Rock Hard Festival 2004

  • Gelsenkirchen, Amphietheater
  • 29. Mai 2004

Nachdem die Mannen um Götz Kühnemond im Jahr 2003 mit ihrem Jubiläums-Openair zum 15. Geburtstag der ROCK HARD einen vollen Erfolg einfahren konnten, entschloss man sich auch in diesem Jahr wieder das Rock Hard Festival im Gelsenkirchener Amphitheater zu veranstalten.

Das Billing konnte rein von den Namen her nicht ganz mit dem letzten mithalten. Aber das ist eventuell auch nur Geschmacksache. Auf Bands wie Metal Church, Exodus, Dark Tranquillity und Machine Head war ich am meisten gespannt. Aber wollen wir diese Sache einmal chronologisch Revue passieren lassen.

Es fing alles damit an, dass wir uns wie im Vorjahr bei der Babs eingefunden haben. Am Freitag grillten wir, tranken Bier und jene, die sich noch nicht persönlich kannten, hatten einen Tag vor dem Festival schon einmal die Gelegenheit, sich kennen zu lernen. Es war ein wunderschöner Abend mit Grillsteaks und Massen an Gerstensaft. Die optimale Vorbereitung auf die folgenden zwei Tage.

Zum Festival-Gelände fuhren wir dieses mal mit dem Taxi, damit niemand einem Cola-Rausch ausgesetzt ist. Die erste Gruppe waren die italienischen THUNDERSTORM. Sie spielen epischen Doom Metal und hatten durchaus ihre Fangemeinde unter den Zuschauern. Es war ein solider Auftritt, wenn ich auch finde, dass eine Doom-Band nicht wirklich die Aufgabe des „Einheitzers“ bestreiten sollte. Weiter ging es mit DEADSOULTRIBE. Sie sind die Nachfolgeband der vielseits beliebten Progressive Metaller von PSYCHOTIC WALTZ. Vor dem Gig gesellte sich noch Sänger Devon Grave zu uns, da er den Elöd aus alten Tagen wieder erkannte und einen kurzen Smalltalk hielt. Devon ist sehr freundlich und kam nach dem guten Auftritt, der stark gefeiert wurde, immer mal wieder zu uns hin und trank ein Bier. Deadsoultribe spielen guten, progressiven Metal, frickeln aber nicht so enorm viel. Von daher kam jeder auf seine Kosten.

Die Fans der schnelleren Gangart kamen bei den schwedischen NAGLFAR wohl noch viel mehr auf ihre Kosten. Endlich wurde in Gelsenkirchen geknüppelt. Mit ihrem jüngsten Album „Sheol“ legten sie eines der vielleicht besten Black Metal Platten des Jahres 2003 hin. Mit dieser Ehre wurden sie auch angekündigt und spielten einen perfekten Auftritt, der Lust auf mehr machte.

Die Umbaupausen zwischen den Bands vergingen eigentlich immer recht schnell. Man konnte ja ein Bier holen gehen, oder bei Bedarf eines wegbringen.
Weiter ging es im Programm mit der norwegischen Rock’n’roll-Combo GLUECIFER. Die hatte ich schon einmal beim Bizarre-Festival gesehen. Dort gefielen sie mir persönlich nicht, da ich ihrem Sound nicht so viel abgewinnen kann. Sie waren bis dahin die lauteste Band und spielten einen guten Auftritt. Sicherlich hatten sie auch eine recht große Audienz unmittelbar vor der Bühne, aber als der Sänger fragte, wer von den Leuten wegen Gluecifer gekommen war, ging doch eine vornehme Ruhe um das Amphitheater…

Mit dem sympathischen Thrash-Trio DESTRUCTION ging es wieder etwas härter zu. Ich stand zum ersten Mal vorne mit dabei und war in bester Headbanger-Laune. Sie spielten einiges vom letzten Album „Metal Discharge“ hatten aber natürlich auch ältere Songs mitgebracht. Ich fand es sehr schön, dass Destruction anstelle von Marduk spielten. Live bringen sie einen tierisch starken Sound durch die Boxen und es macht Spaß dabei zu sein. Mit Destruction war nun die komplette deutsche Thrash-Speerspitze beim Festival, nachdem zuvor Kreator und Sodom spielten. Nach dem Auftritt hatte Band-Kopf Schmier noch genug Elan um einen Gang über das Festival zu tätigen. Er stellte sich lässig den Foto-Wünschen der Fans und war auch gerne zu einem kleinen Gespräch mit den Metalheads bereit.

Mit den schweizer Hardrock-Veteranen KROKUS ging es weiter. Diese Band hat schon mehrere Comebacks und Bandbesetzungen hinter sich. Sie tönen etwas wie AC/DC, aber das sehr gut. Sie haben sehr viel Spaß gemacht und hinterließen einen positiven Eindruck.

Als nächsten standen die wiedererstärkten Bay Area Thrasher EXODUS auf dem Plan. Zuvor saßen sie beim Autogrammstand. Steve Souza machte dort eher den Eindruck, als sei das lästiges Pflichtprogramm. Er saß dort mit einer herumgedrehten Cappi und sah schon irgendwie sehr cool aus. Da ich nur das jüngste Album „Tempo Of The Damned“ kenne, muss ich zugeben, dass Exodus eine ziemlich vielfältige Tracklist hatten. Sie spielten auch einige alte Sachen, aber auch Knaller wie „Shroud Of Urine“ oder „War Is My Shepherd“. Ein überaus gelungener Auftritt, der meine Hoffnung schon übertroffen hat. Wenn es eben geht, sollte man sich Exodus nach ihrem Comeback unbedingt anschauen!

Die deutschen Metaller GAMMA RAY stellten dann den Co-Headliner des ersten Tages dar. Ich habe mich mit der Band nie groß befasst und war sehr erfreut über ihren Auftritt. Die Stimmung war perfekt und die Band hatte einen tollen Sound und war ein gerechtfertigter zweiter Hauptact. Die Fans sind super mitgegangen und auch außerhalb des vorderen Bühnenplatzes war auf den Rängen sehr viel Stimmung.

Über IN EXTREMO als Headliner waren sich viele Besucher nicht ganz schlüssig. Aber für viele wird sich das beim Auftritt dann geändert haben. Ihre Bühnenshow ist fantastisch. Auch wenn man kein großer Freund der Musik ist, ihr Spektakel auf der Bühne ist definitiv eine Augenweide. Vermutlich hatte das Konzert bei ihrem vielleicht bekanntesten Song, Vollmond, seinen Höhepunkt. An dieser Stelle war unten der Bär los. Der Song klingt ja für deren Verhältnisse eher thrashig. Wurde jedenfalls gut aufgenommen und auch in den hinteren Reihen wurde kräftig der Kopf geschüttelt. Fazit ihres Konzertes ist die Erkenntnis, dass man als Festival-Veranstalter gut daran tut, In Extremo als Hauptact anzukündigen.

Beim zweiten Tag hatten wir eine leichte Verspätung, da zehn Personen auf eine Dusche verteilt ihre Zeit brauchten. Als wir ankamen haben wir DESASTER verpasst und die monströsen INTO ETERNITY bereits 20 Minuten gespielt. Kritiker sagen zwar, dass die Band ständig die gleiche Songstruktur benutzt, aber dennoch hat jeder Song des neuen Albums „Buried In Oblivion“ seine Höhepunkte. Sehr interessant sind die Ansagen vom Fronter Tim Roth mit den cleanen Vocals. Diese werden nämlich eher so betont, wie Death-Vocalist Rob Doherty singt. Es war jedenfalls ein bärenstarker Auftritt der trotz der frühen Spielzeit massenhaft Fans anzog. Da diese Band den Durchbruch eben erst dieses Jahr machte, könnte Into Eternity eine große Zukunft bevor stehen.

Als nächstes hätten ursprünglich MALEVOLENT CREATION kommen sollen. Diese sagten aber einige Wochen ab und mit der dänischen Death Metal Fraktion ILLDISPOSED kamen absolut würdige Nachfolger. Eine coole Sau wie Frontman Bo Summer sieht man wohl selten. Seine Ansagen wurden auf Deutsch abgehalten. Er ist auf der Bühne zwischen den Songs ein sehr humorvoller, lustiger Typ. Er fragte zum Beispiel, ob jemand Illdisposed kennen würde und beantwortete die Frage mit „Hm, scheinbar nicht“. Das Drumherum stimmte also schon mal. Und auch die Musik riss viele Metalheads mit, die eher den Eindruck machten, der älteren Fraktion anzugehören. Wahrscheinlich war es einfach die Sympathie der Band, die die Leute zum Mitmachen anregte. Eine super Band, und viele sind sicher froh, statt Malevolent Creation eben diese Dänen gesehen und vielleicht auch kennen gelernt zu haben. Da hatte Festival-Veranstalter Manni Glamowski ein perfektes Händchen. Musikalisch spielen Illdisposed Death Metal, der recht schwedisch klingt. Mir fallen The Crown als vergleichbare Band ein.

PINK CREAM 69 war die nächste Band. Viele waren sich einig, dass sie an diesem Tage nicht so sehr ins Programm passen. Man hätte besser daran getan, Pink Cream 69 mit Exodus zu tauschen. Aber ob das organisatorisch geklappt hätte ist ein anderes Buch. Der Auftritt war jedenfalls sehr solide und ihre Fans kamen voll auf ihre Kosten. Ich selber konnte damit nichts anfangen, da es nicht mein Sound ist und ich an diesem Tag andere Bands konzentriert habe.

Es wurde Zeit für eine legendäre Band. Alles um mich herum fieberte dem Auftritt von METAL CHURCH entgegen. Ich kannte von der Gruppe gar nichts, war also sehr gespannt auf den Auftritt. Als dieser losging waren es vermehrt die älteren Metaller die den vorderen Raum dominierten. Der Auftritt war aber sehr gut und hat wohl allen anwesenden sehr viel Spaß gemacht.

Mit DARK TRANQUILLITY stand nach Exodus der zweite absolute Höhepunkt für mich auf dem Plan. Ihr letztes Album „Damage Done“ ist ein absolutes Klasse-Werk. Und endlich bestand die Gelegenheit, die schwedischen Melodic Deather live anzusehen. Wir sind bei den Umbauarbeiten nach vorne gegangen um möglichst viel mit zu bekommen. Frontmann Mikael Stanne hat eine sehr starke Ausstrahlung auf der Bühne und wirkt sehr charismatisch. Alle sechs Schweden hatten sehr viel Spaß und lieferten ihren Fans ein Konzert der Extraklasse. Es wurde einiges vom letzten Album gespielt und auch älteres Material. Richtig gigantisch war aber auch die Vorstellung eines Songs vom neuen Album. Der hörte sich sehr genial an und man darf wohl ein sehr starkes Album erwarten.

RAGE waren die nächste Band des finalen Tages. Ich habe sie bis dahin schon einmal gesehen und wurde schnell mitgerissen. Aber beim hiesigen Festival sah ich mir die Gruppe eher von der Tribüne an, da ich den monströsen Auftritt der Band davor erst einmal verkraften musste. Rage spielten gewohnt souverän und das Drum-Solo von Mike Terrana wurde frenetisch gefeiert.

Auf den Auftritt der finnischen Eskapaden-Kapelle STRATOVARIUS waren sicherlich sehr viele Leute gespannt. Was gab es im Vorfeld nicht in Hülle und Fülle News über die Band. Auf der Bühne sah man überhaupt nichts davon. Mit einer sehr guten Show und einem wirklich professionellen Verhalten spielte die Band ihre letzte Show in dieser Formation. Tolkki und Kotipelto würdigten sich nicht wirklich eines Blickes, aber das braucht es auch nicht. Sie haben sogar ihre geniale Live-Ballade „Forever“ im Repertoire gehabt, was mir doch einen kurzen Gänsehaut-Moment bescherte. Eine Show, die des Co-Headliners würdig war, sah die Gelsenkirchener Menge auf jeden Fall. Zum Schluss stellte sich die Band an den vorderen Rand der Bühne, nahm sich in den Arm und verbeugte sich vor der Audienz. Ein beeindruckendes Bild.

Nach recht langer Umbau-Phase war Showtime. „Ave Satani“ läutete an und die Menge war sehr gespannt. Bald darauf ging es mit der Akustik-Gitarre über zu „Imperium“. Gleich dieser erste Song brachte die Masse in ausgelassene Stimmung und Bewegung. Es ging richtig zur Sache bei MACHINE HEAD. Rob Flynn sieht auf der Bühne recht beeindruckend aus, wie ich finde. Er hat die Leute gut im Griff. Die Modern-Thrasher aus den Staaten spielten ihre größten Knaller. „Davidian“ wurde regelrecht entgegengemosht und bei „The Blood, The Sweat, The Tears“ war die Menge nicht mehr zu halten. Einen derart großen Moshpit hatte ich zuvor noch nicht erlebt. Da ging die Hölle los. Der Pit hielt sich auch enorm lange. Der Gig der Band kam mir vor wie 30 Minuten, dabei waren es annähernd zwei Stunden. Eine perfekte Show und trotz Zweifel vieler „Alt-Metaller“ sollten Machine Head doch vor einem durch und durch begeisterten Publikum gespielt haben.

Das diesjährige Rock Hard Festival hat alle Erwartungen stark übertroffen und Götz Kühnemund, Herausgeber des Heftes, gab schon beim Festival bekannt, dass es im nächsten Jahr zur Pfingstzeit eine weitere Auflage geben wird, was tobend beklatscht wurde. Das beste Festival der Welt ging auch im zweiten Jahr wieder viel zu schnell rum und die Vorfreude auf das Folgejahr ist bei etwa 6000 Metallern ungeheuer groß.


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