Amorphis w/ Soilwork, Jinjer, Nailed To Obscurity

  • München, Backstage (Werk)
  • 30. Januar 2019
Konzertfotos: Amorphis w/ Soilwork, Jinjer, Nailed To Obscurity

Flyer zur Amorphis-Tour 2019

Fast drei Jahre ist es her, dass AMORPHIS zuletzt durch die deutschen Städte tourten – eine kleine Ewigkeit für die Finnen: Von 2013 bis 2016 waren AMORPHIS schließlich in jährlichem Turnus in Deutschland unterwegs, wo sie (abgesehen von ihrer Heimat) in der Folge schon mehr Konzerte gespielt haben als in irgendeinem anderen Land der Welt.

Die Abstinenz scheint der Bekanntheit der Finnen nicht abträglich gewesen zu sein – im Gegenteil: Gemeinsam mit den Schweden von SOILWORK, den ukrainischen Metalcore-Newcomern JINJER und NAILED TO OBSCURITY als Support-Act sorgen die Finnen schon im Vorhinein für ausverkaufte Shows – so auch im Backstage Werk.

Vier Bands an einem Mittwochabend sind ein straffes Programm – kein Wunder, dass NAILED TO OBSCURITY bereits um 18:10 Uhr loslegen müssen. Entgegen aller Befüchtungen können die Ostfriesen, die mit „Black Frost“ gerade ihr Labeldebüt bei Nuclear Blast in die Läden gebracht haben, trotz der frühen Stunde bereits auf eine stattliche Fanschar blicken. Wenngleich es für NAILED TO OBSCURITY heute dank „Vorband-Sound“ und knapper Spielzeit ein hartes Stück Arbeit ist, das Publikum in ihren Bann zu ziehen: Die Reaktionen auf den doomig angehauchten Melo-Death, der an alte Insomnium denken lässt, fallen nach dem 30-Minuten-Set durchweg positiv aus.

Setlist NAILED TO OBSCURITY

  1. Black Frost
  2. Feardom
  3. The Aberrant Host
  4. Tears Of The Eyeless
  5. Desolate Ruin


Definitiv nicht nur als Support-Act, sondern als „Selling Point“ im Tour-Billing sind JINJER: Die Djent-/Metalcore-Newcomer aus der Ukraine sind derzeit schließlich in aller Munde. Tatsächlich macht auch die Show schnell vergessen, dass hier erst die zweite Band des Abends auf der Bühne steht. Der so druckvolle wie differenzierte Sound bläst einen glatt um, und auch sonst machen JINJER vieles richtig: Vertacktes Djent-Riffing trifft auf aggressiven Metalcore, aber auch einige ruhige Parts. Im Mittelpunkt steht aber fraglos die zierliche Fronterin Tatiana Shmaylyu mit ihrer kraftvollen Stimme, die mal an Alissa White-Gluz (Arch Enemy), mal an Sandra Nasić (Guano Apes) erinnert. Dass Shmaylyu dabei auch noch eine gute Figur macht, ist wohl leider weniger nebensächlich, als man sich wünschen würde: Allein mit ihrer nicht übermäßig innovativen, auf 40 Minuten Spielzeit sogar recht eintönigen Musik hätten JINJER wohl nie solches Interesse erspielt. Doch nach wie vor gelten attraktive Sängerinnen im extremen Metal als Sensation, um nicht zu sagen Kuriosum, und sorgen verlässlich für Aufmerksamkeit.

Setlist JINJER

  1. Words Of Wisdom
  2. Ape
  3. I Speak Astronomy
  4. Dreadful Moments
  5. Teacher, Teacher
  6. Who’s Gonna Be The One
  7. Pisces
  8. Perennial
  9. Sit Stay Roll Over


Käme nach zwei anständigen Shows nun bereits der Headliner, wäre das absolut in Ordnung – und tatsächlich lässt sich der Auftritt von SOILWORK in Sachen Sound, Licht und Zuschauerreaktionen direkt wie eine Headlinershow an. Ganz falsch ist der Eindruck ja auch nicht, schließlich handelt es sich um eine Co-Headliner-Tour mit je 75 Minuten Spielzeit für beide Hauptbands. Die Fans freut’s: Von Minute eins an sind sie voll dabei und feiern die Schweden für alles ab, was diese darbieten – seien das nun die insgesamt fünf Songs vom neuen Album „Verkligheten“ oder die Stücke der insgesamt sechs anderen Alben, die es heute ins Set schaffen.

Die Kombination aus In-Flames-Riffing (zu ihren Metalcore-Zeiten) und dem von Five Finger Death Punch groß gemachten Konzept der Zuckerguss-Refrains zu harten Grooves funktioniert auch bei SOILWORK nach wie vor gut. Allerdings nicht unbedingt live und über 75 Minuten hinweg: Gerade Fronter Björn Strid sammelt weder durch eine Charakterstimme, noch in Sachen Ausstrahlung und Bühnenperformance Extrapunkte, sodass der Auftritt schlussendlich doch arg routiniert wirkt.

Setlist SOILWORK

  1. Arrival
  2. The Crestfallen
  3. Nerve
  4. Full Moon Shoals
  5. Death In General
  6. Like The Average Stalker
  7. The Akuma Afterglow
  8. Drowning With Silence
  9. The Phantom
  10. The Nurturing Glance
  11. Bastard Chain
  12. As We Speak
  13. The Living Infinite II
  14. Witan
  15. Stabbing The Drama
  16. Stålfågel


Routiniert, allerdings im besten Sinne, wirkt auch, was AMORPHIS im Folgenden ab 22:00 Uhr auf die Bühne bringen: Wenngleich der Sound zunächst leider nicht mehr ganz so transparent ist wie zuvor, reicht allein die Bühnenpräsenz der sechs Finnen um Fronter Tomi Joutsen, um stimmungstechnisch direkt noch einen drauf zu setzen: Los geht es direkt mit „The Bee“, dem furiosen Opener-Hit des aktuellen Albums „Queen Of Time“, gefolgt von „The Golden Elk“. Es lässt sich bereits erahnen: Wie bei Soilwork steht auch jetzt das neue Material im Fokus. Mit ganzen sechs Songs findet glatt die Hälfte des Albums ihren Weg ins Set. Dass das nicht ohne anderweitige Kürzungen klappen kann, ist einfache Mathematik.

Gerade die langjährigen Fans dürften deswegen so manchen liebgewonnenen Klassiker auf der Setlist vermissen – andererseits hatte man in den Jahren zuvor oft genug  Gelegenheit, diese live zu erleben. Wenngleich AMORPHIS die in den Studioversionen komplex arrangierten Stücke mit vergleichsweise wenig Sample-Spuren erfreulich dynamisch interpretieren, zündet das Material (von Ausnahmen wie „The Bee“ abgesehen) allerdings noch nicht so wie etwa ein „Silver Bride“.  Nicht zuletzt vielleicht, weil sich Tomi Joutsen für mehrere der neuen Stücke jeweils den ganzen Song über zum Schlagzeuger verzieht – wohl, um unauffällig in die Songtexte spickern zu können.

Die stimmungstechnischen Höhepunkte sind weiterhin bei den Klassikern zu suchen – bei „Sky Is Mine“ („Skyforger“) etwa, dem Evergreen „Black Winter Day“ („Tales From The Thousand Lakes“), „Death Of A King“ vom Vorgängeralbum „Under The Red Cloud“ – oder, wenn das Publikum wann immer es sich anbietet fast geschlossen mitklatscht und damit fast willkürlich beliebige Momente zu Gänsehautmomenten macht. Den stärksten solchen haben sich AMORPHIS natürlich auch heute als krönenden Abschluss aufgehoben: Den „Eclipse“-Überhit „House Of Sleep“, bei welchem die Finnen dem Publikum nochmal massig Gelegenheiten zum Mitsingen bieten, ehe auch diese zweite Headlinershow des Abends im aufbrandenen Jubel der rund 1.400 Fans ihr Ende findet.

Setlist AMORPHIS

  1. The Bee
  2. The Golden Elk
  3. Sky Is Mine
  4. Sacrifice
  5. Message In The Amber
  6. Silver Bride
  7. Bad Blood
  8. Wrong Direction
  9. Daughter Of Hate
  10. Heart Of The Giant
  11. Hopeless Days
  12. Black Winter Day
  13. Death Of A King
  14. House Of Sleep


Vier Bands abzufeiern ist immer auch eine Herausforderung – das Münchner Publikum ist ihr heute gewachsen: Von NAILED TO OBSCURITY bis AMORPHIS kann sich heute wahrlich keine Band über mangelnden Zuspruch beklagen. Im Gegenzug bekommen die Zuschauer vier Shows geboten, die zumindest bei Fans der jeweiligen Bands kaum Wünsche offen lassen dürften. Doch egal, wie man zum Vorprogramm steht: spätestens AMORPHIS machen aus einem guten einen herausragenden Konzertabend – einmal mehr, möchte man sagen: Nichts anderes war von den stets überzeugenden Finnen schließlich zu erwarten.

Konzertfotos: Amorphis w/ Soilwork, Jinjer, Nailed To Obscurity

7 Kommentare zu “Amorphis w/ Soilwork, Jinjer, Nailed To Obscurity”

    1. Moritz Grütz Post Author

      Da hast du recht. Im Vorspann wusste ich es noch, im Bericht hatte ichs dann schon wieder nicht mehr auf dem Schirm. Danke, ist korrigiert!

  1. Olaf

    Ich habe die Show ein paar Tage vorher in Hellraiser erlebt. Im Großen und Ganzen gehen ich mit der Bericht konform.
    NAILED TO OBSCURITY hatten es etwas schwer, als Anfangsband, mit ihrem Sound die Leute auf Temperatur zu bringen; mir habe sie sehr gut gefallen.
    JINJER leben von ihrer Frontfrau (der Vergleich mit Alissa passt), aber die Musik war mir zu eintönig.
    Als langjähriger AMORPHIS – Fan muss ich leider sagen, das war mein schlechtestes Amorphis Konzert. Tomi war stimmlich nicht sicher und bei dem neuen Material waren ein paar offensichtliche Patzer dabei.
    Nicht zustaimmen kann ich bei SOILWORK . Die haben die Halle gerockt, auch durch eine gute Björn Strid Performance, nix Routine. Soilwork waren meine Highlight an diesem Abend.

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