Interview mit Esa Holopainen von Amorphis

Es gibt Bands, die ewig aktiv sind, ohne wirklich einflussreich oder innovativ zu sein. Es gibt Bands, deren Innovationskraft nur von ihrer Kurzlebigkeit übertroffen wird. Und dann gibt es AMORPHIS, die mit ihrer Musik Unmengen an junger Bands inspiriert haben und keine geringe Aktie an der Entstehung des Pagan-Folk-Metal halten. Darüber, aber auch über das aktuelle Album „Circle“ und weitere Themen sprach Gründungsmitgleid und Gitarrist Esa Holopainen vor dem Konzert der Band in Dresden.

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Euer aktuelles Album „Circle“ ist nun schon eine Weile draußen, wie waren wurde es von den Fans und den Medien aufgenommen?
Sehr gut, denke ich. Keiner von uns hatte derart gute Reaktionen erwartet. Zudem haben wir sehr schöne Auszeichnungen erhalten, wie den Metal Hammer „Album Of The Year“ Award hier in Deutschland, was sehr schön war und für uns eine bemerkenswerte Angelegenheit. Was wir gemacht haben, scheint sich auszuzahlen. Aber ich denke, bei jedem Album versuchst du das Bestmögliche zu machen und dann muss man einfach sehen, wie die Fans darauf reagieren. Als wir das Album fertiggestellt haben, hatten wir insgesamt ein gutes Gefühl und waren sehr angetan von dem Album. Es war echt großartig… keine Ahnung, ob es bei den anderen Alben ganz anders war, aber hier kam die Härte wieder mehr in den Sound zurück und den Leuten scheint das zu gefallen.

_IGP3733Wenn du jetzt mit etwas zeitlichem Abstand auf das Album blickst, gibt es da für dich Dinge, die ihr hättet anders machen können oder sollen?
Ich glaube nicht. Ich bin echt sehr zufrieden mit den Liedern, dem Mix…ich bin total glücklich und würde nichts ändern. Obwohl wir eine ganze Menge Songs aufgenommen haben und uns dann entschieden, nur zehn auf das Album zu packen. Wir dachten, — und denken immer noch — dass es gut wäre das Ganze so kompakt wie möglich zu halten. Wir wollten keine Filler-Songs auf dem Album haben, keine Songs die man überspringt. Ich denke, es ist richtig gut geworden und bin sehr, sehr glücklich mit dem Album. Ich kann nicht sagen, dass es ein perfektes Album wäre, aber es ist ein sehr, sehr gutes AMORPHIS-Album – definitiv eines meiner Lieblingsalben, wenn ich auf die Geschichte von AMORPHIS zurückblicke. Außerdem halte ich es für ein gutes Zeichen, dass wir es genießen, die neuen Songs live zu spielen und wir sehen, wie die Leute darauf reagieren und sie mögen die neuen Songs offensichtlich auch. Manchmal ist es ja so, dass du auf Tour gehst und die Leute nur darauf warten, dass du die alten Songs spielst. Es ist also immer ein gutes Zeichen, wenn die Leute zu den neuen Songs abgehen.

„Circle“ ist euer erstes Album, das nicht von Marco Hietala produziert wurde. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Marco hat generell enger mit Tomi gearbeitet – sie haben Gesangslinien und Harmonien ausprobiert und Marco hat Tomi gecoacht. Diesmal waren Nightwish auf Tour, als wir anfingen zu arbeiten und wir dachten, dass es dadurch die richtige Zeit sei, in eine andere Richtung zu denken. Tatsächlich hat Tomi bei diesem Album hauptsächlich allein an den Gesangslinien gearbeitet. Aber was wir unbedingt wollten, war ein Produzent, jemand der den ganzen Aufnahmeprozess leitet. Denn viele der Jungs haben Studios und wir haben oft sehr unabhängig voneinander gearbeitet und ich denke nicht, dass das immer die beste Lösung ist. Denn dann denkt jeder, er wisse, was das Beste ist, tut er aber eigentlich nicht. Man braucht einfach Ohren von einem Außenstehenden. Also sprachen wir über verschiedene Produzenten und die generelle Idee, einen Produzenten zu haben. Peters Name tauchte auf, wohl hauptsächlich weil wir früher schon mit ihm darüber gesprochen hatten, dass es schön wäre, zusammen zu arbeiten. Wir sind schon lange Freunde und haben auch mit Hypocrisy in der Vergangenheit viel getourt. Tja, Peter hatte Zeit und war begeistert von der Idee.

Und wie war die Arbeit mit ihm?
Sehr gut. Ich war ein wenig ängstlich, denn er sagte, dass er die Songs nicht vorher hören wolle. Ich wollte ihm die ganzen Demos schicken und er wollte das nicht. Er meinte, er wolle nichts davon hören, damit er sich nicht an die Songs gewöhnt, so wie sie auf den Demos sind. Das war vielleicht eine gute Idee, denn als er die Songs das erste Mal hörte, hatte er einen ersten Eindruck und dadurch total intuitive Ideen für einige der Tracks. Obwohl er nichts umarrangiert hat. Alle Songs sind wie sie waren, als wir ins Studio gingen. Aber soundtechnisch hat er viele gute Ideen eingebracht, nichts Besonderes, aber Dinge, die wir einfach mal probieren wollten – Fünfsaitiger-Bass, mehr tiefergestimmten Bass, mehr Old-School-Gitarren und einfach einen basslastigeren Sound. Ich denke, was er definitiv eingebracht hat, ist die Heaviness des Albums.

Amorphis 2013 Photo By Terhi Ylimäinen

Eine weitere Veränderung gab es im lyrischen Bereich. Ihr habt das erste Mal nicht die Kalevala als Inspirationsquelle genutzt. Gab es dafür einen bestimmten Grund? Was habt ihr stattdessen genutzt?
Wir haben jemand von außerhalb, der die Texte schreibt – Pekka Kainulainen. Er hat die letzten vier Alben, glaube ich, für uns geschrieben. Er ist ein guter Freund von Tomi und ist so eine Art Performance-Künstler, der wirkliche Hingabe zu der alten finnischen Mythologie an den Tag legt. Er ist eine sehr schamanistische Person. Wir dachten, dass es diesmal nett wäre, etwas aus seinem Kopf zu haben, denn er kann im gleichen Stil schreiben, in dem die alten Kalevala-Geschichten verfasst sind. Wir wollten etwas aus seiner Feder, aber trotzdem den gleichen Stil beibehalten. Er hatte einige Ideen und schlug diese Geschichte über das Schicksal eines Menschen vor, der einfach die falschen Karten im Leben zugeteilt bekommen hat und aus alten Karten und alten Überzeugungen seine innere Stärke findet. Es ist tatsächlich eine Geschichte, die auch die Welt der Kalevala reflektiert. Daher waren wir sehr angetan von der Idee. Wir wollten nicht unbedingt das Kalevala-Image loswerden, aber wir wollten etwas leicht anderes haben — sowohl für die Texte als auch für das Artwork.

Habt ihr auch mal erwogen, jemand aus der Band die Texte schreiben zu lassen?
Nicht wirklich. Ich meine, wir könnten selbst Texte schreiben, aber die Lyrics sind für uns ein wirklich wichtiger Teil des Gesamtbildes. Daher muss etwas geschrieben werde, das Bedeutung hat und unsere Musik reflektiert und alles muss sehr ordentlich und tiefgründig gemacht werden. Deshalb haben wir Pekka, denn er zeigt wirkliche Hingabe für seine Aufgabe. Wir haben auch eine DVD-Version des Albums, die eine Doku beinhaltet — Making-Of „Circle“. Da gibt es einen Teil, einen Clip, der dort gefilmt wurde, wo Pekka wohnt. Er lebt mitten im Wald, ein echt verwunschener Ort. Aber da bekommt man eine gute Idee, worum es bei ihm geht und warum wir mit ihm arbeiten.

amorphis - circlesDu hast das Artwork schon angesprochen, wer hat es geschaffen?
Diesmal war es ein britischer Künstler namens Tom Baits. Vorher haben wir mit Travis Smith gearbeitet. Aber wir wollten eben auch für das Artwork eine andere Perspektive. Ich habe Andi, unserem A&R bei Nuclear Blast, eine Mail geschickt und gefragt, ob er jemanden im Hinterkopf hätte, der zu AMORPHIS passen würde. Wir wollten keine Fantasy-Art oder so etwas. Er schlug einige Leute vor und wir mochten, was Tom tat. Er zeichnet in diesem sehr alten Stil, der an alte Postkarten erinnert. Also schickten wir ihm eine Mail und fragten, was er von der Idee hielt und was wir gern auf dem Album hätten. Er macht einige Zeichnungen, die sehr schön waren und deshalb haben wir mit ihm weitergemacht. Er hat einfach direkt verstanden, was wir mit dem Album ausdrücken wollten.

Habt ihr ihm spezielle Instruktionen gegeben, was ihr auf dem Cover sehen wollten oder nur ein paar Details?
Ein paar Details, die wir gern einbeziehen wollten. Tomi hatte die Idee, dass wir unbedingt einen androgynen Schamanen auf dem Cover haben wollten, aber Tom wollte eine androgene Person draufpacken, denn er fürchtetet, dass Leute einen falschen Eindruck seiner Kunst bekommen könnten, wenn sie versuchen, herauszufinden, ob das nun ein Mann oder eine Frau ist. Also entschieden wir, dass er einen weiblichen Schamanen machen sollte. Dazu einige symbolische Sachen wie Totenköpfe und dem Mond im Hintergrund. Das waren so die Ideen, die wir auf dem Cover haben wollten.

Der Titel „Circle“ impliziert, dass etwas zurück zu seinem Ursprung kommt. Ihr habt auf dem Album allerdings einige Dinge ganz anders gemacht, als sonst – wie kamt ihr gerade auf diesen Titel?
Er reflektiert das Thema des Albums gut. Es geht um eine Person, die im Kreis läuft und er kommt zu einem Kreis, um seine innere Stärke zu finden. Der Titel spiegelt die Texte wider.

Wo siehst du Unterschiede zwischen „Circle“ und seinem Vorgänger?
Für uns ist es einfach etwas Frisches. Ich denke da an das große Bild, nicht nur das Album, sondern auch alles, was sich drum herum abspielt. Wir hatten eine wunderbare Zeit zusammen, wir gingen gemeinsam als Band ins Studio und wohnten da gemeinsam als Band. Wenn du das Album hörst, ist es ein frisches AMORPHIS-Album, vielleicht ein bisschen gitarrenlastiger.

Wie läuft das Songwriting bei AMORPHIS? Bringt jeder Idee bzw. fertige Songs mit oder entsteht alles gemeinsam im Probenraum?
Wir schrieben zu Hause, jeder schreibt. Jeder will schreiben und Ideen einbringen. Also schrieben wir daheim und schickten uns gegenseitig mp3s. Dann probieren wir die Sachen im Probenraum und wenn etwas nicht funktioniert, wird es nicht weiterverfolgt. Aber normalerweise bringt jeder etwas mit und wir probieren es.

Hat sich dieser Ansatz über die Jahre eurer Aktivität verändert?
Definitiv! Als wir anfingen, war das komplett anders, denn die ersten Aufnahmen haben wir noch mit einer beschissenen Kassette gemacht. Damals haben wir einfach nur Riffs geschrieben. Ich erinnere mich an die ersten drei Alben, die wir so gemacht haben. Jeder hatte andere Riffs und die haben wir dann gemeinsam im Probenraum gespielt und ausprobiert. Es war definitiv ein kooperativeres Arbeiten damals, denn es gab keine Computer. Man musste einfach zur Probe kommen und alles physisch ausprobieren. Das hat sich also auf jeden Fall verändert. Aber unser Gitarrist Tomi und Schlagzeuger Jan proben immer noch viel gemeinsam und unser Bassist kommt da vor den Aufnahmen oft dazu, einfach um ein paar rhythmische Sachen auszuprobieren. Ich spiele gern mit den Melodien herum, bevor wir ins Studio gehen, einfach um die perfekte zu finden.

Amorphis 2013 Photo By Terhi Ylimäinen
2010 habt ihr die „Magic & Mayhem“-Compilation veröffentlicht. War das etwas, was ihr gern wolltet oder eine Labelentscheidung?
Das Label wollte eine Compilation veröffentlichen. Das war für uns keine Herausforderung, einfach alte Songs zusammenzustellen und nochmals zu veröffentlichen. Also schlugen wir vor, die Compilation aufzunehmen und einige der alten Songs mit Tomis Gesang und dem gegenwärtigen Sound zu veröffentlichen. Dem Label gefiel die Idee und uns auch. Basierend auf diesem Album sind wir durch Finnland getourt und haben dabei fast alle ehemaligen Amorphis-Mitglieder auf die Bühne bekommen. Das war wirklich schön. Mir gefiel das Projekt sehr, auch wenn es nichts von den alten Alben ersetzen soll. Das ist auch nicht möglich, da jeder Song sein eigenes Feeling hat. Aber es war ein großer Spaß, das zu machen und wenn Leute eine Compilation unserer alten Songs kaufen, dann haben sie die alten Alben wahrscheinlich sowieso schon, also konnten wir ihnen trotzdem etwas Frisches anbieten.

Die Compilation hat nur die ersten drei Alben abgedeckt, sind da schon weitere dieser Projekte geplant?
Ich weiß nicht, keine unmögliche Idee, aber wer weiß? Es scheint so, dass momentan jeder irgendwelche Jubiläums-Sachen macht. Paradise Lost feiern gerade ihren 25. Geburtstag. Ich habe erste gestern unseren A&R getroffen und er meinte wir sollten zu unserem 25. Geburtstag definitiv etwas machen, vielleiht auch eher, keine Ahnung. Warum nicht? Aber wir wollen etwas Besonderes, nicht einfach nur eine Tour, auf der wir „Tales From The Thousand Lakes“ am Stück spielen oder so. Ich weiß nicht … oder wenn wir das machen, dann machen wir noch etwas Besonderes dazu … keine Ahnung.

Ihr habt einen enorm umfangreichen Backkatalog – gibt es Songs die du lieber anders oder gar nicht geschrieben hättest? Gibt es Lieder, auf die du besonders stolz bist?
Na klar … da gibt es die Lieder, die kaum gespielt werden oder die so ein bisschen verblasst sind, sind die … ich kann nicht sagen, dass ich wünschte sie nicht geschrieben zu haben. Aber es gibt natürlich auch Highlights, einige Klassiker, die wir immer noch spielen. Etwa „My Kantele“, „Into Hiding“, „Black Winter Day“. Obwohl wir „Black Winter Day“ schon tausende Mal gespielt haben, macht es immer noch Spaß, den Song zu spielen, wenn du siehst wie die Leute ihn genießen. Von dem „Elegy“-Album ist „My Kantele“ definitiv einer meiner Lieblingssongs. Dann aus dem Tomi-Ära der Band genieße ich das „Eclpise“-Album sehr, das war das erste Album mit Tomi. Das beinhaltet viele schöne Songs wie „Smoke“ und „Leave Scars“ und auch jede Menge gute Erinnerungen … „Skyforger“ aber auch, “Sky Is Mine“ und „Silver Bride“ … „House Of Sleep“ das sind Songs die immer einen guten Vibe geben, wenn man sie spielt.

AMORPHIS als Band hat einen sehr individuellen Style, der sofort identifizierbar ist. Habt ihr manchmal Angst, dass ihr euch wiederholten könnten, wenn ihr neues Material schreibt?
Ja, das ist schon etwas, worüber man nachdenkt. Normalerweise denkst du nicht, während du schreibst. Ich lasse auch keine Ideen unter den Tisch fallen, weil sie etwas anderem zu ähnlich sein könnten. Denn wenn du anfängst zu schreiben, denkst du wirklich, dass es ein komplett neues Projekt ist. Natürlich hat jeder seine eigene Art, ich habe meine eigene Art Musik zu schreiben und wir haben unsere eigene Art Musik zu spielen also ist es klar, dass – besonders mit diesem Line Up – der Sound sehr ähnlich und leicht zu erkennen ist. Aber ich halte das für ein gutes Zeichen, denn ich kann mich daran erinnern, dass wir Zeiten in der Band hatten, nach „Elegy“, als unser Sound sicher recht radikal veränderte und wir viele verschiedene Elemente ausprobierten. Dann sagen die Leute, dass es zu verschieden ist, weißt du? Damals habe ich mir immer gewünscht, eine stabile Band zu haben, denn wir hatten eine Menge Wechsle im Line Up. Ich träumte von einer Band mit stabilem Line Up und einem wiedererkennbaren Sound, ein Sound, bei dem Leute sofort erkennen, dass das AMOPRHIS ist. Das haben wir jetzt, glaube ich.

Wenn man mit jungen Bands spricht, fragt man sie immer nach ihren Einflüssen. Da ihr ja nun keine junge Band mehr seid würde ich gern wissen, ob ihr euch des immensen Einflusses, den ihr auf junge Bands habt bewusst seid. Setzt einen so etwas unter Druck?
Ich denke als dieses ganze Folk-Metal-Ding in Finnland anfing, gab es eine Menge Bands wie Finntroll, Ensiferum und Moonsorrow, die jünger sind als wir und AMORPHIS als für sie einflussreiche Band nannten – Korpiklaani auch. Das fühlt sich natürlich großartig an und so weißt du auch, dass du etwas richtig gemacht hast – es gibt Menschen die deine Arbeit schätzen und von dir inspiriert werden, das ist wohl eines der besten Komplimente, die du als Künstler bekommen kannst. Aber wir sind da nicht fixiert, wir hören eine Menge altes Zeug wie Jethro Tull und Black Sabbath und Slayer und Metallica und Iron Maiden, all diese Bands, die wir im Tourbus hören, während wir Bier trinken. Aber wir mögen es auch neue Bands abzuchecken und es ist großartig, eine junge Band wie Starkill auf dieser Tour als Opener zu haben. Du siehst dich selbst, wie du in ihrem Alter warst – hart arbeitend und voller Hingabe, die Energie, wenn alles neu ist. Aber für uns ist Touren natürlich auch nicht langweilig, es ist großartig! Ich denke je älter du wirst, umso familiärer werden die Orte. Du warst schon einmal da, du weißt, was dich erwartet und das ist toll, denn du kannst es einfach genießen.

amorphis1Vermutlich werdet ihr das oft gefragt, aber was steckt hinter Tomis Mikro? Ist das einfach ein cooles Gimmick oder hat das Teil besondere Funktionen?
Es fing mit einer kleinen Modifikation an. Er hat einen Freund, der Schmied ist und Tommy mochte den Armee-Industrial-Stil. Er wollte auch etwas besoderes, denn Gitarristen beispielsweise haben immer irgendwelchen Quatsch und zusätzliches Gear und er wollte einfach etwas visuelles für sein Mikro. Es fing mit seinem vorherigen Mikro an und nun haben wir dieses richtig industriell anmutende Ding mit dem Mikro und dem Ständer. Aber letztlich ist es nur eine visuelle Geschichte, da kommen keine Laser raus oder so. Ich glaube, er hat Audix-Capsule da drin. Einfach ein normales Mikro, dass modifiziert wurde um attraktiver auszusehen. Aber das ist schön, ich mag es sehr, dass er dem so viel Aufmerksamkeit zukommen lässt. Es sieht auch einfach besser aus, also so ein blödes Schnurlos-Mikro.

Lass mich dich etwas zur Tour fragen: Wer hat sie zusammengestellt?
Unsere Agentur in Deutschland, Continental. Wir suchten nach verschiedenen Optionen und als die Tour abschließend bestätigt wurde waren wir gerade in Australien und China. Starkill ist eine Century-Media-Band und die wollten die Band wirklich pushen und sie auf dieser Tour haben. Also haben sie uns gefragt und wir dachten: warum nicht?

Habt ihr mal daran gedacht mehrere und bekanntere Bands mitzubringen?
Wir haben darüber schon gesprochen, aber von der Zeit und der Planung her war es nahezu unmöglich, etwas Sinnvolles auf die Beine zu stellen. Wir haben ja schon über die aktuelle Paradise-Lost-Tour gesprochen, die haben ja Katatonia und Lacuna Coil dabei – ein sehr, sehr starkes Paket. Da gibt es gute und schlechte Seiten: Wenn du mehrere Bands hast, wird das ganze Touren und die tägliche Routine chaotischer … es sein denn, das ist alles sehr gut organisiert. Mit zwei Bands dagegen ist das ganz einfach. Für die Crew ist es so glaube ich am besten. Wir mögen es so zu touren, auf unsere eigene Show zu fokussieren und ein langes Set spielen zu können. Die Leute langweilen sich nicht so schnell wie wenn sie schon ein paar Bands gesehen haben.

Wie entscheidet ihr, welche Songs ihr spielt? Spielt ihr jeden Abend die gleiche Setlist?
Wir variieren, im Moment aber nur einen Song. Je mehr Alben du veröffentlichst, umso schwerer wird es die Setlist zusammenzustellen. Es gibt einige offensichtliche Tracks, die wir ins Set einbauen und dann kommen welche hinzu, die wir eine Weile nicht gespielt haben und wir versuchen natürlich das neue Album einfließen zu lassen. Es wird immer schwieriger, aber wenn du einmal ein funktionierendes Set gefunden hast, ist es großartig, dieses zu spielen. Nach den Sommerfestivals haben wir unsere ersten Shows mit dem neuen Album gespielt und da haben wir versucht das richtige Set zu finden. Es braucht ein wenig Zeit, bevor du rausfindest, welcher Song wann passt. Mittlerweile haben wir so viele Shows gespielt, dass ich überzeugt bin, dass es ein gutes Set ist.

Wie verbringt ihr die Zeit zwischen der Ankunft an der Location und dem Beginn der Show, oder auch die Zeit im Tourbus?
Ich versuche die Tour-Langeweile zu vermeiden, indem ich mir Orte ansehe. Heute zum Beispiel sind wir mit ein paar Leuten losgezogen um uns Dresden anzusehen – sehr schön. Wir haben einfach ein paar Stunden damit zugebracht, uns Bauwerke anzusehen. Das ist immer das Beste, wenn du tatsächlich raus kannst. Manchmal bist du in einem Industriegebiet, wo es absolut nichts gibt, also musst du dir was einfallen lassen. E-Mails checken, bla, bla, bla… Ich versuche, nicht zu lange zu schlafen, denn dann ist dein Biorhythmus komplett durcheinander und du bist die ganze Nacht während der Fahrt wach … das ist nicht gut.

Amorphis 2013 Photo By Terhi YlimäinenWenn du AMORPHIS jetzt und ca. 1993 vergleichen solltest, was ist gleich geblieben, was hat sich geändert?
Wir sind älter geworden. Was hat sich verändert? Ich denke, alles ist fokussierter, professioneller heutzutage. Damals wussten wir überhaupt nicht, was passieren würde. Ich denke, wir wissen jetzt einfach wie das Ganze funktioniert und das ist gut, denn du weißt, was dich erwartet und nach 20 Jahren hast du verlässliche Leute gefunden, mit denen du arbeitest. Und so wollen wir es mit AMORPHIS auch beibehalten, dass du Leute hast, denen du vertraust. Wir haben eine stabile Agentur, Management und Label, womit wir total zufrieden sind. In der Vergangenheit war das echt abenteuerlich. Da hast du mit Leuten gearbeitet, die die auf der nächsten Tour vielleicht nicht mehr gesehen hast und du warst nur auf der Suche nach Leuten.

Alles klar. Zum Abschluss würde ich gern noch das traditionelle Metal1-Brainstorming mit dir machen:

Black Metal: Immortal
Deutsches Bier: Ah…mir fällt nur da finnische Wort ein…es ist sehr…raskasta (fin.: stark, schwer)
Napalm Death: Pioniere
Politiker: Idioten
Richard Wagner: großartiger Komponist