
Manchmal entscheidet nicht die Größe des Publikums darüber, wie intensiv ein Konzertabend wird. Der Auftritt von CÒMHLA im Münchner Substanz ist genau so ein Fall. Trotz eines überschaubaren Andrangs bekommen die Anwesenden eine Show geboten, die qualitativ deutlich größere Aufmerksamkeit verdient hätte. Die schottische Celtic-Folk-Rock-Band präsentiert sich spielfreudig, technisch versiert und mit einer Energie, die den kleinen Zuschauerraum problemlos füllt.

CÒMHLA, deren Name aus dem Gälischen stammt und für „gemeinsam“ steht, verbinden traditionelle schottische und irische Folk-Musik mit modernen Rock-Elementen. Das Konzept funktioniert vor allem deshalb, weil die Band nicht versucht, alte Klassiker lediglich zu kopieren. Stattdessen werden bekannte Melodien mit einer druckvollen Rockbesetzung aus Schlagzeug, Bass, E-Gitarre und Keyboard kombiniert und durch traditionelle Instrumente wie Akkordeon und Tin Whistle ergänzt. In München muss die Formation allerdings auf eine wichtige Klangfarbe verzichten: Fiddlerin Thea Wilson fehlt beim Auftritt. Eine solche Lücke hätte bei vielen Bands deutlich spürbare Auswirkungen gehabt. CÒMHLA meistern die Situation jedoch erstaunlich souverän. Die Arrangements werden geschickt angepasst, andere Instrumente rücken stärker in den Vordergrund und der kompakte Bandsound bleibt erhalten. Natürlich fehlt hier und da die typische Dynamik einer Fiddle, dem Gesamteindruck tut das aber kaum einen Abbruch.
Der erste Set beginnt mit „Jacobite’s By Name“ und setzt direkt ein Ausrufezeichen. Der marschartige Charakter des Stücks, kombiniert mit der druckvollen Rhythmusarbeit, bringt sofort den Geist von Schottland ins Substanz. Gerry MacMillan erweist sich dabei als charismatischer Frontmann, der mit seiner markanten Stimme und seiner natürlichen Bühnenpräsenz überzeugt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Mit „Dirty Old Town“ folgt einer der bekanntesten Songs des Abends. CÒMHLA bewahren den Charakter des Klassikers, verleihen ihm aber durch die rockige Instrumentierung eine eigene Note. Auch „Bonnie Lass Of Fyvie“ und „The Mermaid“ zeigen die Bandbreite der Gruppe: mal traditionell und atmosphärisch, mal deutlich kraftvoller und moderner. „Whiskey In The Jar“ darf natürlich ebenfalls nicht fehlen und besonders gelungen ist „Heave Away“, das mit seinem stetigen Aufbau und der wachsenden Dynamik zu einem der Höhepunkte des ersten Sets wird. Auch „I Will Love You Every Time“ setzt einen emotionalen Kontrast und beweist, dass CÒMHLA nicht nur von Tempo und Feierlaune leben. Den Abschluss des ersten Konzertblocks bilden „Wild Rover“ und das sehr starke „Loch Lomond“, das Gerry als jenen Song ankündigt, der auf schottischen Hochzeiten gerne als letztes gespielt wird.

Nach der Pause wechselt die Band die Stimmung und eröffnet das zweite Set mit „Ride On“. Der ruhigere Einstieg bietet Raum für die melodische Seite der Gruppe, bevor „The Ferryman“ und „Irish Rover“ wieder deutlich mehr Fahrt aufnehmen. Gerade „The Wild Rover“ funktioniert hervorragend als Bindeglied zwischen traditionellem Folk, „An der Nordseeküste“ und der rockigen Ausrichtung von CÒMHLA. „Wild Mountain Thyme“ entwickelt sich im Anschluss zu einem der gefühlvollsten Momente des Abends. Die Interpretation lebt weniger von Lautstärke als von Atmosphäre und den starken Gesangsharmonien. Überraschend, aber passend ist „Dreams“ von FLEETWOOD MAC, das sich problemlos in das Repertoire der Band einfügt. Das Medley aus „Killiecrankie“ und „Tell Me Ma“ gehört anschließend zu den unterhaltsamsten Passagen des gesamten Konzerts. Hier kommen die Stärken der Band besonders zur Geltung: schnelle Wechsel, eingängige Melodien und eine Spielfreude, die jederzeit spürbar ist. „Walking On The Waves“ und „Take My Hand“ ergänzen den Set mit eigenen Akzenten und zeigen, dass CÒMHLA nicht ausschließlich von bekannten Folk-Klassikern leben.
Zum Ende hin baut die Band noch einmal ordentlich Druck auf. „Working Man“ entwickelt sich zum kraftvollen Rock-Folk-Moment, bevor „The Rattling Bog“ mit seinen immer länger werdenden Textpassagen und dem steigenden Tempo endgültig für ausgelassene Stimmung sorgt. Ein perfekter Abschluss für einen Abend, der trotz geringer Besucherzahl nie wie Pflichtprogramm wirkt.

Dass ein solcher Auftritt vor so wenigen Zuschauern stattfindet, bleibt der einzige echte Kritikpunkt. CÒMHLA liefern musikalisch alles ab: ein tightes Zusammenspiel, starke Stimmen, abwechslungsreiche Arrangements und eine authentische Verbindung zum Publikum. Wer im Substanz dabei ist, erlebt eine Band, die deutlich mehr „gehört gehört“, vor allem live.
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Das war wirklich einer der besten Konzertabende in den letzten Jahren. Comhla war so herrlich unarrogant und man konnte sowohl vor dem Konzert, während der Pause und auch nach dem Konzert mit den Bandmitgliedern ratschen, wobei vor allem mit Gerry durch den schottischen Akzent doch so einige Sprachbarrieren bestanden.
Wirklich schade war die doch sehr mäßige Zuschauerfrequenz, aber die die im Substanz dabei waren, hatten einen richtig geilen Abend.
Drücke der Band die Daumen und hoffe sehr, dass sie bald eine Scheibe rausbringen werden. Sie machen nichts besonderes, aber das bedeutend besser als viele andere.