CD-Review: Anarkhon - Phantasmagorical Personification Of The Death Temple

Besetzung

Aron Romero – Gesang, Gitarre
Kleber Hastur – Gitarre
Jean Raimi – Bass
W. Backer – Schlagzeug

Tracklist

01. Dimensional Incantation
02. Far Beyond Blood & Death
03. Assuming The Grotesque Form Of The Nightmare
04. Ancient Tomb
05. Phantasmagorical Personification Of The Death Temple
06. Asymmetrical Chaos Spitting Stellar Graves
07. Poisoning The Air With Abysmal Presences


„Into The Autopsy“, „Welcome To The Gore Show“ – subtil waren ANARKHON bei der Namensgebung ihrer Veröffentlichungen bislang definitiv nicht. Wie sich an ihrer blutrünstigen Wortwahl unschwer erkennen lässt, haben die Brasilianer auf ihren ersten drei Alben brutalen Death Metal der alten Schule gespielt. Dass das Quartett auf seiner vierten LP einen signifikanten Stilbruch wagt, bemerkt man demnach schon am überraschend sperrigen Titel: „Phantasmagorical Personification Of The Death Temple“. Das trashige Splatter-Image von früher haben ANARKHON zugunsten einer Cosmic-Horror-Ästhetik abgelegt, was wohl mit ein Grund dafür ist, dass das eher an Black Metal interessierte Label Debemur Morti Productions sich der Band angenommen und der 2020 in Eigenregie veröffentlichten Platte einen Re-Release verpasst hat.

Der Wandel, dem ANARKHON sich selbst unterzogen haben, ist keineswegs bloß optischer Natur. Dass ihre neuen Songs, die ominöse Bezeichnungen wie „Assuming The Grotesque Form Of The Nightmare“ oder „Asymmetrical Chaos Spitting Stellar Grave“ tragen, sich um etwas Furchterregenderes als stumpfe Gewaltausübung drehen, hört man ihnen deutlich an. Der Bereich, in den ANARKHON musikalisch vordringen, liegt jenseits des Materiellen – oder, um es mit einem ihrer Songtitel auszudrücken: „Far Beyond Blood & Death“.

Im Opener „Dimensional Incantation“ kündigen seltsam raunende Ritualgesänge ein namenloses Etwas an, das mit dem Einsetzen der Metal-Instrumentierung sein groteskes Antlitz zeigt. Monströse Growls, die keinerlei Umrisse zu haben scheinen, hallende Gitarrenriffs, schwärzer als das totenstille All, und Drumming, das man selbst während der Blast-Beat-Passagen unter einer unsagbar schweren Last ächzen zu hören meint – das Klangbild, das die Südamerikaner mit diesen Stilmitteln kreieren, ist überwältigend.

Umso größer ist jedoch die Enttäuschung, die sich im Zuge der knapp 40 Minuten langen Platte nach und nach einstellt. An spielerischem und kompositorischem Fingerspitzengefühl haben ANARKHON seit dem Vorgängeralbum leider nicht zugelegt. Oft erscheinen die Übergänge zwischen Songteilen und die abrupten Auflösungen der Tracks völlig willkürlich und nach einer Weile klingt das Schlagzeug nicht mehr nach einer sich fortbewegenden Wesenheit planetarischen Ausmaßes, sondern schlichtweg behäbig. Die wuchtige, schemenhafte Produktion hebt zwar den außerweltlichen Charakter der Musik hervor, lässt aber ebenfalls an Ausgewogenheit und Feinschliff vermissen.

ANARKHON haben auf „Phantasmagorical Personification Of The Death Temple“ ein Monstrum von übernatürlicher Abscheulichkeit beschworen. Wie Mystiker aus alten Sagen, die im Spiel mit Kräften jenseits menschlicher Kontrolle ihrer eigenen Überheblichkeit zum Opfer fallen, scheitern die Brasilianer jedoch an der Umsetzung ihres atmosphärischen Death-Metal-Sounds. Um in gleichem Maße faszinierende Klangwelten wie etwa ihre Labelkollegen Ulcerate erschaffen zu können, werden ANARKHON sich noch um einiges weiter über das holprige Wesen ihres früheren Stils erheben müssen. „Phantasmagorical Personification Of The Death Temple“ ist für sich genommen somit eine Enttäuschung, die jedoch die Saat für Großes birgt.

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Bewertung: 5 / 10

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