Festivalbericht: Ragnarök Festival 2022

22.04.2022 - 23.04.2022 Lichtenfels, Stadthalle

Es ziehen wieder düstere Pagan-Wolken über Lichtenfels. Zwei Jahre lang musste die oberfränkische Korbstadt ohne die inzwischen liebgewonnenen Horden von Metallern im April auskommen, nach der Covid-Zwangspause ist das RAGNARÖK FESTIVAL aber endlich wieder am Start. Organisatorisch war das zweifellos eine große Leistung, denn erst Ende März fielen die weitläufigen Beschränkungen, was Einlass und Besuchergrenzen angingen. Zudem kamen kurzfristige Absagen von WOLFCHANT, XIV DARK CENTURIES und GROZA, die aber allesamt durch die spontan eingesprungenen KANONENFIEBER, MUNARHEIM und MAAHES aufgefangen werden konnten. Dass das Festival am Ende reibungslos über die Bühne ging, spricht für die Professionalität der Veranstalter und unterstreicht den Status des RAGNARÖK FESTIVALS als eines der bedeutendsten Black-/Pagan-Festivals. [SP]

Ragnarök Festival 2022: Finales Billing

Freitag, 22.04.2022

Am Freitag haben LIVLØS um 14:00 Uhr die Ehre, das 17. RAGNARÖK FESTIVAL zu eröffnen. Naturgemäß ist ein beachtlicher Teil der Festivalbesucher an einem Freitag Nachmittag noch nicht anwesend, die dänischen Newcomer – die letztes Jahr ihr Debütalbum „And Then There Were None“ veröffentlicht haben – stellen mit ihrem aggressiven Melodic Death Metal der alten Schule aber einen ausgezeichneten Einheizer dar. Schließlich sind sie nicht nur der diesjährige Festivalopener, sondern auch die erste Band, die seit April 2019 auf diesen Bühnen stehen darf. [SP]

Dass die Pause zwischen LIVLØS und den darauf folgenden LUCIFER’S CHILD – wie auch bei allen folgenden Bands – mit zehn Minuten sehr knapp gehalten werden kann, liegt am intelligenten Aufbau mit zwei Bühnen.: Während eine Band ihr Set spielt, kann die Crew nebenan bereits alles für die nächste aufbauen und checken. Die griechischen Black Metaller spielen in Lichtenfels ihre erste Show seit zwei Jahren und schütteln mit Spielfreude, Energie und Aggressivität den Corona-Blues ab. [SP]

Obwohl einige Besucher erst am Freitag im Laufe des Tages ihre Zelte auf dem Festival aufschlagen, dürfen sich THE SPIRIT bereits über eine gut gefüllte Halle freuen. Die Saarländer haben an diesem Tag ihr neues Album „Of Clarity And Galactic Structures“, das eine Woche später offiziell erscheint, sowie jede Menge Spielfreude im Gepäck und stellen erneut unter Beweis, warum im melodischen Black/Death-Metal in Zukunft wohl kein Weg an ihnen vorbeiführt. [SK]

Nachdem GROZA sehr kurzfristig für das diesjährige RAGNARÖK FESTIVAL absagen mussten, sprang kurzerhand die Bamberger Blackened-Death-Metal-Band KANONENFIEBER ein. Diese bewies mit aufwendiger und vor allem durch Sandsäcke, Stacheldrahtverhau und Uniform stimmiger Bühnenpräsenz, dass sie weit mehr sind als ein bloßer Ersatz. Zumal die Anfrage für die Band gerade einmal 19 Stunden vor dem Auftritt kam und noch vor deren Konzert am nächsten Tag in Erfurt gepresst wurde. Mit brachialem Sound und Wucht präsentieren die Uniformierten mit insgesamt 7 Stücken einen Großteil ihres letzten Jahres veröffentlichten Debütalbums „Menschenmühle“. Dass die Newcomer kein Geheimtipp mehr sind, zeigt das zahlreich anwesende Publikum, das KANONENFIEBER gebührend und zu Recht feiert. [AB]

  1. Die Feuertaufe
  2. Dicke Bertha
  3. Die Schlacht bei Tannenberg
  4. Grabenlieder
  5. Grabenkampf
  6. Unterstandsangst
  7. Yankee

Mit KONVENT wird es finster, denn die vier Däninnen liefern mit ihrem fiesen Death/Doom Metal den passenden Soundtrack zum tristen Aprilwetter. Mit „Grains“ vom aktuellen Album „Call Down The Sun“ steigen die Damen ein und legen eine atmosphärisch dichte Decke der Düsternis über die Stadthalle. Glücklicherweise ist der Sound druckvoll und differenziert abgemischt, die Matsch-Gefahr wäre bei KONVENT ansonsten groß gewesen. Nach anfänglicher Zurückhaltung konnten sie das Publikum immer mehr für sich gewonnen: Durch das beeindruckend tiefe Organ von Rikke Emilie List und die einnehmende Atmosphäre ihrer Musik haben KONVENT spätestens mit dem dynamischen „Pipe Dreams“ am Ende der 40 Minuten viele Zuschauer begeistert. [SP]

„Klingt genau wie Harakiri For The Sky, nur auf Österreichisch“ So in etwa stimmt das, es ist aber nur die halbe Wahrheit. Als Soloprojekt von Sänger Michael V. Wahntraum klingen KARG naturgemäß nach seiner bekannteren Band, setzen aber mehr auf Atmosphäre und Emotionen. Ihr 40-minütiges Set eröffnen die Österreicher mit dem elfminütigen „Alaska“ und bescheren dem RAGNARÖK-Publikum gefühlvollen (Post-)Black Metal zum Schwelgen, Träumen und Genießen. Die wunderschönen Melodien und der garstige Keifgesang bieten einen tollen Kontrast und ergeben ein spannendes Ganzes, das live bestens funktioniert. KARG legen eine atmosphärisch dichte Decke über die Stadthalle und überzeugen auf ganzer Linie. Ein packender Auftritt. [SP]

Weniger emotional, aber ebenso atmosphärisch trumpfen anschließend SAOR auf. Da die Briten, ebenso wie KARG, vor allem überlange Stücke im Repertoire haben, können sie in ihre 40 Minuten Spielzeit gerade mal vier Songs packen. Mit sechseinhalb Minuten ist der neue Track „Origins“ einer der wenigen, die die zehn Minuten nicht erreicht – das schadet der Wirkung aber überhaupt nicht, SAOR begeistern mit majestätischer Ausstrahlung. Perfekt dazu passt auch die fast durchgehend düster gehaltene Beleuchtung. Der folkig angehauchte, melodische Black Metal mit Geige ist absolut fesselnd und zieht das Publikum voll in seinen Bann: Kopfnicken, Pommesgabeln, Klatschen und berechtigten Beifall gibt es den ganzen Gig über. Die Musiker animieren die RAGNARÖK-Besucher auch immer wieder und haben sich durch ihren durch und durch sympathischen Auftritt mit Sicherheit einige neue Fans erspielt. [SP]

  1. Aura
  2. Origins
  3. The Awakening
  4. Tears Of A Nation

Nach der doppelten Portion Atmosphäre gibt es mit DARK FORTRESS kalten Black Metal. Die Landshuter spielen ihre erste Deutschlandshow in knapp drei Jahren und haben Bock, das merkt man ihnen deutlich an – für das Publikum gilt das gleiche und jeder Song wird fleißig gefeiert. Mit „Isa“ und „Pulling At Threads“ werden erstmals Tracks vom aktuellen 2020er Album „Spectres From The Old World“ dargeboten und sowohl die Midtempo-Brachialität wie der mystische Klargesang werden fantastisch rübergebracht. Frontmann Morean kann seine Freude über die gute Resonanz der prall gefüllten Halle nicht verbergen und muss trotz des meist grimmigen Blicks nicht verbergen. Im RAGNARÖK-Set zeigen DARK FORTRESS neben den neuen Songs mit melodisch-rasanten Tracks wie „Catawoumb“ und dem spannenden, progressiveren „Evenfall“ die gesamte Bandbreite ihrer abwechslungsreichen Laufbahn und gewinnen an diesem Abend auf ganzer Linie. [SP]

  1. The Silver Gate
  2. Isa
  3. Pulling At Threads
  4. Chrysalis
  5. Catawoumb
  6. Evenfall
  7. Baphomet

Die ersten Headliner des Abends bieten musikalische Abwechslung, sind aber keine Neuen auf dem RAGNARÖK: Bereits 2018 gaben sich DARK TRANQUILLITY die Ehre. Dass die Schweden eine großartige Liveband sind, müssen sie niemandem mehr beweisen, das wird auch hier vom ersten Ton von „Phantom Days“ an deutlich. Die Melodic Death Metaller um den charismatischen Frontmann Mikael Stanne hat die dicht gedrängte Menge sofort im Griff. Dem Frontmann ist die Freude über die zurückkehrende Normalität überdeutlich anzumerken. Er grinst durchgehend wie ein Honigkuchenpferd, rennt pausenlos über die Bühne und animiert die Zuschauer in jedem Winkel der Halle. Das Publikum ist auch voll dabei, jeder Song wird frenetisch bejubelt und der Circle Pit ist zum ersten Mal an diesem Tag in Dauerbewegung. Das RAGNARÖK-Publikum freut sich wohl auch deswegen besonders über den Klassiker „Punish My Heaven“ aus brutaleren Tagen. Stanne selbst wagt sich mit fortlaufender Dauer auch immer näher ans Publikum und klatscht zum Ende hin vermehrt mit den ersten Reihen ab und nach „Misery’s Crown“ ist jeder der Anwesenden nach diesem Weltklasseauftritt hochzufrieden. [SP]

Zwischen den Headlinern geben sich alte Bekannte die Ehre: VREID stehen bereits zum fünften Mal auf der RAGNARÖK-Bühne, aber zum ersten Mal seit 2013. Diesmal müssen die Black Metaller zwar ohne ihren erkrankten Bassisten Jarle Hváll Kvåle auskommen, können das aber durch Ersatzbassisten und unbändige Spielfreude mehr als ausgleichen. Mit einem Querschnitt durch die bereits neun Alben umfassende Diskografie haben die sympathischen Norweger das Publikum voll im Griff: Vom Opener „Wild North West“ an fliegen die Mähnen, werden Fäuste gereckt und es wird laut gejubelt. Das Windir-Cover „The Spiritlord“ und ihre Version des Rolling-Stones-Hits „Paint It Black“ kommen gewohnt gut an. An diesem Abend ist sicher auch niemand böse, dass VREID ihre 40-minütige Spielzeit um fast zehn Minuten überziehen. [SP]

Nach den großartigen Auftritten vor ihnen haben es ENSIFERUM als zweiter Headliner des Abends nicht leicht, was vor allem am Sound liegt: Das Schlagzeug klingt wie eine Nähmaschine auf einem Blechdosen-Spanplatten-Gemisch, Sänger Petri Lindroos ist kaum hörbar und überhaupt überschlägt sich das Highspeed-Geballer der Finnen auf unangenehme Weise. Das pendelt sich nach einigen Liedern zwar ein, die „Sounds like shit“-Rufe verstummen aber nicht. Das liegt nicht nur am Sound, sondern auch am Klargesang von Pekka Montin. Der kam auf dem aktuellen Album „Thalassic“ schon nicht so gut an und zeigt auch auf der Bühne eine ähnliche schräge Leistung – arge Geschmackssache. Highlights sind der dauergrinsende Gitarrist Markus Toivonen sowie der wahnsinnig aktive Bassist Sami Hinkka, der ständig Grimassen zieht und zum Mitmachen animiert. Auch das funktioniert aber nur bedingt, sogar die Aufforderungen zum Circle Pit nimmt das Publikum etwas behäbig hin. Mitgesungen wird zwar fleißig, die Begeisterung hält sich wohl aufgrund des mäßigen Sounds und der spannungsfreien Setlist aber in Grenzen – „Lai Lai Hei“ hat man schon lauter gehört. [SP]

  1. Seafarer’s Dream (Intro)
  2. Rum, Women, Victory
  3. Andromeda
  4. One More Magic Potion
  5. Into Battle
  6. For Sirens
  7. Run From The Crushing Tide
  8. Treacherous Gods
  9. In My Sword I Trust
  10. Lai Lai Hei
  11. From Afar
  12. Two Of Spades

Auch wenn sich die Reihen nach ENSIFERUM bereits lichten, haben GOD DETHRONED noch ein großes Publikum vor sich. Bis kurz nach 1 Uhr nachts schmettern die Niederländer ihre angeschwärzten Death-Metal-Abrissbirnen in die Stadthalle und schicken die noch Anwesenden mit zufriedenen und glücklichen Gesichtern in die Zelte, Schlafhallen und die in der Nähe wohnenden auf den Heimweg. [SP]

Samstag, 23.04.2022

Nach den zwölf Bands am ersten Tag bietet der Samstag gleich 14 Auftritte. Den Anfang machen Punkt Mittag die Lokalmatadoren von EWIGES FRISTEN.  Der atmosphärische, melancholische Black Metal der Oberfranken scheint genau das richtige für die müde Meute vor der Bühne zu sein. Mit mindestens anerkennendem Kopfnicken wird der Auftritt gewürdigt und die verschlafenen Feiernden tauen so langsam wieder auf. Die Münsteraner Melodic Black Metaller FERNDAL werden ähnlich warm und wohlwollend vom Publikum begrüßt und freuen sich über ebenso artigen Applaus. [SP]

Trotz der relativ frühen Zeit ist das Feld vor Bühne bei MUNARHEIM sehr gut besucht. Sichtlich angetan davon zeigt sich die achtköpfige Coburger Band um Sänger Pascal. Dieser wirkte allerdings ein bisschen zurückhaltender als vor ein paar Jahren. Die gewohnte dramatische Performance blieb aus bzw. stark reduziert. Nichtsdestotrotz zeigt die gesamte Band eine große Spielfreude und weiß sich vor allem durch Flötistin Ramona zu inszenieren: diese tritt zunächst in dickes Fell und Kapuze gehüllt auf die Bühne, bevor sie gegen Ende mit einem LED-behangenen Schleier bzw. Umhang auf dunkler Bühne tanzt, während Pascal sie regelrecht anhimmelt. Der Frontmann geht zwischen den Songs auf das Publikum ein und weiß seine Freude über den Auftritt entsprechend auszudrücken, während er mit einem „Trinkt ihr lieber Kaffee oder …“ „Liberté“ ankündigt, was manche Person im Publikum fragenden Blickes zurücklässt.  [AB]

Nach kurzem Umbau, der nach wie vor durch das Zweibühnenkonzept tadellos funktioniert, lichtet sich der Vorgang für MAAHES aus Niederbayern. Die Newcomer treten ihrem Konzept entsprechend bandagiert auf, tragen dunkle Kutten – Drummer Anubis sogar eine entsprechende Maske – und hüllen die Bühne zusätzlich mit nebelumwaberten Ankh atmosphärisch ein. „Atmosphärisch“ trifft den zweiten Auftritt der Black Metaller auf dem RAGNARÖK im Ganzen, denn die Band dürfte danach zahlreiche neue Anhänger gefunden haben, die einen Großteil des Debütalbums „Reincarnation“ zu hören bekommen haben, und dadurch Eindruck hinterlassen konnten. [AB]

Zum bisherigen Line-Up stellen SKILTRON anschließend einen markanten Kontrast dar. Oberkörperfrei und derart gestählt, dass ein Joey DeMaio ehrfürchtig erblassen könnte, geht die argentinische Power Metal Band mit Kilt und Dudelsack sofort in die Vollen. Wer vom Stilbruch nicht gänzlich überfordert war, fand auf der Bühne exquisiten Power Metal, astreinen Klargesang und eine Band, die das, was sie macht, einfach zu lieben scheint. Die 40 Minuten des Auftritts vergingen jedenfalls wie im Fluge und SKILTRON bot eine Show, die sehr ansprechend war. Spätestens beim publikumswirksamen „Backpipes of War“, das entsprechend von Emilio angekündigt wurde, sollte auch die letzte Person vor der Bühne überzeugt gewesen sein. [AB]

Nach dem Ausflug in schottische Gefilde war es an der Zeit für ANOMALIE, die bereits erwartet wurden. Ähnlich wie zuvor MAAHES auf derselben Bühne hielten ANOMALIE das Licht eher gedämpft und durchschnitten die Dunkelheit lediglich mit ein paar Spots. Das passte herrlich zum Auftreten.  Frontmann Marrok gab sich in Fetzen und Kutte gehüllt in die Musik verloren und genoss den Gig sichtlich. Während die aktuelle EP „Tranceformation“ durch „Cerulean Sun“, „The Tree“ und „Relics“ vertreten war, wurde kein einziger Song der ersten beiden Alben gespielt.  Der Fokus lag auch mit „Towards the Sun“ eindeutig auf den neuen Werken des Österreichers. Insgesamt präsentierte sich das Post Black Metal Projekt sehr atmosphärisch und packend, musste den Auftritt nach „nur“ sechs Songs aber dem engen Zeitfenster geschuldet beenden. Rufe nach einer Zugabe verklangen ungehört. [AB]

  1. The Tree
  2. Illumination
  3. Cerulean Sun
  4. Relics
  5. Aurora
  6. Towards the Sun

Bühne frei für eine der Überraschungen des Festivals. Ole Pedersen Luk und sein Projekt AFSKY konnten spätestens mit dem letzten Album „Ofte jeg drømmer mig død“ die Kritiker überzeugen, doch live ist die Band bislang noch nicht stark in Erscheinung getreten. In dichten Neben gehüllt ändert sich dies rein optisch auch heute nicht, doch was musikalisch die Nebelschwaden durchbricht ist dafür umso prägnanter und beeindruckender. Der melancholische Black Metal mit melodischer Note überzeugt von Anfang bis zum Ende und zeigt, dass AFSKY die Qualität ihrer zwei Alben auch ohne Probleme auf die Bühne bringen können. Dies zeigt auch die Reaktion der Besucher, die im Anschluss an den Auftritt sämtliche Platten und Shirts den Verkäufern förmlich aus der Hand reißen. [SK]

Nach einer langen Auszeit sind AGATHODAIMON zurück. Kurz vor der Pandemie haben die Mainzer ihr Comeback nach sechs Jahren Pause bekannt gegeben, alle Konzertpläne mussten da direkt wieder verworfen werden. Unter anderem war das RAGNARÖK FESTIVAL 2020 angedacht, nun kann dieser Auftritt endlich nachgeholt werden und der Band ist die Erleichterung und Spielfreude darüber förmlich anzumerken. Das Set wird mit „Ain’t Death Grad“ und „Kyrie / Gloria“ von zwei Singles des neuen Albums „The Seven“ eröffnet: Die neuen Songs funktionieren live hervorragend. AGATHODAIMON gehen aber auch ganz weit zurück und spielen mit „Tongue Of Thornes“ sowie dem abschließenden „Banner Of Blasphemy“ Stücke von den ersten beiden Alben aus den 90ern. Zwar ist der Sound etwas basslastig und undifferenziert geraten ist, freuen sich die zahlreichen Anwesenden über einen ganz starken Auftritt – auch, wenn nach eineinhalb Tagen Festival die Müdigkeit in den Knochen und Köpfen Vieler deutlich erkennbar ist. [SP]

  1. Ain’t Death Grand
  2. Kyrie / Gloria
  3. Tongue of Thorns
  4. Favourite Sin
  5. I’ve Risen
  6. Mother of All Gods
  7. Banner of Blasphemy

In ihrer doch noch recht kurzen Bandhistorie konnten OCEANS bereits einige Erfolge verbuchen. Das Quasi-Heimspiel auf dem RAGNARÖK (alle Mitglieder stammen ursprünglich aus der Region) wird sicherlich ein weiterer denkwürdiger Tag für die Band sein, denn im Vorfeld war man sich etwas unsicher wie der moderne Metal mit teilweise cleanen Vocals beim Pagan und Black-Metal-Publikum ankommen würde. Doch bereits beim ersten Song ist klar, die RAGNARÖK-Besucher können auch anders. Es wird von Beginn an mitgesungen, geheadbangt und sogar eine Wall Of Death initiiert. OCEANS sind ebenfalls bestens aufgelegt und präsentieren voller Spielfreude einen stimmigen Querschnitt aus Songs ihrer bisherigen EPs und des bislang einzigen Full-Length-Albums von 2020. Besonders Sänger Timo Rotten zeigt sich dabei von seiner besten Seite und zieht die Anwesenden nicht nur mit seinem großartigen Zusammenspiel von Growls und klarem Gesang, sondern auch mit seinen charismatischen Ansagen in den Bann. [SK]

  1. Sulfur
  2. Scars To Your Beautiful
  3. We Are Nøt Okay
  4. Take The Crown
  5. Home
  6. Icarus
  7. Shark Tooth
  8. The Awakening
  9. Hope

Nachdem es mit GEHENNA bitterbösen, eiskalten Black Metal auf die Ohren gab, betreten NECROPHOBIC die Bühne und bleiben dem Genre treu. Die schwedischen Urgesteine stiegen mit „The Infernal Depths of Eternity“ und dessen fast schon sanften Intro stimmig in ihren Gig ein. Wild gestikulierend und mit irrem Blick aus dem Dunkel der Bühne tretend entließ Frontmann Strokirk sein infernales Gekreische. Das und die schneidenden Gitarrensound kamen hervorragend abgemischt von der Bühne. Neben eben jenem Song vom aktuellen Album folgten davon ebenfalls „Mirror Black“. Auch das 2018er Album „Mark of the Necrogram“ war mit dessen Titeltrack vertreten sowie durch „Tsar Bomba“. Danach ging die musikalische Reise in alte Gefilde von „Blinded By Light, Enlightended By Darkness“ (was auch auf die Beleuchtung während des Auftritt zutraf) bis hin zum 1992er „The Call“. Als der letzte Ton von „Nocturnal Silence“ verklungen war, trat im Anschluss genau diese Stille auf der Bühne ein. Das Publikum bedankte sich laut für einen wilden Ritt durch zahlreiche Jahre Bandgeschichte. [AB]

  1. The Infernal Depths of Eternity
  2. The Call
  3. Black Moon Rising
  4. Mirror Black
  5. Mark Of The Necrogasm
  6. Devil’s Spawn Attack
  7. Tsar Bomba
  8. Blinded By Light, Enlightened By Darkness
  9. The Nocturnal Silence

Eine Band wie MOONSORROW passt besser als fast alle anderen aufs RAGNARÖK FESTIVAL: Musikalisch und thematisch treffen die Finnen genau den Pagan-Metal-Geist des Festivals. Bereits 2006 und 2007 waren sie bei der dritten bzw. vierten Ausgabe als Headliner zu Gast und geben sich nach weiteren Auftritten in den Jahren 2012 und 2015 bereits zum fünften Mal die Ehre in Lichtenfels. Weder der Band noch dem Publikum ist das aber zu viel des Guten und so präsentieren MOONSORROW eine ihrer überragenden Shows – auch eine längere Pause durch die Pandemie und aus krankheitsbedingten Gründen konnten der Truppe nichts anhaben. Das merkt man schon beim mächtigen Opener „Kivenkantaja“, der die dicht versammelte Menge von Beginn an völlig mitreißt. MOONSORROW strotzen nur so vor Energie und zeigen sich in absoluter Hochform, dazu passt auch der wuchtige, gut abgemischte Sound, der die epischen Tracks in die letzten Winkel der Halle trägt. Auch wenn die Spielzeit nur eine Stunde beträgt, konnten MOONSORROW unglaubliche sechs Tracks unterbringen, auch wenn die drei 15 bis 20 Minuten langen Mammutwerke „Ruttolehto sis. Päivättömän Päivän Kansa“, „Jotunheim“ und „Ihmisen Aika (Kumarrus Pimeyteen)“ natürlich in leicht abgespeckter Form gespielt werden mussten. Ein überwältigender Auftritt und eine der besten Shows des gesamten Festivals, wenn nicht sogar die beste. [SP]

  1. Kivenkantaja
  2. Ruttolehto sis. Päivättömän Päivän Kansa
  3. Sankarihauta
  4. Jotunheim
  5. Suden Tunti
  6. Ihmisen Aika (Kumarrus Pimeyteen)

ELUVEITIE sind eine diese Bands, denen man die Leidenschaft für ihre Musik immer zu 100% anmerkt. Sie meinen alles ernst, Musik und Texte kommen von Herzen. Für die Schweizer war es das erste Konzert des Jahres 2022 und egal, wie oft Frontmann Chrigel sich bei den Fans bedankt hat; egal, wie oft er erwähnt hat, wie surreal diese neue alte Normalität ist – immer wirkte alles aufrichtig und ehrlich, ebenso wie sein oft vor Freude bis über beide Ohren strahlendes Gesicht. Klar, dass diese Stimmung auch auf das Publikum überspringt und ELUVEITIE die Zuschauer voll in der Hand hat, auch wenn diese nach zwei Tagen bereits sichtlich geschlaucht sind. Vom eröffnenden „Ategnatos“ bis zum abschließenden „Helvetios“ liefern ELUVEITIE eine bombastische und mitreißende Show und den emotionalen Höhepunkt des Festivals. Dass Chrigels Gesang im etwas zu arg wummerndem Sound manchmal unterging und dass Fabienne Erni ein paar schiefe Noten fabrizierte – geschenkt. Songs wie „Ambiramus“, „Artio“ und „Breath“ gehen einfach voll unter die Haut und berühren das Herz. Dass „The Call Of The Mounitans“ in der schweizerdeutschen Version als „De Ruef vo de Bärge“ gespielt wurde, unterstreicht den besonderen, emotionalen Charakter dieses Konzertes. Nicht nur „Inis Mona“ wurden an diesem Tag aus vollen Kehlen mitgesungen, ELUVEITIE ernten über die gesamte Spielzeit völlig zurecht viel Zuspruch und großen Jubel. [SP]

  1. Ategnatos
  2. King
  3. Inis Mona
  4. Deathwalker
  5. Calling The Rain
  6. Artio
  7. A Rose For Epona
  8. Ambiramus
  9. Havoc
  10. Breathe
  11. De Ruef Vo De Bärge (The Call Of The Mountains)
  12. Helvetios

Im starken Gegensatz zu ELUVEITIE beschließen MAYHEM das Festival. Gewohnt spärlich ausgeleuchtet und wortkarg verlor die Kultband keine Zeit und stieg mit „To Daimon“ in den Auftritt ein während das Schlagzeug von Hellhammer die Bühne nicht einfach nur dominiert sondern regelrecht unterjocht. Attila, gekleidet in seine zerfetzte Robe, keift dem Publikum verbissen entgegen, während er den verbliebenen Raum der Bühne nutzt. Necrobutcher starrt inzwischen finster und verbissen und lässt sich von den zahlreichen Nebelschwaden einhüllen. MAYHEM treten insgesamt gewohnt routiniert auf und scheinen sich schnell wieder an Bühne und Publikum gewöhnt zu haben. MAYHEM schaffte es, den Platz vor der Bühne ein letztes Mal zu füllen und zog gefühlt jeden Besucher. Die bereits im Vorfeld mehrfach getestete Pyrotechnik ließ bei diesen vorab freudige Erwartung aufkommen, enttäuschte aber schlussendlich, da sie leider etwas mager ausfiel. Dem gegenüber steht allerdings eine satte Setlist mit 14 Tracks und eine Spielzeit von knappen 90 Minuten, die alles andere als enttäuschend war. Darunter waren Highlights wie „Freezing Moon“, „Deathcrush“ und „Chainsaw Gutsfuck“ sowie als krönender Abschluss „Pure Fucking Armageddon“. Insgesamt hat die Setlist damit eine große Ähnlichkeit mit der legendären „Live in Leipzig“, was beim Einen oder bei der Anderen nostalgische Gefühle aufkommen lässt, die auch hinsichtlich des endlich wieder stattfindenden RAGNARÖK FESTIVALS durchaus angebracht waren. [AB]

  1. To Daimonion
  2. Malum
  3. Bad Blood
  4. My Death
  5. Symbols Of Bloodswords
  6. Voces Ab Alat
  7. Freezing Moon
  8. Pagan Fears
  9. Life Eternal
  10. Buried By Time And Dust
  11. Deathcrush
  12. Chainsaw Gutsfuck
  13. Carnage
  14. Pure Fucking Armageddon

Dass das RAGNARÖK auf die 1G-Regelung gesetzt hat – für den Zutritt zum Festival war ein negativer Schnelltest erforderlich – stieß im Vorfeld nicht nur auf Verständnis. Schließlich wurden Zutrittsbeschränkungen zu Veranstaltungen vom bayrischen Ministerium zu Ende März weitgehend ausgesetzt. Dass die Veranstalter trotzdem auf Nummer sicher gehen wollten, ist bei etwas logischem Denken aber nur allzu verständlich. Dabei war nicht mal eine Impfung gefordert, sondern nur ein Schnelltest, den jeder kostenlos innerhalb weniger Minuten Zeitaufwand durchführen lassen kann. Kritik daran ist absolut unverständlich, da es keinem weh tut und sich so jeder so sicher wie nur möglich sein kann, dass gesunde Menschen auf dem Festival sind. Auch wenn die Pandemie politisch gesehen beendet scheint, ist das Virus nach wie vor vorhanden – seid also weiter vernünftig und passt auf euch und eure Mitmenschen auf! [SP]

Auch nach dem Festival ist das Erlebte in Retrospektive etwas surreal: Tausende Metalheads feiern zwei Tage lang ohne Masken, ohne Abstand, ohne Hygienevorschriften. Vor der Halle gibt es diverse Stände mit Essen und Trinken – auch wenn der beliebte Kaffeestand aufgrund von Personalmangel diesmal leider nicht eröffnet werden konnte. Im Merchandise-Zelt fanden Sammler CDs, Schallplatten, Bandshirts, Patches und weitere Fanartikel, die über zwei Jahre lang praktisch ausschließlich über das Internet bezogen werden konnten. Man konnte Freunde, Bekannte und Kollegen treffen, die man lange nicht gesehen hat. Wohl auch diese Tatsache hat dazu geführt, dass fast durchgehend fröhliche, entspannte Gesichter zu sehen waren und das Aggressionspotential unter den Besuchern verschwindend gering ausfiel. Klar, die aufgestauten Energien konnten entladen werden, das geschah aber vorwiegend vor der Bühne beim Headbangen, Mitsingen, im Circle Pit und einfach beim gemeinsamen Feiern. Festivals sind zurück – endlich! Nachdem das RAGNARÖK im Jahr 2020 als eines der ersten Festivals pandemie-bedingt absagen mussten, war es nun eines der ersten Festivals, dass die hoffentlich wieder viel normalere Saison 2022 eröffnen durfte. Das darf jetzt gerne so weiter gehen – das freut nicht nur alle Fans, sondern wäre auch ein heilsamer Prozess für die gebeutelte Veranstaltungsbranche. Dann gibt’s beim nächsten Mal sicher auch wieder Kaffee auf dem RAGNARÖK. [SP]


Die Bilder von Tag 1:

Ragnarök Festival 2022

Die Bilder von Tag 2:

Ragnarök Festival 2022

Publiziert am von , und

Fotos von: Andreas Brückner

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