Auf ein Wort, ehrliche Freunde der Musik!

Wir leben im Informationszeitalter, im Zeitalter des Web 2.0. Dass dieses nicht nur Vorteile, wie weltweite (drahtlose) Vernetzung und die unterschiedlichsten Onlineangebote mit sich bringt, ist selbstverständlich. Wie jede Münze, hat auch diese ihre Kehrseite. Leute, die Alben auf einschlägig bekannten Internetseiten kostenlos zum Download bereit stellen und damit nicht nur die Musikindustrie, sondern vor allem die Musiker selbst bestrafen, gibt es schon lange. Leider, muss man sagen, betrifft das teilweise aber auch Redakteure von Print-, Online-, oder Radiomagazinen. Die stellen ihr Promomaterial, das sie – im Vertrauen der Labels und Bands – bekommen, vor dem Releasedate ins Netz und spielen die Schaffer damit aus. Zum Glück sind solche schwarzen Schafe im Musikjournalismus – ob dieser nun Hobby oder Beruf ist – Ausnahmen und werden das auch hoffentlich bleiben.

Und trotzdem ist eine offensive Stellung dazu, wie sie von True Music Promotion eingenommen wurde, das, was man verstärkt bräuchte. Nur so kann eine aktuelle Diskussion entstehen und vielleicht dem Ein oder Anderen doch ins Gewissen geredet werden. Wir, metal1.info, teilen diese Ansicht vollkommen.

Liebe Freunde des geschriebenen Wortes sowie Vertreter der Schallwellen,ich möchte mich heute mit einem offenen Wort an Euch wenden, um vielleicht den ein oder anderen Impuls zum Nachdenken bzw. den Anstoß für eine (weiterführende) Diskussion zu geben: es geht um die immer wieder vehement geführte Debatte über in’s Netz gestellte Alben vor dem realen Hintergrund einer derartigen Aktion, die kürzlich aufgedeckt wurde.

Promo CD’s dienen für Medienvertreter als vorab zur Verfügung gestelltes Infomedium, um Leser/Hörer über die jeweilige Neuerscheinung in Kenntnis zu setzen, deshalb bekommt man in der Regel schon weit vor dem offiziellen Veröffentlichungsdatum den jeweiligen Tonträger zugeschickt. Damit geht selbstredend auch eine hohe Verantwortung einher, nämlich der eigentlich selbstverständliche vertrauliche Umgang mit solchen Materialien. Einige scheinen sich dieser Verantwortung aber nicht in vollem Umfang bewusst zu sein – wie anders ist es zu erklären, dass kurz nach dem Mailout einer von uns betreuten Band just dieses Album auf einem internationalen Dowloadserver angeboten wird?

Nachdem in diesem konkreten Fall Promos bislang nur an die Medienvertreter gegangen sind und sowohl Auslandsvertriebe also auch die Band selbst KEINE Musterexemplare in Händen hielten, sind die Möglichkeiten woher die Quelle stammt, natürlich nicht gerade reichhaltig gestreut. Ich möchte an dieser Stelle ganz deutlich klarstellen, dass ich hier KEINE Pauschalverdächtigung äußere und auch nicht alle über den berühmten Kamm scheren werde, denn die Mehrheit ist ohne Wenn und Aber 100 % zuverlässig und vertrauenswürdig – hier geht es lediglich um die verbleibenden prozentualen Dezimalstellen kleinerer Größenordnung nach dem Komma der Zahl 99, diese dunklen Kanäle, über die noch nicht im Handel erhältliches Material in die falschen Hände gerät, gilt es ausfindig zu machen.

Ich möchte darum bitten, Euch einmal in die folgende Situation hineinzuversetzen: wie wäre Eure Gemütslage, wenn ihr als Label eigenes Geld in nicht unbeträchtlicher Höhe in ein Projekt investiert hättet, dem noch vor dem eigentlichen Startschuß ein herber Rückschlag ereilt, weil das aus Eurer Tasche bezahlte Album einer Band noch weit vor dem Veröffentlichungstermin als kostenfreier Download im Internet zu finden ist? Würdet ihr nicht auch ziemlich besorgt sein ob der Gefahr, dass sich die Möglichkeit zumindest einer Amortisierung des Geldeinsatzes extrem vage gestaltet, während sich die Gefahr eines Verlustes mehr oder weniger deutlich am Horizont abzeichnet? Hier geht es nämlich auch um Existenzen, doch das scheint leider Gottes einfach verdrängt zu werden oder erst gar nicht im Bewusstsein verankert zu sein. Was ich absolut nicht verstehe: was bringt es, wenn man ein noch unveröffentlichtes Album online stellt, welchen Nutzen hat man davon, wenn man Musik, die ganz sicher nicht als gratis-Gut betrachtet werden darf, anderen einfach für Lau zur Verfügung stellt – wo liegt da bitte der Sinn und der Zweck der Aktion? Scheinbar entwickelt die fragwürdige Klientel auch so etwas wie Sportsgeist, denn wenn man ein File von den Administratoren entfernen läßt, wird das fragliche Album sofort doppelt und dreifach unter anderem Namen wieder online gestellt. Das ist ein Spiel ohne Grenze und vor allem ohne Ende, bei dem man als Sisyphus gegen eine Hydra antritt, und frei nach Grönemeyer fragt man sich: Was soll das?

Ist denn angesichts solcher Fakten verwunderlich, dass Labels immer häufiger Gegenmaßnahmen in Form von z.B. Voice Overs etc ergreifen? Das Gejammere und Geschimpfe darüber ist erfahrungsgemäß immer groß, leider lassen sich derartige illegale Machenschaften aber nur dann wirkungsvoll unterbinden, wenn man auf breiter Ebene agiert. Die Suppe wird von lediglich einigen Einzelfällen eingebrockt, auslöffeln muß sie aber das Kollektiv.

Selbstredend werden wir in enger Zusammenarbeit mit dem betroffenen Label alles dafür tun, die Urheber dieses illegalen Treibens ausfindig zu machen und gegen sie mit allen zur Verfügung stehenden Rechtsmitteln vorgehen, Anwälte sind bereits eingeschaltet und beschäftigen sich mit der akribischen Rückverfolgung des Up-loads.

Ich hoffe, mit diesen warmen Worten zumindest auf offene Ohren gestoßen zu sein, Danke für Euer Verständnis. Anregungen zu weitergehender Diskussion sind gerne willkommen!

In diesem Sinne: rock on

Stephan Treu, True Music Promotion

Geschrieben am von Metal1.info

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