Review 5 Star Grave – Drugstore Hell

Für ein Review zur neuen Platte der italienischen Metaller von 5 STAR GRAVE stehen die Vorzeichen wahrlich schlecht: Gerade haben die Italiener die Deutschen (wieder mal) aus der Fußball-EM gekegelt, weswegen jetzt alle Deutschen erstmal nicht gut auf die Italiener zu sprechen sein dürfen. Gleichzeitig wollen die Italiener Geld von den Deutschen, und weil der deutsche Steuerzahler das nicht toll findet, sind die Italiener auch nicht so toll auf die Deutschen zu sprechen. Und Berlusconi ist auch doof. Und so weiter.

Wie auch immer, “The motherfucker has been unleashed”, wie es die Band unendlich eloquent auf den Punkt bringt. Und der Motherfucker hat einiges an Power: Erwartet man angesichts des Titels des Openers eher eine Slapstick-Einlage denn gute Musik, so überraschen 5 STAR GRAVE mit groovender Gitarrenarbeit, energiegeladenem Kreischgesang, satten Synthesizer-Flächen und vor allem einem todsicheren Gespür für Ohrwurmrefrains. So möchte man nach den ersten 3:50 Minuten das Schlafzimmer wirklich nicht mehr verlassen, sondern die Repeat-Taste drücken. Klar, die Italiener bewegen sich mit ihrem streckenweise ziemlich gameboylastigen Sound – Paradebeispiel „Death Put A Smile On My Face“ – näher am Kitsch als die deutsche Nationalmannschaft der Verlängerung war. Aber daran muss man sich nicht stören, wenn wenigstens was dabei rumkommt – zumal auf solche Songs stets metallischere folgen („Love Affair With The Beast“). Davon abgesehen ist es egal, wie genau 5 STAR GRAVE klingen – weil „Drugstore Hell“ einfach tierisch Laune macht: „Daddy“ ist eine unendlich zündende Party-Hymne, in „If“ zaubern die Gitarristen fulminante, schwedische Riffsalven hervor – und obwohl ein Track wie „Death Times Eleven“ trotz viel Gitarreneinsatz eher ein Fall für den Dancefloor als für den Moshpit ist, kann man das den Italienern nicht vorwerfen, weil es überzeugend wirkt. Authentisch. Und gut.

Astreine, rhythmische Rocknummern haben 5 STAR GRAVE ebenso im Gepäck wie eine fulminante Produktion und abwechslungsreiche Arrangements. Und wer keinen Stock im Hintern sowie zwischen 0,0 und 3,0 Promille hat, nicht auf Grund der Fußball-EM italienische Musik verschmäht und eine fetzige Metal-Scheibe irgendwo zwischen Melodic-Death-, Power- und Melodic Metal sein Eigen nennen will, kauft sich „Drugstore Hell“ und dancet und bangt im „Terminal Bedroom“ bis zum bitteren Ende. Bis „When The Lights Go Out“. Oder weiter.

Wertung: 8.5 / 10

Publiziert am von Pascal Stieler

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.