FolkNoir w/ Adas

  • München, Spectaculum Mundi
  • 11. März 2016

Auch beim Musica Antiqua Viva 2016 tauschen Oliver s. Tyr und Stephan Groth ihr inzwischen opulentes FAUN-Set gegen eine kleinere beschauliche Bühne im Süden Münchens. Mit FOLKNOIR bewegen sich die Musiker zusammen mit Schlagzeuger Alex Schulz und Livy Pear recht nahe an ihren musikalischen Anfängen. Für das diesjährige Gastspiel haben die vier Musiker allerdings noch einmal kräftig an ihrem Sound gefeilt.

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Apropos Sound: Eben jener wird dem Support ADAS schnell zum Verhängnis. Die drei Feen haben sich für ihre Show im Spectalum Mundi männliche Unterstützung an der Saitenfront geholt, doch besonders anfangs dauert es, bis sich der Klang in der kleinen Halle auf einem akzeptablen Niveau einpendelt. Als „Elvenfolk“ tituliert das Trio seine Musik rund um Märchen, Sagen und Mythen. Diese Ausrichtung umfasst Eigenkompositionen, literarische Wurzeln und eine spürbare Verbundenheit zu spanischen Traditionals. Das letzte Studiowerk „Echo“ liegt inzwischen über fünf Jahre zurück, als ADAS noch als Quintett unterwegs gewesen sind. Die musikalische Essenz trägt das verbliebene Trio seither mit sich. Ausgestaltet werden die einzelnen Stücke unter anderem mit Laute, Harfe, Bouzouki und Geige. Ihre Markterfahrung hilft den drei Damen, auch etwaige Pausen mit kurzen Anekdoten zu füllen: So interpretieren sie beispielsweise ein spanisches Wort, für das es keine deutsche Übersetzung gibt und welches zu Beginn die Umgebung eines Songs beschreibt, kurzum mit verschiedenen Optionen einfach selbst. Vereinzelt verstecken sich auch einige Perlen im rund 75-minütigen Set, doch besonders der Bass bzw. die Gitarre sind insgesamt zu leise abgemischt und auch der Gesang der beiden Voigt-Schwestern schlägt sich unter Wert. Am Ende erreichen ADAS als erster Teil des Doppelkonzerts nicht den Level der Supports aus den beiden Vorjahren.

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Ihren Level aus den Vorjahren erreichen FOLKNOIR anschließend ebensowenig. Allerdings ist dies im Falle des Quartetts eine bewusste Entscheidung: Deutlich lauter und fusionlastiger klingen die Songs in ihrem aktuellen Gewand. Direkt so laut, dass einige der älteren Gäste sich nach einer ersten Warnung von Oliver s. Tyr bereits frühzeitig verabschieden müssen. Schlagzeuger Alex ist nicht umsonst erstmals hinter einer durchsichtigen Trennwand. Um ihren Kompositionen einen breiteren und wuchtigeren Unterbau zu verleihen, greift wiederum Livy Pear (mit neuer Kurzhaarfrisur) mehrfach zum Bass – den sie eigentlich gar nicht spielt, wie sie im Laufe des Abends lächelnd eingesteht. Allgemein steht für die vier Musiker scheinbar zentral der Spaß an ihrer Musik im Vordergrund: Weder ein richtiges Backdrop noch neue Songs oder gar CDs haben FOLKNOIR im Gepäck. Stattdessen zelebrieren die beiden Faune plus zwei ihre „Songs From Home“ wie „Dear Misery“ oder „You Should Have Seen Me There“. Die melancholisch-verträumte Grundstimmung der CD weicht dabei nun druckvollen Bass- und Schlagzeugrhythmen, die wiederum eine ganz andere Wirkung erzielen und auch die ansonsten sehr präsente Drehleier etwas in den Hintergrund rücken. Das Ergebnis ist dadurch annähernd clubtauglich anstatt mittelalterlich-marktgeeignet.

SONY DSCAlle Stücke, die sich nicht auf dem Erstlingswerk befinden, warten auch 2016 noch auf ihre offizielle Erstveröffentlichung. Doch der Erfolg von Faun fordert wohl den ein oder anderen Tribut. „Yesterday Was Hard On All Of Us“, „Sinking Year“ oder „Crossroads“ verdienen allerdings nicht nur bei den seltenen Gastspielen des Zweitprojekts gehört zu werden. Zwar kündigt Oliver im Laufe des Konzerts an, dass er im kommenden Jahr mehr Fokus auf FOLKNOIR und vor allem die Einflüsse von Livy legen möchte, doch dieser Wunsch darf bezweifelt werden. Immerhin entsteht bereits ein neues Faun-Album, das ausgiebig promotet werden will. Im Rahmen dieses Konzerts spielt dies allerdings keine Rolle: Wieder einmal begeistern Oliver und Stephan mit einer instrumentalen Polska und die gesamte Combo mit vielen kleinen Perlen, ehe der Abend mit „The Road“ sein Ende findet.

Im Vergleich der beiden Bands, die an diesem Abend gleichberichtigt agieren, gehen FOLKNOIR als klare Sieger hervor. Von derlei Qualität und Arrangements hätten es gerne ein paar mehr Stücke geben dürfen. Dafür fehlt den Hauptprotagonisten aber wohl die Zeit. Insofern bleiben die Konzerte wahrscheinlich die kleinen besonderen musikalischen Kleinods, die wie gemacht sind für die mittelalterlich-alternative Festivalreihe in der bayerischen Landeshauptstadt.

 

 

 

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