Interview mit Steve MacKay von Twelve Foot Ninja

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TWELVE FOOT NINJA veröffentlichen mit „Vengeance“ nicht nur ein herausragendes, einzigartiges Album. Die Australier setzen mit „Project Vengeance“ zum medialen Rundumschlag an und veröffentlichen neben der Musik auch ein Videospiel, eine Graphic Novel und einen Fantasy-Roman. Gitarrist und Songwriter Steve MacKay spricht mit uns im Interview über die Viele-Welten-Interpretation, das Ausleben kreativer Möglichkeiten und aufeinanderprallende Ideen.

Twelve Foot Nina Vengeance Logo

„Project Vengeance“ ist wirklich eine große Sache. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, das Album zusammen mit einem Videospiel, einer Graphic Novel und einem Buch zu veröffentlichen, und wie hängen die ganzen Einzelteile storytechnisch zusammen?
Der rote Faden zwischen all diesen Konzepten basiert auf der „Viele-Welten-Interpretation“: Die Zeit ist ein sich unendlich ausdehnender Zweig eines Baumes, und alle Möglichkeiten werden in einer Parallelwelt oder einem parallelen Universum geschaffen. Die Graphic Novel spielt in einem nicht-physischen Raum, in dem „Schöpfungen“ aus dem Multiversum aufeinandertreffen. Das Enchiridion am Ende der Graphic Novel erklärt die Zusammenhänge genauer. Wir wollten schon immer, dass TWELVE FOOT NINJA mehr als nur eine Band ist. Es ist ein Portal in eine immersive Welt des Geschichtenerzählens. „Project Vengeance“ ist eine Iteration in einem wachsenden Universum dieser miteinander verbundenen Geschichten. Das Metathema dieser Iteration ist Rache, die eine treibende Motivation unseres Hauptprotagonisten Kiyoshi ist.

Twelve Foot Nina Bandfoto

Angefangen beim Bandnamen bis hin zum kompletten Project Vengeance seid ihr extrem kreativ. Was bedeutet Kreativität für dich? Wie wichtig ist es für dich, dich auf viele verschiedene Arten auszudrücken?
Danke für die netten Worte. Es ist mir sehr wichtig, verschiedene Medien nutzen zu können, um Geschichten zu erzählen und Ideen umzusetzen. Ich denke, Vielfalt ist essentiell, um einer Art kreativer Symbiose nahezukommen: Verschiedene kreative Möglichkeiten unterstützen sich gegenseitig und halten alles lebendig… Die Flut hebt sozusagen alle Schiffe.

Das Videospiel über Brusnik war eine witzige Idee, um einen neuen Song anzukündigen. Als Programmierer und Gamer interessiert es mich sehr, wie das Spiel und die Idee dazu entstanden sind und welche Spiele du selbst gerne spielst.
Wir haben das Video zu „Long Way Home“ vor Greenscreen gedreht, und da ich die Hintergründe gezeichnet habe, schien es der nächste logische Schritt zu sein, diese Bilder für ein einfaches Spiel zu verwenden… acht Monate später! Ich persönlich habe eine Vorliebe für alte PC-Spiele, die in irgendeiner Form eine Geschichte erzählen. „Cosmo’s Cosmic Adventure“ von Apogee war eine meiner Inspirationen, und Scott Miller selbst spielte mein Spiel und sagte: „Ein wildes Spiel! Ich finde es toll, dass du es entwickelst! Es sieht wirklich einzigartig aus“. Es war großartig, dieses Feedback von dem Typen zu bekommen, der hinter einer ganzen Reihe von einflussreichen Spielen wie „Doom“, „Duke Nukem“, „Max Payne“ und „Cosmo“ steht! Was AAA-Spiele angeht, bin ich ein großer Fan von „Halo“ und „Mortal Kombat“. Ich verfolge auch gerne die Entwicklung der VR-Technologie und nutze „Oculus Quest“ oft für Fitnessspiele.

Eine Graphic Novel zu schreiben oder ein Konzept für ein Buch zu entwickeln, ist sicher etwas ganz anderes als Songs für ein Album zu schreiben. Wie ist das abgelaufen und was hat dich beim Schreiben inspiriert?
Christopher Nolans Umsetzung der „The Dark Knight“-Geschichte hat mich sehr inspiriert. Das Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Charakteren mit sich überschneidenden Motivationen ist äußerst geschickt umgesetzt. Hans Zimmer war auch der Künstler, den ich in diesem Jahr am häufigsten gehört habe. Ich höre mir gerade tatsächlich „Time“ (aus Christopher Nolans „Inception“, Anm. d. Red.) auf Repeat an. Das und um die Frage zu beantworten: Wie können all diese scheinbar so unterschiedlichen Inhalte am selben Ort leben? Oder, noch wichtiger, wo ist dieser Ort?

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Mit „Vengeance“ seid ihr noch einzigartiger und origineller geworden, ihr könnt kaum in eine Schublade gesteckt werden. Welche Bands oder welches Genre würdest du als deine Haupteinflüsse bezeichnen?
Danke sehr! Mike Patton hat mich im Laufe der Jahre wirklich inspiriert. Er ist ein mutiger Pionier und hat wirklich den Grundstein dafür gelegt, Musik authentisch und ohne Grenzen zu interpretieren. Ich denke, dass Fredrik Thordendal von Meshuggah ebenfalls herausragt, da er absolut neu definiert hat, was Heavy Music aus rhythmischer Sicht sein kann. Hans Zimmer, Erik Satie, Jeff Buckley… Die Liste ist ziemlich bunt und lang!

Der Videoclip zu „Over And Out“ ist so witzig und zeigt so viel von eurer Kreativität, ich liebe vor allem die „Dream Gravy“-Szene. Wie entstand die Story und warum war Tatiana Shmayluk die beste Wahl als Sängerin für diesen Part des Songs?
Danke! Die Geschichte von „Over and Out“ folgte nicht wirklich einer chronologischen Struktur. Es war eine Art Haufen verschiedener, sich entwickelnder Ideen, die gleichzeitig aufeinander prallten. Ich finde Goblins witzig und in meiner Erinnerung tritt Slash im Musikvideo zu „November Rain“ eine freistehende Tür ein, was er tatsächlich gar nicht macht. Füge ein paar gepanzerte Gucklöcher hinzu und Voilà! Wir mochten Tati schon immer, seit wir Jinjer in der Ukraine getroffen haben.

Was können wir von der „Vengeance European Tour“ im Februar und März 2022 erwarten? Wie aufgeregt seid ihr, wieder auf Tour zu gehen und habt ihr etwas Besonderes geplant?
Unsere erste Priorität ist es, einfach im selben Raum miteinander proben zu können… Das erweist sich in unserer Heimatstadt Melbourne als schwierig, da sie den Weltrekord für Lockdowns hält. Es scheint fast wie ein ferner Traum, unsere Musik mit den Leuten in einer Live-Umgebung zu teilen… Es wird schon allein deshalb etwas Besonderes sein, würde ich sagen.

Chris Jericho von Fozzy hat in einem Interview gesagt, dass er sich Sorgen um zukünftige Festival-Headliner macht, wenn Metallica, Iron Maiden oder Judas Priest nicht mehr spielen. Was sagst du dazu? Ist TWELVE FOOT NINJA möglicherweise eine Band, die einen solchen Platz einnehmen könnte?
Ich kann den Standpunkt von Chris nachvollziehen, aber wenn man bedenkt, welch herausragende Karrieren sie hatten und dass nichts im Leben vor dem Tod sicher ist… ist es einfach eine unvermeidliche Tatsache. Es wäre großartig, die Möglichkeit zu haben, diese atemberaubenden Höhen zu erreichen… Ich bin ein bisschen skeptisch, dass das überhaupt noch möglich ist, weil diese Bands zu einer Zeit groß wurden, als die Aufmerksamkeit der Leute weniger breit über so viele Unterhaltungsmedien verteilt war.

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Kommen wir zum Schluss zu unserem traditionellen Brainstorming. Was kommt dir bei den folgenden Begriffen als erstes in den Sinn?
Aktuelles Lieblingsalbum:
Ich mache momentan eine pause vom Musikhören.
Marvel oder DC: Marvel ist der Hammer… aber mein Favorit ist Batman.
Videospiele: „Space Pirate VR“, „Shinobi“, „Borderlands 2“.
Twelve Foot Ninja vs. Twelve Foot Samurai: Kiyoshi ist beides!
Etwas, das jeden schlechten Tag besser macht: Alkohol.
TWELVE FOOT NINJA in zehn Jahren: Hoffentlich glücklich und gesund.

Danke vielmals für die Zeit für dieses Interview! Die letzten Worte gehören ganz dir. Möchtest du unseren Lesern noch etwas sagen?
Einfach ein riesiges Dankeschön an alle unsere deutschen Freunde und Unterstützer. Wir können es kaum erwarten, deutsches Bier zu trinken und euch alle bald wiederzusehen.

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