Der Heavy-Metal-Untergrund ist derzeit ziemlich stark bevölkert und doch tauchen immer wieder neue Bands auf. So auch die aus Dresden stammenden ACID BLADE, die erst seit 2021 aktiv sind. Unlängst hat die Truppe, deren Mitglieder sich solch schöne Künstlernamen wie Luke Lethal oder Eric Nukem ausgesucht haben, mit „Shooting Star“ eine neue EP herausgebracht, ihr Werdegang begann aber schon etwas früher. Nach einem Demotape veröffentlichten die Sachsen im letzten Jahr mit „Power Dive“ ihr erstes volles Album, das durchaus Beachtung verdient hat.
Der Name ACID BLADE klingt zunächst nach Thrash oder Speed Metal und zumindest der Opener „Hot Bloods On The Loose“ scheint diesen Eindruck zu unterstreichen, denn die zackige Nummer lässt sofort an ebenjenes Genre denken. Bereits ab dem folgenden „Ablaze At Midnight“ kann davon jedoch keine Rede mehr sein, denn ab diesem Song präsentieren sich die Dresdner als NWOTHM-Band aus dem Bilderbuch. Hymnische, eingängige Nummern wie der Titeltrack oder „King Killer“ erinnern mit ihrem starken NWOBHM-Einschlag beispielsweise an frühe Night oder – vor allem dank des Gesangs – an Metal Inquisitor.
Insgesamt punkten ACID BLADE auf „Power Dive“ mit grundsolidem Songwriting, inspiriert von den Anfangstagen des Heavy Metal. Innovativ ist das sicher nicht, aber es ist gut gemacht und die Sachsen überzeugen mit vielen guten Ideen: So bricht die Truppe etwa in „Into The Light“ oder „The Tomb Of Khentika Ikheki“ aus den üblichen Harmoniefolgen aus, womit es zwar etwas sperriger aber eben auch weniger vorhersehbar wird und das ist durchaus spannend. Die Leadgitarren passen dabei gut zur Atmosphäre der Songs, wirken aber bisweilen noch ein wenig planlos – hier würde etwas mehr Stringenz bzw. Struktur die Nummern noch weiter aufwerten.
Größter Pluspunkt von „Power Dive“ ist neben den ausgebufften Songstrukturen der Gesang. Zwar liegt Sänger Klay Mensana ab und an ein wenig daneben, das unterstreicht in den meisten Fällen aber den Eindruck einer ehrlichen Underground-Band, den ACID BLADE sicherlich erwecken wollen. Anders als viele andere Bands weiß die Mannschaft obendrein, wie man mehrstimmigen Gesang maximal effektvoll arrangiert, weshalb vor allem die Refrains auf dieser Platte etliche Gänsehaut-Momente bereithalten – bestes Beispiel ist die abschließende Hymne „Harpy On The Wing“.
„Power Dive“ ist ein ehrliches Underground-Album mit erdigem Handarbeits-Charme, das dank sorgfältig ausgearbeiteter Songs und authentischer Low-Fi-Produktion vor allem Fans der NWOTHM ansprechen sollte. In Sachen Gesang und Leadgitarrenarbeit besteht noch Luft nach oben, allerdings stehen ACID BLADE auch noch am Anfang ihrer Karriere und ihr Debüt legt nahe, dass die Truppe über gewaltiges Potenzial zur Weiterentwicklung verfügt. Es mag etliche ähnlich geartete Bands geben, dennoch sei „Power Dive“ allen Fans von Old School Metal (fast) direkt aus dem Probekeller wärmstens ans Herz gelegt.
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Wertung: 7 / 10


