Interview mit Markus Berger von Trance

Nachdem bereits 2011 klar wurde, dass das Metal-Urgestein TRANCE wieder musikalisch aktiv werden würde, mussten die Fans der Truppe noch bis 2017 warten, bis mit „The Loser Strikes Back“ das erste Studio-Album seit gut zwei Dekaden erschien. Aber man kann sagen: Das warten hat sich gelohnt! Gitarrist und Gründungsmitglied Markus Berger stellte sich unseren Fragen zum Woher und Wohin der Band und sprach über die positive Kraft des Heavy Metals.


Hallo und herzlichen Dank, dass du dir Zeit für das Interview nimmst. Du hast gerade mit TRANCE das erste Studio-Album seit bald 20 Jahren veröffentlicht – wie zufrieden bist du mit dem Ergebnis?

Die Zeitmaschine fliegt – mit unserem Produzenten Charly Czajkowski ist uns eine sehr druckvolle Reise von heute bis „Back to the 80s“ gelungen. Sowohl soundtechnisch als auch von der Songauswahl. Ich hatte ja eigentlich nie aufgehört zu komponieren. Deshalb stand uns ein Füllhorn mit verschiedensten Metalsongs für die finalen Album-Tracks zur Verfügung. Außerdem hatte ich Tapes und Sheets von total vergessenen TRANCE-Songs von 1977/1978 wiederentdeckt und war elektrisiert von der Urkraft der Musik aus den TRANCE-Pioniertagen. Da mussten natürlich auch einige von diesen rauhen Metal-Hämmern mit drauf.

Es finden sich auf eurem neuen Album „The Loser Strikes Back“ mehrere Anspielungen auf eure musikalische Wiedergeburt – der Phönix auf dem Cover ist nur die sichtbarste dieser Anspielungen. Allerdings hatte man schon den Eindruck, dass es eine Wiedergeburt mit Schwierigkeiten war. Warum ist seit der Reaktivierung der Band 2011 so viel Zeit vergangenen, bis „The Loser Strikes Back“ das Licht der Welt erblickt hat?
Wir wollten erst mal in Ruhe ausprobieren, wo wir mit unserer traditionellen Musik in der heutigen Zeit überhaupt stehen. Dazu war es sehr schwierig, einen Sänger zu finden, der kraftvoll und mit hoher Stimme den Geist der 80er heraufbeschwören kann. Als wir endlich komplett waren, kamen private Schicksalsschläge – meine Frau Andrea, die mitverantwortlich für die TRANCE-Reunion war, wurde 2011 sehr krank. Langwierige Behandlungen in der Schweiz mit ungewissem Ausgang nahmen mich voll in Anspruch. Leider verstarb sie im Mai 2014. Danach musste ich mich erst mal wieder selbst finden und diesen Verlust überhaupt irgendwie verwinden.

Mit eurem neuen Album schlagt ihr nicht nur durch den Titel eine Brücke zum Debüt der Band („Break Out“, 1982), sondern auch dadurch, dass ihr euch entschieden habt, den Song „Loser“ erneut aufzunehmen. Wie kam es zu dieser Entscheidung und wo siehst du die größten Unterschiede zum Original?
„Loser“ war 1982 unser internationaler Durchbruch. Wir waren damals damit in vielen Ländern auf #1. Weil wir wissen, dass unsere Musik absolut zeitlos ist, wollten wir mit diesem außergewöhnlichen und genialen Meisterwerk in der heutigen Zeit mit druckvollerem Sound neuen Generationen von Metalfans eine Chance geben, die dringliche Friedensbotschaft darin zu erkennen, um danach zu handeln und der Welt mehr denn je notwendige positive Impulse zu geben.

Wo wir gerade zurückblicken: Die Karriere von TRANCE umfasst über 30 Jahre. Was sind deiner Meinung nach die prägnantesten Unterschiede in der Musikszene von damals und heute? Gibt es Elemente, die du vermisst?
Die Unterschiede sind schon gewaltig. Neue elektronische Medien und das Internet schaffen neue Möglichkeiten der Verbreitung von Musik. Leider ist dadurch Musik für viele nicht mehr so wertvoll und wird oft als Umsonst- und Ramschware behandelt. Eine LP auf dem guten Plattenspieler ist immer noch soundmäßig unübertroffene Spitzenklasse, ein wahrer Ohrenschmaus, den leider viele gar nicht mehr genießen können. Die MP3s dagegen reduzieren viel in der Musik, manchmal werden sogar komplette Instrumente fast wegkomprimiert.

In dem Song „Trust and Glory“ kann man verschiedene historische Ton-Dokumente des 20. Jahrhunderts hören, darunter kurze Sequenzen der berühmten „I have a Dream“ Rede von M.L.King aus dem Jahre 1963. Was ist die Idee hinter dem Song, worum geht es und welche Funktion haben die montierten Sound-Clips?
„Trust and Glory“ schildert in epischen Soundgemälden den ewigen Kampf der „guten Kräfte“ gegen „das Böse.“ Die Einleitung des Songs beschreibt das friedvolle Tal am Abend vor der großen Schlacht. Dann versammeln sich die „Lichtkämpfer“ am Nachtfeuer und leisten den Schwur, mit Tapferkeit bis zuletzt für das Gute einzustehen. Im Morgengrauen beginnt die Schlacht der Heere, wobei die „Dunklen Mächte“ mit krassen Soundorgien vorrücken, um die Lichtsoldaten für immer zu vernichten. Die Guten stimmen dagegen einen Chor an, der von Brüderlichkeit, Eintracht und Toleranz erzählt. Unterstützt werden sie mit den wohl kraftvollsten Friedensbotschaften des letzten Jahrhunderts, von den wichtigsten Persönlichkeiten aus Gesellschaft, Politik und Musik gesprochen. Der Ausgang ist ungewiss – und liegt auch im übertragenen Sinne in den Händen der Zuhörer!

Gründungsmitglied Lothar Antoni (der bis 1996 Gesang und Gitarre beigesteuert hatte) ist seit 1998 unter dem Namen Trancemission unterwegs. Wie ist die Beziehung der beiden Bands? Ist das ein Konkurrenzverhältnis oder steht ihr in freundschaftlichem Kontakt?
Lothar und ich stehen in einem sehr freundschaftlichen Dialog. Gerade auch durch die fürs Weitere geplanten Re-Releases von teilweise vergessenen TRANCE-Werken wird sich vielleicht sogar demnächst die ein- oder andere Zusammenarbeit ergeben.

„The Loser Strikes Back“ ist bei dem Label Rockport Records erschienen, das auch die ersten drei Alben von TRANCE veröffentlicht hatte. Hat der Kontakt all die Jahre bestanden – und was war letztlich ausschlaggebend dafür, wieder bei Rockport zu veröffentlichen?
Das war wirklich ein reiner Zufall und ein unglaublicher Glücksfall. Denn auch Rockport war, wie TRANCE, eher einem Dornröschenschlaf verfallen, bis wir dann wegen musikrechtlicher Fragen mit unserem Entdeckerlabel nach Jahrzehnten wieder in Kontakt traten. Nachdem man dort auch mal das neue Material hören wollte, war man total geflashed und machte uns in der Folge ein Angebot, das wir einfach nicht ausschlagen konnten – und der Kreis hat sich endlich wieder geschlossen! Wir sind sehr froh, mit einem so engagierten Label wieder den Kampf zur Spitze der Metal-Elite antreten zu dürfen!


Seid ihr mit den aktuellen Entwicklungen der Metal-Szene vertraut oder beschäftigt euch das eher nicht? Falls ja, welche Veröffentlichung hat euch in den letzten Jahren beeindruckt?
Das ist bei jedem TRANCE-Musiker ganz unterschiedlich, z.B. IST unser Drummer Neudi die Metal-Szene! Er kennt, durch seine langjährige leidenschaftliche Medienarbeit wirklich alle! Bands, selbst die vergessenen der Heavy-Historie und auch absolute „Underground-Koryphäen“. Ich selbst hatte aber der Szene ab dem Zeitpunkt komplett abgeschworen, als plötzlich in den großen Magazinen die 90er No-Future-Grunge-Musik als Heavy Metal bezeichnet wurde. Da sah ich überhaupt keinen Weg mehr, mit einer fetten Ladung positiven Power-Rocks ein klein wenig zur Verbesserung der destruktiven Gesellschaft beizutragen. Mich persönlich hat ein Konzert von Axel Rudi Pell, zu dem mich meine Frau (als dessen großer Fan) mitschleppte, aus meiner totalen Resignation gerissen. Da kam auf einmal eine dermaßen geballte Kraft rüber, wie sie nur TRANCE in ihren Anfangstagen abgefeuert hat. Das hat mich komplett begeistert und die Flamme neu entzündet – und zur gleichen Zeit kam auch noch Tom Klein mit der Idee einer TRANCE-Reunion rüber.

Mit Joachim Strubel habt ihr einen neuen Sänger an Bord, der zuvor vor allem mit Coverbands unterwegs war, z.B. mit AC/ID, mit der ich ihn einmal gesehen habe. Kanntet ihr ihn von seinen Live-Auftritten, oder wie ist der Kontakt zustande gekommen?
Nachdem wir schon einige Sänger ausprobiert hatten, mussten wir erkennen, dass es sehr schwierig war, einen absolut stimmstabilen, ausdauernden Ausnahmesänger für die teilweise sehr hoch angelegten TRANCE-Vocals zu finden. Zu schnell kamen die Rufe, bitte die Klampfen tiefer zu stimmen – was für mich ein absolutes „No-Go“ ist, denn jede Tonart hat ihre Ausstrahlung und Botschaft, was leider viele Musiker durch leichtfertiges Transponieren nicht berücksichtigen. Meine Frau Andrea hat dann Joe Strubel entdeckt, als er mit Leichtigkeit die Menge mit einer 3-stündigen AC/DC Performance begeistern konnte.

Darf man sich im Verlauf des Jahres auf weitere Live-Aktivitäten von euch freuen? Zumindest eine Handvoll Shows ist ja bereits angekündigt …
Zu den bestätigten Festival Auftritten in Deutschland, Frankreich und Belgien wird für den Herbst eine Double-Headliner Tournee geplant, die quer durch Europa gehen soll.

Was sind eure Wünsche und Hoffnung für TRANCE? Zielt ihr darauf ab, die Band wieder fest in der Szene zu verankern? Wird es weitere Alben geben?
Ja – das ist das große Ziel: wieder so viele Metal-Rocker mit positiver Metal-Power zu begeistern und vereinen, um wie in den Pionierzeiten eine satt knallende Visitenkarte abzugeben! Da ich ja seit 1998 viele Stücke komponiert habe, ist auch fettes Material für weitere Alben vorhanden.

Zum Abschluss würde ich gerne das Metal1-Brainstorming mit dir spielen; sag uns einfach, was dir bei den folgenden Begriffen einfällt:
Motörhead: traurig
Weißbier: alkoholfrei – oder?
Geschichte: wiederholt sich
Heavy Metal: 80er
Flying V: The true „Metalaxe“ – and the „Love of my Life“!

Herzlichen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören dir.
Es kommen momentan jede Menge positiver Album-Reviews rein, deshalb wirklich allen erstmal ein großes „Thank You“, dass ihr wieder a.d. 2017 den alten Recken von TRANCE und dem Album „The Loser Strikes Back“ ein Metallerohr leiht und trinkt auf die rauhen Lieder ein Wohl! Bis bald auf Tour – und bleibt schön „gerade“, im einzig wahren Geist des Heavy Metals!
Love & Peace to the Planet!