CD-Review: Mayhem - Live In Leipzig

Besetzung

Dead – Gesang
Euronymous – Gitarre
Necrobutcher – Bass
Hellhammer – Schlagzeug

Tracklist

01. Deathcrush
02. Necrolust
03. Funeral Fog
04. The Freezing Moon
05. Carnage
06. Buried By Time And Dust
07. Pagan Fears
08. Chainsaw Gutsfuck
09. Pure Fucking Armageddon


Dass eine Live-CD immer einen ganz eigenen Charme hat, versteht sich von selbst – und doch gibt es auch hier noch solche und solche. Denn während die meisten Livemitschnitte schlichtweg eine gute Show für die Ewigkeit festhalten, die exemplarisch für diverse Shows ist, haben andere etwas Einzigartiges für die Ewigkeit konserviert – einen unwiederbringlichen Moment, eine unerreichte Atmosphäre, den Spirit einer Zeit oder gar die an diesem speziellen Abend greifbar gewordene Attitüde einer Band in Reinform.

„Live In Leipzig“ von MAYHEM ist eine solche Scheibe – legendär nicht wegen ihres herausragenden Sounds (falls man hier von herausragendem Sound sprechen will, so zumindest gewiss nicht von herausragend gutem Sound) oder dem beeindruckenden Talent der Musiker. Legendär vielmehr, weil es sich um die einzige offizielle MAYHEM-Veröffentlichung in der legendären Besetzung Dead/Euronymous/Necrobutcher/Hellhammer handelt. Legendär, weil die Show im November 1990, also vergleichsweise kurz nach der Wende in Leipzig über die Bühne ging. Und legendär, weil diese vier Männer mit dieser Show auf den Punkt gebracht haben, was Black Metal ist, oder viel mehr, was er damals war.

„Live In Leipzig“ ist unbändiges Chaos, sinnlose Aggression, die Arroganz, sich dem Punk entwachsen zu fühlen, ohne an den Instrumenten besser geworden zu sein. Und genau das macht „Live In Leipzig“ so beeindruckend, so authentisch und so unwiederbringlich. Konzerte wie das hier auf Band gebrachte gibt es so nämlich heute nicht mehr – die Kombination aus musikalisch schlecht und dennoch beeindruckend ist aufgrund der in den letzten Jahrzehnten über die Metal-Landschaft hereingebrochenen Bandschwemme, dem damit gestiegenen musikalischen Anspruch sowie den dabei verloren gegangenen Enthusiasmus ausgestorben.

In Zeiten, in denen bereits die erste Vorband eines Black-Metal-Konzertes einen perfekt ausgepegelten Sound braucht, um beim Publikum nicht von vorneherein durchgefallen zu sein, ist es nämlich schlichtweg unvorstellbar geworden, dass eine Band mit ein paar guten Riffs und etwas martialischem Geschrei einen ansonsten wohl aus heutiger Sicht katastrophalen Auftritt bestreitet und dafür auch noch Applaus erntet. Der Qualität der Musik im Allgemeinen mag diese Entwicklung durchaus zuträglich gewesen sein – dem „Black-Metal-Spirit“, den man hier noch in Reinkultur zu hören bekommt, jedoch gewiss nicht.

Sicherlich, „Live In Leipzig“ ist kein Hörgenuss im eigentlichen Sinne. Ja, man könnte wohl sogar so weit gehen, zu sagen, dass dieses Album hart an der Grenze zu ungenießbar entlangschrammt. Und doch sollte jeder, der sich Black Metaller schimpft, diese Scheibe im Schrank stehen haben. Nicht nur des kultigen Artworks wegen oder der oft kopierten, nie erreichten Ansagen von Sänger Dead. Sondern in erster Linie, um sich von Zeit zu Zeit wieder ins Bewusstsein zu rufen, wie Black Metal klang, als er noch war, wie die von der kommerzialisierten Metal-Welt der High-End-Produktion und Promotion-Budgets gänzlich assimilierte Szene heute nur noch zu sein versucht: roh, dreckig und hasserfüllt.

Anspieltipp: Die Ansage zu „Pure Fuckin Armageddon“, die Sänger Dead unsterblich machte. Aber eigentlich wirklich nur die Ansage.

Keine Wertung

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