CD-Review: Amorphis - The Beginning Of Times

Mai 2011

Besetzung

Tomi Joutsen - Gesang
Esa Holopainen - Gitarre
Tomi Koivusaari - Gitarre
Niclas Etelävuori - Bass
Santeri Kallio - Keyboard
Jan Rechberger - Schlagzeug

Tracklist

01. Battle For Light
02. Mermaid
03. My Enemy
04. You I Need
05. Song Of The Sage
06. Three Words
07. Reformation
08. Soothsayer
09. On A Stranded Shore
10. Escape
11. Crack In A Stone
12. Beginning Of Time


(Melodic / Folk / Melodic Death Metal) In letzter Zeit dauerte es ja nie besonders lange, bis eine neue AMORPHIS-Scheibe das Licht der Welt erblickte. Auch mit „The Beginning Of Time“ – dem zehnten Studioalbum der Finnen – verhält es sich nicht anders, gerade einmal zwei Jahre gingen seit dem Vorgänger „Skyforger“ ins Land. In Interviews begründet die Band dies unter anderem damit, dass man seit der – nennen wir das Kind ruhig beim Namen – Wiedergeburt „Eclipse“ zum einen seinen Stil, vor allem aber ein festes Team gefunden zu haben scheint. Und so lief es auch beim Produktionsprozess zu „The Beginning Of Time“, was aber, wie die folgenden Zeilen zeigen werden, auch seine Gefahren beinhaltet.

Schon das angesprochene „Skyforger“ hielt für mich nicht mehr das, was die ersten beiden Alben mit dem immer noch irgendwie neuen Sänger Tomi Joutsen versprochen haben. Eigener Stil: kann schon sein, aber wenn dem wirklich so sein sollte, ruht man sich seit zwei Alben genau darauf aus. Das zeigen die ersten Noten des Openers „Battle For Light“, so endet es beim abschließenden Titeltrack. Diverse Keyboardintros, die typischen Melodien, die sich irgendwo im Spannungsfeld zwischen nordischer Folklore und orientalischem Flair entfalten. Nahezu alle Songs im Midtempo, ein ausgewogenes Maß an harschen und cleanen Vocals – zweifelsfrei exzellent dargeboten – und schon könnte man die Review an dieser Stelle beenden. Das kennt man doch alles so, oder? In der Tat, viel Neues gibt es nicht zu entdecken, was an sich ja nicht unbedingt schlimm ist. Bands wie Manowar, Iron Maiden oder diverse nördliche Finsterlinge bringen seit Jahr und Tag immer wieder das gleiche Album raus und die Fans greifen beinahe blind zu. Das wird sich im Falle von AMOPRHIS vielleicht auch nicht anders verhalten, für mich reiht sich „“The Beginning Of Time“ aber enttäuschenderweise genau da ein, wo „Skyforger“ aufgehört hat. Same day, same songs.

Nun gut, machen wir uns der Fairness halber trotzdem mal die Arbeit und gehen auf ein paar Songs etwas näher ein. Die größte Überraschung, wenn man so will, ist „Soothsayer“, welcher, möglicherweise unbewusst, ein Sample aus Nicks Caves genialem „Weeping Song“ enthält und somit gewisse Ohrwurmqualitäten aufweist. Zudem ist es tatsächlich mal ein Song, der insgesamt etwas getragener daher kommt und sich so vom Rest abhebt. Dies tut zum Beispiel auch „My Enemy“, kurz, flott und zackig auf dem Punkt, aber irgendwie fehlt mir da die rechte Bindung zu, auch wenn das Album sonst schon aus einem Guss klingt. „Song Of The Sage“ wäre mein dritter Anspieltipp an dieser Stelle, kein herausragendes Lied, nicht einmal eines, was sich sonderlich vom Rest abheben würde, aber Melodien mit einem gewissen Charme, die einfach ganz gut klingen.

Die Labelwerbung verspricht eine ganze Ecke mehr harter Parts, dem kann ich jetzt nicht unmittelbar zustimmen, auch die einzigartige Dunkelheit sehe ich nicht (haha) und auch die tiefen Emotionen haben schon mal mehr hergegeben. Auch die lyrische Seite bietet keine Überraschungen – das Kalevala kennt man inzwischen auch als Deutscher schon ganz gut – allerdings ist die Geschichte um Väinämöinen doch etwas seltsam geraten. In den Texten sicher nicht, die sind prinzipiell schon so, wie man sie sich von einer Band wie AMORPHIS erwarten kann. Unter dem Strich ist es an der Zeit, die Vorgehensweise mal wieder zu hinterfragen. Das Team könnte eine Frischzellenkur vertragen, das Songwriting könnte überdacht werden oder von mir aus auch die gesamte Ausrichtung. Irgendwas sollte sich ändern, damit mal wieder eine Überraschung a la „Eclipse“ drin sein soll. Mit „The Beginning Of Times“ liegt man als Freund nordischen Düstermetals sicher nicht falsch, aber Wunderdinge darf man eben auch nicht erwarten.

Bewertung: 7 / 10

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