Before The World Wept“ ihre erste EP veröffentlicht und können mit ihrer komplexen, progressiven und düsteren Herangehensweise an den Melodic Death Metal überzeugen. Sängerin und Songschreiberin Vicky Psarakis spricht mit uns im Interview über die Konzeptstory der EP, sich verändernde Hörgewohnheiten und warum sie auf Twitch einfach sie selbst sein kann.
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Hi Vicky, danke dir für deine Zeit. Wie geht es dir dieser Tage?
Mir geht’s gut, danke. Ich bin vermutlich so beschäftigt wie noch nie in meinem Leben, aber es ist die richtige Art von Arbeit und das weiß ich zu schätzen.

Ihr habt euch entschieden, mit „Days Before the World Wept“ eine EP zu veröffentlichen. Was gefällt euch am EP-Format und warum war es für diesen Release die richtige Wahl, anstatt direkt an einem neuen Album zu arbeiten?
Ach, weißt du, diese Frage wird mir in jedem einzelnen Interview gestellt. Es gibt viele Gründe, warum eine EP in diesen Zeiten besser passt. Ich finde nicht, dass sie in irgendeiner Art und Weise weniger Wert sind als „Full Length“-Alben. Möchtest du lieber fünf tolle Songs, die die Mehrheit unserer Fans gut findet und wertschätzt, oder ist es besser, ein Album mit zehn oder mehr Tracks zu veröffentlichen, auf dem es potentielle „Filler“ gibt oder Songs, die einfach übersehen werden, weil die meisten Leute sich nicht mehr ganze Alben von Anfang bis Ende durchhören?

„Der romantische Teil in mir spürt diese starke Verbindung zur Musik“

Lösen sich deiner Meinung nach die Unterschiede zwischen den physischen Formaten aufgrund von Streaming also auf? Wird es also digitale Singles als einzelne Tracks oder EPs in Zukunft mehr und eher geben als Alben?
Das passiert bereits, besonders bei kleinen Bands, die nicht das Geld für das Pressen physischer Kopien ihrer Musik ausgeben wollen. Digitale Formate sind viel weniger riskant und seien wir doch mal ehrlich, die meisten Leute hören Musik eh auf diese Weise. Ich finde es wichtig, eine physische Version der Alben zu haben, die man liebt. Der romantische Teil in mir spürt diese starke Verbindung zur Musik. Die Zeiten ändern sich aber ständig und die Menschen passen sich an.

The Agonist Bandfoto

„Days Before The World Wept“ hat ein Konzept, wobei „Remnants In Time“ das erste Kapitel mit den letzten Momenten im Leben eines Menschen ist. Was kannst du uns von der Story und den Texten erzählen? Welche Reise beginnt, nachdem diese Person erwürgt wird?
Bei dieser EP habe ich mit der Idee eines Lebens nach dem Tod herumgespielt. Die Story beginnt am Ende des Lebens unseres Charakters und durchläuft mehrere Kapitel, bevor sie in diese Welt zurückkehrt. Es ist ganz klar eine fiktionale Geschichte, da ich nicht behaupten kann, etwas in der Art selbst erlebt zu haben. (lacht) In meine Lyrics lasse ich aber immer eine große Menge Realität und Dinge, zu denen die Hörer eine Verbindung aufbauen können, einfließen. Man musst nicht unbedingt die gleiche Reise erlebt haben, um zu verstehen, was jemand durchmacht. Mir ist es wichtig, ein Stück Kunst zu erschaffen, bei dem Menschen starke Gefühle entwickeln können, während sie es hören.

„Man musst nicht unbedingt die gleiche Reise erlebt haben, um zu verstehen, was jemand durchmacht“

Wie hängt das Coverartwork mit den Songs und der Story zusammen? Sehen wir hierauf den sterbenden Protagonisten?
Das Artwork ist komplett inspiriert und umgesetzt durch den Künstler Giannis Nakos von Remedy Art Design. Ich kenne Giannis nun schon seit über zehn Jahren und aus irgendeinem Grund haben wir bis zu dieser EP noch nie mit ihm zusammen gearbeitet. Er ist ein sehr kreativer Mensch, der es liebt, seine eigene Vision auf der Grundlage des Sounds und der Texte der Band zu entwickeln. Wir haben ihm unser Material gegeben und das hat er daraus gemacht. Es ist für mich das schönste Artwork, das THE AGONIST jemals hatten.

Ich finde, THE AGONIST werden mit jeder Veröffentlichung düsterer, progressiver und cineastischer. Der cinematografische Stil wird auf der EP durch gesprochene Passagen und einige Soundtrack-Eigenschaften verstärkt. Ist es eine bewusste Entwicklung eures Sounds, immer düsterer und komplexer zu werden? Wie siehst du eure Entwicklung?
Ich denke, wir haben uns natürlich entwickelt, aber auch bewusst. Als ich zur Band kam, war sie etwas unentschlossen, in welche Richtung sie gehen will, das wurde mit den Jahren aber immer deutlicher. THE AGONIST klingen am besten, wenn der Sound voller Dunkelheit und Intensität ist und es schafft, dich innerhalb eines Songs von den softesten zu den härtesten Dimensionen zu tragen.

Das Musikvideo zu „Remnants In Time“ ist großartig geworden, besonders dein „böser Look“ ist überragend. Wie war es, diese Rolle zu spielen und wie lange hat es gedauert, das ganze Make-up fertigzustellen?
Danke! Der „Demon Look“ war mein Lieblingspart beim Video! Wir haben mit Mary Jane Khalife, einer herausragenden Special-FX-Make-up-Künstlerin, zusammengearbeitet und sie hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich glaube, sie hat nur etwa zwei Stunden für den Look gebraucht. Einfach ein Vollprofi!

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Im Zuge des Musikvideos hast du gesagt, dass du großer Horror- und Science-Fiction-Fan bist. Welche Filme, Serien oder Bücher dieser Genres haben dir zuletzt besonders gut gefallen?
Ehrlich gesagt fallen mir kaum aktuelle Filme oder Serien ein, da ich dafür zuletzt einfach keine Zeit hatte. (lacht) Die letzte aktuellere Serie, die ich aus dem Bereich zu Ende geschaut habe, war vermutlich „Supernatural“. Es geht zwar in eine witzige Richtung, aber für eine Serie mit 15 Staffeln muss ich sagen, dass sie etwas Tolles geschaffen haben.

„Es ist toll, einen Ort zu haben, an dem ich einfach ich selbst sein kann“

Du streamst viel auf Twitch. Warum ist das für dich eine so gute Plattform und wie wichtig ist es für dich, in direktem Kontakt mit den Fans zu sein?
Ich liebe Twitch! Ich mache das jetzt erst seit etwa neun Monaten, es ist aber aus verschiedenen Gründen mit Abstand meine bevorzugte Social-Media-Plattform. Es passiert alles in Echtzeit, du kannst also nichts zurücknehmen oder bearbeiten, das heißt die Leute sehen schlussendlich dein wahres Ich. Die Perfektionistin in mir hat den Hang dazu, alles zu überdenken und jede Kleinigkeit zu überanalysieren, also ist es toll, einen Ort zu haben, an dem ich einfach ich selbst sein kann. (lacht)
Vom finanziellen Standpunkt aus gesehen ist es für Content Creator auch ziemlich fair. Es ist super, dass die Leute dir kostenlos zusehen können und sich dann entscheiden können, dich zu abonnieren oder etwas zu spenden, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Im Gegensatz dazu müssen die User auf anderen auf Abos basierten Diensten sich erst registrieren und bezahlen, bevor sie überhaupt wissen, worauf sie sich da einlassen. Ich finde also, dass Twitch viel zugänglicher ist und dir hilft, dein Publikum viel schneller als auf anderen Plattformen zu vergrößern.

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Kommen wir zum Abschluss zu unserem traditionellen Brainstorming. Was fällt dir zu folgenden Begriffen zuerst ein…
Aktuelles Lieblingsalbum:
“This Place Will Become Your Tomb” von Sleep Token, was neue Veröffentlichungen angeht.
Kaffee oder Tee: Kaffee.
Hunde: Ghost und Orea – meine Hunde!
Natur: Laufen.
Star Wars: Lichtschwerter.
Etwas, das jeden schlechten Tag besser macht: Umarmungen.
THE AGONIST in zehn Jahren: Erschaffen.

Danke dir nochmal für deine Zeit, Vicky! Die letzten Worte gehören dir. Möchtest du unseren Lesern noch etwas sagen?
Wie immer einfach ein riesengroßes Dankeschön! V-Squad, ihr wisst wer ihr seid, danke, dass ihr alle mein Leben im letzten Jahr so viel besser gemacht habt!

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