Dark Funeral w/ Carach Angren, Nefarium, Zonaria

  • Mühltal, Steinbruch Theater
  • 07. April 2010

Mühltal im Zeichen des Pandabären: Nach über einem Monat Laufzeit neigt die „A Declaration Of Hate European Tour 2010“ sich ihrem Ende zu und die vier Bands CARACH ANGREN, NEFARIUM, ZONARIA und der Headliner DARK FUNERAL schauen noch mal fix auf einer der letzten Stationen im Steinbruch Theater Mühltal (bei Darmstadt) vorbei, um dem geneigten Publikum den Hass zu erklären. Der prozentuale Anteil an Metal1-Redakteuren bezogen auf das komplette Publikum ist da aus zweierlei Gründen recht hoch anzusiedeln: Einerseits, weil zwei von uns Schreiberlingen den Gig besuchten, andererseits, weil wohl ein Großteil des potentiellen Publikums lieber daheim blieb, um Champions League zu gucken. Das Steinbruch Theater bot zwar die Möglichkeit an, hin und wieder mal in den Nebenraum zu linsen, um einen Blick auf das Viertelfinalsspiel Manchester United gegen Bayern zu werfen, aber dass die Leute trotzdem lieber in den eigenen vier Wänden bleiben, um dann kostenlos das Spiel zu verfolgen, als knappe 18€ zu blechen und halb Musik, halb Fußballspiel zu haben, versteht sich irgendwo von selbst.
Schade, aber trotzdem fanden noch einige Metalheads ihren Weg zur Location, um das schwarzmetallische Quartett abzufeiern. Ob und was es zu feiern gab, schauen wir doch mal genauer hin…

Es passiert wirklich selten, dass der Opener-Slot nicht nur die beste Band des Abends zu bieten hat, sondern auch dementsprechend abgefeiert wird. CARACH ANGREN, die Symphonic Black Metal Senkrechtstarter aus den Niederlanden, machten den Anfang. Und wie schon bei ihrem Auftritt auf dem Metalcamp war ich äußerst beeindruckt, wie viel Atmosphäre und Theatralik die vier Holländer rüber bringen (das Interludium „Hexed Melting Flesh“ war erneut ein ganz großer Gänsehautmoment). Okay, Schlagzeuger Namtar machte größtenteils einfach nur seinen Job (und das äußerst versiert), aber vor allem die Saitenfraktion Seregor/Trystys gaben alles, heizten das Publikum (das anfangs noch recht überschaubar war, mit fortschreitender Dauer aber immer mehr Form vor der Bühne annahm) ordentlich an. Gespielt wurde ein guter Querschnitt durch das bisherige Schaffen der Band, zwei Tracks vom aktuellen Album „Death Came Through A Phantom Ship“, zwei vom Debut „Lammendam“, eins von der „Ethereal Veiled Existence“-EP und ein Intro, sowie das Interludium. Der Sound zog leider nicht ganz mit, das Keyboard war ein wenig zu laut, die Gitarren zu leise, so dass viele Facetten untergingen, trotzdem bemühte die Band sich nach Leibeskräften und gedankt wurde ihr dies auch mit mehr als nur einem Anstandsapplaus. Schade nur, dass die Holländer nach einer knappen halben Stunde bereits wieder von der Bühne gingen, man sah ihnen durchaus an, dass sie gerne noch mehr gespielt hätten und das Publikum hätte das wohl auch wohlwollend aufgenommen, aber ich wage zu behaupten, dass CARACH ANGREN auf der nächsten Tour nicht mehr den Opener spielen müssen…

Setlist CARACH ANGREN:

01. Electronic Voice Phenomena
02. The Sighting Is A Portent Of Doom
03. The Ghost Of Raynham Hall
04. Hexed Melting Flesh
05. The Carriage Wheel Murders
06. Bloodstains On The Captain’s Log
07. Echoes From The 17th Century

Moderate zehn Minuten dauerte die Umbaupause, dann betrat die nächste Kapelle die Bühne. NEFARIUM, eine 1997 gegründete Black Metal Band aus dem Süden Europas, genauer gesagt Italien. Das Quartett fackelte nicht lange, sondern feuerte direkt mal eine Highspeed-Black-Metal-Salve auf den Hörer ab, die dezent an mittealte Marduk erinnerte. Der Sound zeigte sich auch schon klarer als noch bei CARACH ANGREN, wirklich nützen tat das NEFARIUM aber eher wenig. Denn nach dem grandiosen Auftritt der Holländer konnten die vier Italiener mit ihrer eher statischen Show nicht viel reißen. Bassist Vexator sprang hin und wieder mal frustriert auf die Bühnenaufbauten und brüllte das recht desinteressierte und gelichtete Publikum an, dass sie doch bitte mal etwas mehr bei der Sache sein sollten und beim dritten Versuch erntete er dann auch endlich so was wie Mitleidshandzeichen, aber wirklich groß abgefeiert wurde die Band nicht. Wieso auch? Viel abzufeiern gab es nicht. Recht handelsübliches 08/15-BM-Geballer, das normalerweise aus etwa vier bis fünf Powerchords bestand und hin und wieder mal in völliges musikalisches Chaos überging. Da hatten NEFARIUM allerdings eine ganz interessante Überleitungs-Idee: Wann immer ein Riff so festgefahren war, dass der Ottonormalhörer keinen Ausweg mehr sah, wie das Quartett jetzt zum eigentlichen Song zurück kehren könnte, ließen plötzlich alle Instrumente den aktuellen Chord ausklingen, Schlagzeuger Garghuf schlug einmal auf die Snare und die ganze Band setzte wieder beim Hauptriff des Songs ein, als wäre nichts gewesen. Ungewöhnlich. Die einzig andere erwähnenswerte Sache des Auftritts war wohl, dass die Gitarre von Sänger Carnifex während eines Songs den Geist aufgab, er sie kommentarlos abschnallte, seinen Sechssaiterkollegen Adventor das Stück alleine fertig spielen ließ und sich nur noch auf’s Singen konzentrierte. Auch das sorgte für ein wenig Verblüffung bei einem ansonsten routinierten und soliden aber – gerade im direkten Vergleich mit CARACH ANGREN – relativ langweiligen Auftritt.

(CH)

Nach einer erneut recht kurzem Umbauphase war es mit ZONARIA Zeit, den satanischen Black Metal für knappe 35 Minuten in die Ecke zu stellen und ein wenig dem schwedischen melodischen Tod zu frönen. Die vier Jungs tauchten sogleich, begleitet von einem schleppenden Intro, hinter dem sub-optimal plazierten Banner auf und legten direkt los. Den beiden Metal1 Redakteuren zwar unbekannt, legten sie eine überraschend gute Show hin, deren Sound sich irgendwo zwischen späten Hypocrisy und Scar Symmetry befand. Songs wie „From The Abysmal Womb“ oder „Silent Holocaust“ kamen bei der überschaubaren Menge erstaunlich gut an und es kreisten deutlich mehr Haare als noch bei CARACH ANGREN oder den italienischen Freunden von NEFARIUM. Nach einem neuen, und nach knapp einer dreiviertel Stunde auch letztem, Track vom kommenden Album wird klar, dass diese Jungs durchaus einiges auf dem Kasten haben. Live ist der Sound jedoch so sehr vom, durchaus groovigen, Schlagzeug getragen, dass der Rest der Truppe komplett untergeht. Die Gitarren und gerade Sänger Simon Berglund klangen durchweg sehr austauschbar und somit auch wenig überzeugend, sodass davon nichts weiter im Gedächtnis bleibt, als der übergroße Bodenventilator der Simon Berglund während seine kurzen Soli episch die Haare aus dem Gesicht wehte.

Etwas mehr Zeit ließen sich die Headliner des Abends. Während Banner und das übergroße Schlagzeug in Position gebracht wurden, verdoppelte sich erstaunlicherweise die Menschenmasse vor der Bühne nahezu. So feierten auch knapp 70-80 Nasen dann direkt – mal mehr mal weniger die schwedischen Satanshuldiger von DARK FUNERAL ab. In aufwendiger und detaillierter Rüstung und in rotem Licht getaucht, spielten sie sich quer durch ihre 17 jährige Bandgeschichte. So waren Songs von frühen Alben wie „Vobiscum Satanas“ und „Diabolis Interium“ ebenso am Start wie „Stigmata“ aus dem aktuellen Langspieler „Angelus Exuro pro Eternus“. Obwohl der ganze Auftritt absolut routiniert daher kam, hielt Sänger Emperor Magus Caligula durchweg das Mikrofon während seiner Posierpausen gen Monitore, dass spätestens nach dem dritten Song ein Gros des Publikums verstanden hatte, dass Rückkopplungen sehr Black Metal sind und von dem sonst sehr matschigen Sound und schwachen Vocals ideal ablenken. Vielleicht habe ich Dark Funeral auch komplett falsch in Erinnerung, oder es lag daran, dass die Band seit knapp einem Monat fast jeden Abend einen Gig gespielt hat, aber die sonst recht mächtige Stimme von Magnus klang mitunter öfters nach einer kleinen Hinterhofkapelle, als nach einer, die Alben wie „Diabolis Interium“ eingesungen hat. Den Die-Hard-Fans schien dies jedoch weniger auf das Gemüt zu schlagen, sodass letzten Endes die Fans durchaus zufrieden sein durften und diejenigen, für die das Highlight des Abends bereits um 20uhr von der Bühne ging, eine akzeptable, wenn auch sehr statische, Show zu sehen bekamen.

Positiv anzumerken wäre noch, dass die Veranstalter im Steinbruch wohl aus der Misere vom Rompeprop Konzert gelernt haben und Veranstaltungen unter der Woche nicht erst um kurz nach 1 Uhr enden lassen, sondern schon deutlich früher. Obwohl nur ein geringer Besucheransturm zu verzeichnen war, dankte es den Veranstaltern wenigsten die arbeitende Besucherschar mit ihrer Anwesenheit bis zum Ende des Konzertabends.

(SD)

(Die Fotos stammen vom Auftritt in München vom 5.4., vielen Dank an Moritz Grütz dafür)


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