Interview mit KG Cypher von Vyre

Nachdem Eis nach ihrem Album „Galeere“ Schiffbruch erlitten, wurde die Besatzung in alle Winde verweht – während Alboin und Marlek mit „Wetterkreuz“ ihr Heil auf düsteren Pfaden an Land suchten, begaben sich KG Cypher, Hedrykk und Zyan mit ihrem neuen Schlachtschiff VYRE auf eine abendteuerliche Reise quer durch das Universum. Sänger KG Cypher berichtet über das Ende der gemeinsamen Kreuzfahrt mit Alboin, die neu gesteckten musikalischen Ziele und den bereits in absehbarer Zeit erscheinenden zweite Teil von „The Initial Frontier“.

vyre - logoVYRE entstand, „nachdem KG Cypher, Hedrykk und Zyan ihr altes Schiff EIS aufgrund zerrütteter Anomalien innerhalb der Besatzung verlassen hatten“. Das klingt so ehrlich wie verbittert. Was war passiert?
Ich denke, man kann es am besten mit den berühmten „musikalischen Differenzen“ beschreiben. Warum genau ich gefeuert wurde, kann ich nur vermuten. Hedrykk und Zyan sind dann im Prinzip mitgekommen, weil sie die musikalische Richtung, die Alboin Goldmund einschlagen wollte, nicht attraktiv fanden. Ich glaube, die Art und Weise, wie ich gefeuert wurde, hat diese Entscheidung noch unterstützt.

Copyright: Julian RüterboriesWährend Eis sich eher auf traditionellen Black Metal „rückbesonnen“ habt, seid ihr mit VYRE in die genau entgegengesetzte Richtung gegangen. Wie viel Eis steckt trotzdem in VYRE?
Es ist mit Sicherheit einiges „post-galeerisches“ auf „The Initial Frontier Pt. 1“ und besonders „The Initial Frontier Pt. 2“ auszumachen. Man muss bedenken, dass einige der Songs in ihren ursprünglichen Versionen von mir für einen etwaigen „Galeere“-Nachfolger geschrieben wurden. Wir werden aber nicht weiter an das Eis-Material anknüpfen.

Hast du Eis nach deinem Ausstieg weiter verfolgt? Wie stehst du zu „Wetterkreuz“?
Natürlich habe ich mitbekommen, wie es bei Eis weitergeht. Im Zeitalter der sozialen Netzwerke kann man ja gar nicht anders. Vor allem, da ich Marlek nach wie vor als einen guten Freund bezeichnen würde. Und wenn der was teilt, lese ich das natürlich. Meine Meinung zu „Wetterkreuz“ möchte ich gerne für mich behalten. Würde ich sagen ich finde das Album toll, würde ich lügen. Würde ich sagen, ich finde das Album scheiße, würde mir vorgehalten werden, ich sei doch nur neidisch, verbittert, vorbelastet oder was auch immer.

Okay, dann kommen wir auf VYRE zu sprechen: Was steckt hinter dem Bandnamen?
Im Grunde hat der Name keine Bedeutung in unserem Kontext. Die Bedeutung müssen wir schaffen. Ich finde das Wort geschrieben und gesprochen einfach sehr prägnant. Es geisterte schon seit einigen Jahren in meinem Kopf herum. Die Nähe zu „Vampire“ hat etwas mystisches, die Nähe zu „Wire“ etwas modernes. Außerdem hat uns vor nicht allzu langer Zeit jemand darauf aufmerksam gemacht, dass die nähe zu „Fire“ ja durchaus auch vorhanden ist.

Copyright: Julian RüterboriesKonzeptionell habt ihr euch dem Bereich Science-Fiction zugewendet – wie kam es dazu und was steckt hinter dem Konzept, das ja auf gleich zwei Alben ausgelegt ist?
Science-Fiction begleitet mich seit meiner Kindheit. Alles, was mit Lasern, Robotern, Raumschiffen, Schwarzen Löchern, Zeitreisen und so weiter zu tun hat, habe ich aufgesogen wie ein Schwamm. Spiele, Bücher, Filme, Comics, you name it… Später kam privates Interesse an Astrophysik, Astronomie und Kosmologie dazu. VYRE thematisiert was mich schon immer begeistert hat. Zum einen die einsame Unendlichkeit des Universums, zum anderen die fantastischen Vorstellungen, was dieses Universum bevölkern könnte.
Mit „The Initial Frontier Pt. 1“ und „Pt. 2“ holen wir den Hörer da ab, wo er steht und bringen ihn auf den neuesten Stand, wie es in unserem fiktiven Universum aussieht. Du musst „TIF1“ und 2 verarbeitet haben, um das, was noch von uns kommen wird in Kontext setzen zu können. Wir erzählen, was wir zu sagen haben, als Geschichten aus einer anderen Welt in einer anderen Zeit.

Der zweite Teil soll schon Anfang kommenden Jahres erscheinen – was darf man sich stilistisch erwarten? Eine Weiterentwicklung oder einen stilistisch ähnlichen zweiten Teil?
Einen stilistisch gleichen zweiten Teil. Es gibt in dem gesteckten Rahmen noch einiges zu erkunden.

Habt ihr die beiden Alben parallel geschrieben und wenn ja: Wie habt ihr entschieden, welcher Song auf welchem Album landet?
Wir haben im Prinzip ein Album geschrieben, dass etwas zu „groß“ für eine Veröffentlichung geworden ist. Die Reihenfolge ergab sich aus der Hintergrundgeschichte, die dem Konzept zu Grunde liegt. Da die Texte nach der Musik entstanden sind, ergab es sich auch, dass auf „The Initial Frontier Pt. 2“ vor allem ältere Stücke zu finden sind – die, die ursprünglich für den Galeere-Nachfolger geschrieben wurden.

Habt ihr die Songs beim Mix als separate Alben behandelt, oder quasi so, als wäre es ein großes Album? Wird das Album also soundtechnisch genauso klingen wie Teil 1?
Wir haben beide Alben als ein Werk zusammen aufgenommen. Und so sollte es, wenn möglich, auch gehört werden. Der Mix von „Pt. 2“ ist noch nicht fertig, wird sich aber von „The Initial Frontier Pt. 1“ nicht signifikant unterscheiden, so dass es als ein Werk wirken kann.

Vyre-The-Initial-Frontier-Pt.-1-CoverIch habe mir das Artwork wirklich lange angeschaut, so recht schlau geworden bin ich daraus nicht. Was sieht man auf dem Bild?
Auf dem Cover sieht man ein Portal, welches aus einem grauen, tristen Raum hinaus in die Unendlichkeit des Universums führt. Es liegen Welten zwischen diesen beiden Extremen die durch dieses Portal überwunden werden. Das ist der Weg den wir mit VYRE musikalisch gehen wollen.
Der spärlich ausgerüstete, etwas sakral angehauchte Reisende in der Mitte sind VYRE, ich, du, wir alle. Zumindest alle die, die sich auf dieses Abenteuer einlassen können und wollen. Vor allem ein musikalisches Abenteuer, weil keiner von uns weiß, wo genau es hingehen soll und wie das genau funktioniert was man da so macht. Wir sind keine Innovatoren, wir lassen uns treiben. Vielleicht sind wir deswegen auch gar nicht Teil der Avantgarde des Metals.

In der Kurzinfo werdet ihr Fans von Arcturus, Ulver, Manes oder DHG ans Herz gelegt – findest du diese Vergleiche passend? Persönlich fände ich beispielsweise Pantheon I deutlich naheliegender… vor allem, wenn man „The Initial Frontier“ mit „Myself Above All“ vergleicht…
Da muss ich passen. Ich kenne Pantheon I nicht. Vergleichen kann man uns mit Sicherheit nicht unmittelbar mit den oben genannten Bands. Ich denke aber, dass VYRE auch Freunde dieser Bands ansprechen könnte. Oder besser gesagt: Die Wahrscheinlichkeit unter der Hörerschaft dieser Bands Anklang zu finden ist durchaus gegeben. „Klingt wie …“ finde ich generell auch eher schwierig. Mir würde da nichts einfallen. Ich verwende sehr gerne Zitate von Bands, die ich mag, aber das ist so variabel, dass das Resultat dann doch etwas Eigenständiges ist.

Copyright: Julian Rüterbories

Wie kam es zu dem wirklich herausstechenden Hotel-Lounge-Part in „Fragile Equilibrium“? So etwas entsteht wohl eher nicht einfach beim Jammen im Proberaum, oder?
Im Prinzip schon. Der Part bestand in der Vorproduktion nur aus Akustik- und Sologitarre. Das war schon recht bluesig, aber nicht explizit so gemeint. Der Rest ist spontan im Studio dazu gekommen, wie im Grunde 90% aller Spielereien, Orchester-Parts und Sound-FX. Das gibt dem ganzen Prozess etwas Unberechenbares. Das genieße ich sehr. Wir kennen die Songs, wissen aber nicht wirklich, was am Ende dabei herrauskommt. Das ist die abenteuerliche Komponente einer ansonsten perfekt durchgeplanten Weltraum-Mission.

Gerade Teile wie dieser legen nahe, dass ihr privat deutlich mehr hört als nur Black Metal. Was sind deine derzeitigen Lieblingsalben?
„Outer Isolation“ (Vektor), „Wolf’s Lair Abyss“ (Mayhem) und „Essence Of Wounds“ (Lamented Souls). Dennoch wildere ich in sämtlichen musikalischen Genres und ziehe dort dementsprechend natürlich teils auch eine gewisse Inspiration heraus.

Was darf man sich in nächster Zeit von VYRE erwarten? Habt ihr vor, viel live zu spielen?
Auf jeden Fall. Konzerte haben jetzt höchste Priorität für uns. Wir proben zur Zeit intensiv, um die Albumsongs möglichst opulent live umzusetzen. Alles Weitere werden wir in Angriff nehmen, sobald das Live-Programm steht.

vyre

Diesbezüglich muss ich doch noch einmal den Bogen zu Eis spannen: Ihr hattet vielleicht nicht „alles erreicht“, aber doch einiges – Konzerte zu beste Spielzeiten auf Festivals wie dem Ragnarök, einen Deal mit Prophecy und so weiter. Bei allem Idealismus: Schmerzt es nicht doch irgendwie, jetzt wieder ganz unten anzufangen und im kommenden Jahr sogar im Vorprogramm von Eis spielen zu müssen?
Nein. Und solltest du auf den „Khaos Kult 2014“-Auftritt anspielen, spielen wir technisch gesehen nach Eis.

Dann bedanke ich mich Für das Interview! Ich wünsche dir alles Gute und viel Erfolg mit VYRE! Wenn du nichts dagegen hast, würde ich das Interview an dieser Stelle gern mit dem traditionellen Metal1.info-Brainstorming beenden.
Starwars oder Star Treck:
Weder noch. Star Wars und Star Trek. Im Ernst. Ich finde beide gut.
Edward Snowden: Keine Ahnung, warum jemand so etwas ertragen muss, nur weil er ausspricht, was eigentlich jedem klar gewesen sein sollte.
„Wetterkreuz“: „Leave no cross unturned!“
Lemmy: Frontmann der besten Band der Welt. Nicht meine Lieblingsband, aber Ehre wem Ehre gebührt.
„Gravity“: Total unspannend. Ich kann „Sunshine“ empfehlen.
Angela Merkel: Hautsack, hauptsächlich gefüllt mit Wasser.
„Limit“: Spannend. Stephen Baxters‘ „Flood“ (Die letzte Flut) und „Ark“ (Die letzte Arche) wären aber mein Büchertipp für den Weihnachtsbaum.

Livephotos mit freundlicher Genehmigung von Julian Rüterbories. Alle Rechte bleiben dem Photographen vorbehalten.