CD-Review: Accept - Too Mean To Die

Besetzung

Mark Tornillo - Gesang
Wolf Hoffmann - Gitarre
Uwe Lulis - Gitarre
Philip Shouse - Gitarre
Martin Motnik - Bass
Christopher Williams - Schlagzeug

Tracklist

01. Zombie Apocalypse
02. Too Mean To Die
03. Overnight Sensation
04. No Ones Master
05. The Undertaker
06. Sucks To Be You
07. Symphony Of Pain
08. The Best Is Yet To Come
09. How Do We Sleep
10. Not My Problem
11. Samson And Delilah


Die Besetzung von ACCEPT war auch nach dem Neustart mit Sänger Mark Tornillo vor elf Jahren alles andere als stabil, allerdings schien es, als sei zumindest die Doppelspitze aus Gitarrist Wolf Hoffmann und Bassist Peter Baltes eine sichere Bank. Folglich traf es so manchen Fan unerwartet, als die beiden vor drei Jahren ihre Trennung verkündeten. Seither scheint bei der Band der Haussegen nicht wieder vollends gerade gerückt: Zwar konnte die Vakanz am Bass 2019 mit Martin Motnik von den Bayern The Roxx besetzt werden und es wurde mit Philip Shouse ohne Not gar noch ein dritter Gitarrist an Bord geholt, unlängst überraschte Bandkopf Hoffmann aber mit der Aussage, dass er und Sänger Tornillo kaum mehr als Geschäftspartner sind. Zusammen mit dem Weggang von Baltes dürfte dies den Eindruck, ACCEPT würde es noch immer tatsächlich um die Musik und nicht um den Erhalt ihrer Marke gehen, weithin zerstört haben. Das bleibt offenbar auch den Begründern des Teutonenstahls selbst nicht verborgen und so meldet sich die Truppe mit dem kämpferisch betitelten „Too Mean To Die“ zurück.

Personell mag sich bei ACCEPT so manches verändert haben, was ihre sonstige Arbeitsweise angeht, scheint bei den Teutonenstahl-Veteranen jedoch alles beim Alten geblieben zu sein. Das ist auch gut so: ACCEPT arbeiteten für „Too Mean To Die“ erneut mit dem britischen Studio-Papst Andy Sneap zusammen und so bietet auch ihre neueste Platte wieder den typischen, knochentrockenen und gitarrenlastigen Sound des Mannes, der sinnbildlich für ihr gesamtes Schaffen seit der Reunion steht und den Stil der Gruppe kaum besser zur Geltung bringen könnte. Ganz egal, was sonst noch passiert sein mag, ACCEPT hören sich auch 2021 noch immer wie ACCEPT an und das ist schon mal eine gewaltige Erleichterung.

Zudem sind Wolf Hoffmann und seine Mitstreiter allesamt erfahrene Musiker, die wissen, wie ihr Sound funktioniert – grobe Schnitzer beim Songwriting muss also auch auf „Too Mean To Die“ niemand befürchten. Dennoch brauchen die Herren diesmal ein wenig länger, um in Fahrt zu kommen: Es ist schwer, mit dem Finger auf die genaue Ursache zu zeigen, aber Nummern wie der Titeltrack oder das eröffnende „Zombie Apocalypse“ wirken schlicht wie – zugegeben hochwertige – Platzhalter für echte ACCEPT-Hits. Klar, hier gibt es edelste Riffs zuhauf und Bandkopf Hoffmann zaubert in seinen Leads gänsehautverdächtige Melodien, wie man sie sonst nur von Michael Schenker erwarten darf. Aber sind das hier wirklich noch ACCEPT? Oder sind Spielereien wie die Zitate aus der klassischen Musik in „Symphony Of Pain“ schlichtes Gimmick, weil diese Band sowas eben macht? Es ist schwer zu sagen und es fühlt sich komisch an.

Allerdings ist das nicht so schlimm, wie es zunächst klingt, denn die „echten“ ACCEPT sind auf „Too Mean To Die“ durchaus noch spürbar: Songs wie das rockige „Overnight Sensation“ oder der hymnische Stampfer „How Do We Sleep“ erinnern beispielsweise mit bandtypischen Shouts und Männerchören auf angenehmste Art und Weise an die Frühphase der Band. Auch ansonsten wird Fans der Truppe auf „Too Mean To Die“ einiges geboten und so könnte etwa das mitreißende „No Ones Master“ von einem starken Album wie „Stalingrad“ stammen und auch gelungene Nummern wie „The Undertaker“ oder „Sucks To Be You“ entpuppen sich vom ersten Ton an als authentische ACCEPT-Songs. Warum? Weil eben keiner Riffs schreibt wie Wolf Hoffmann und der hat die Band seit ihren Anfangstagen mehr als irgendein anderes Mitglied geprägt.

ACCEPT zum Aufhören zu raten, wäre vollkommen unangebracht, denn dafür ist dieses Album einfach zu stark. Aber vielleicht sollten sich wenigstens die Herren Hoffmann und Baltes zeitnah zusammensetzen, um ihre Differenzen zu lösen. Auf „Too Mean To Die“ scheint weniger eine eingeschworene Band zu hören zu sein als eine Gruppe von Musikern, die weiß, wie sie zu klingen hat. Das resultiert in einem Album, auf dem Fans sicher alles bekommen, was sie von der Truppe kennen und lieben, das aber – so zumindest die Unterstellung – nicht so gut ist, wie es hätte sein können. Jede andere Band könnte auf ein Werk wie „Too Mean To Die“ uneingeschränkt stolz sein. Weil ACCEPT aber stets ein unfassbar hohes Niveau gehalten haben und auch ihre neueren Platten durchweg stark ausgefallen sind, liegt die Messlatte hier entsprechend weit oben – und gemessen an sich selbst gelang Wolf Hoffmann und seiner Mannschaft hier einfach nicht der Wurf von erhoffter Größe.

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Bewertung: 7 / 10

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