Konzertbericht: Godspeed You! Black Emperor w/ Kristof Hahn

19.03.2026 München, Technikum

Mit ihrem eigenwilligen Mix aus Post-Rock, Drone und politisch aufgeladenen Klangcollagen zählen GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR seit Jahren zu den prägendsten Vertretern ihres Genres. Auch im Münchner Technikum zeigt sich schnell, dass ihre Konzerte weniger klassischen Songstrukturen folgen als vielmehr als Gesamtinszenierung funktionieren, die Klang, Bild und Atmosphäre untrennbar miteinander verbindet.

Den Auftakt übernimmt KRISTOF HAHN, der die Bühne allein mit seiner Lap-Steel-Gitarre bespielt. Was zunächst reduziert wirkt, entwickelt binnen kurzer Zeit eine enorme Präsenz. Tiefe Droneflächen breiten sich aus, durchziehen den Raum und erzeugen ein dichtes, körperlich spürbares Klangbild. Dabei bleibt Hahns Performance nie rein abstrakt: Immer wieder schälen sich melodische Fragmente heraus, die zwischen Psychedelik und klassischer Songstruktur oszillieren, ohne sich klar festzulegen. Im weiteren Verlauf öffnet sich das Set zunehmend. Hahns markante, raue Stimme tritt stärker in den Vordergrund und verleiht den Stücken zusätzliche Tiefe. Besonders auffällig ist eine eigenwillige Interpretation von „If There Is Something“ von ROXY MUSIC, die den Übergang zwischen Drone und Songformat markiert. Auch ein Stück aus dem Umfeld von LES HOMMES SAUVAGES fügt sich stimmig ein und setzt gezielte Akzente, genau wie das DAVID-BOWIE-Cover „Heroes“ als überraschender Abschluss. Insgesamt bleibt der Auftritt bewusst sperrig, entwickelt aber gerade daraus eine nachhaltige Wirkung und bereitet das Publikum konzentriert auf das Kommende vor.

Mit leichter Verzögerung betreten schließlich GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR die Bühne. Der Einstieg erfolgt nicht über einen klar definierten Song, sondern über einen sich langsam aufbauenden Drone, der den Raum vollständig einnimmt. Nach und nach formiert sich das Ensemble, während im Hintergrund erste Projektionen einsetzen. Die visuelle Ebene bleibt zunächst abstrakt, verdichtet sich jedoch parallel zur Musik. Mit „Sun Is A Hole Sun Is Vapors“ vom aktuellen Album „No Title as of 13 February 2024 28,340 Dead“ nimmt das Set erstmals klare Konturen an. Die Band verbindet hier ihre typischen, sich stetig steigernden Kompositionen mit einem deutlich politisch gefärbten Kontext, der sich auch in den projizierten Bildfragmenten widerspiegelt. Die folgenden Stücke „Babys In A Thundercloud“ und „Raindrops Cast In Lead“ knüpfen daran an und verstärken den Eindruck eines in sich geschlossenen, thematisch dichten Blocks.

Im Mittelteil öffnet sich das Set stärker in Richtung älteren Materials. Statt dieses jedoch strikt zu reproduzieren, werden sie fragmentiert, neu angeordnet und in den Gesamtfluss integriert. Gerade diese Herangehensweise sorgt dafür, dass die Stücke trotz ihres Alters nichts an Intensität einbüßen. Gegen Ende steigert sich das Konzert mit „Piss Crowns Are Trebled“ in ein langgezogenes Crescendo, bei dem sich die einzelnen Klangschichten immer weiter verdichten. Gitarren, Streicher und Schlagzeug greifen ineinander und bauen eine massive Klangwand auf, die sich schließlich in einem kontrollierten Höhepunkt entlädt. Parallel dazu verstärken die Projektionen die Wirkung, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Auffällig ist über den gesamten Abend hinweg die konsequente Zurücknahme der Band selbst. Die Bühne bleibt spärlich beleuchtet, Interaktion mit dem Publikum findet kaum statt. Stattdessen steht das Zusammenspiel aus Musik und ihrer Visualisierung im Mittelpunkt. Gerade dieser Verzicht auf klassische Rockstar-Inszenierung verleiht dem Konzert eine besondere Stringenz.

GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR liefern in München ein intensives, forderndes Konzert, das weniger auf einzelne Höhepunkte als auf eine durchgehende Atmosphäre setzt. Wer sich auf diese Form der Verdichtung einlässt, erlebt einen Abend, der lange nachwirkt und bewusst mit den Erwartungen an ein klassisches Live-Erlebnis bricht.

Bandcamp
Sigi Maier

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