Review Arcadea – The Exodus Of Gravity

Den Space Rock haben vor vielen Dekaden schon RUSH in glänzende Höhen getrieben. GENESIS prägten ungefähr zur selben Zeit das, was heute eine große Fanbase im Progressive Rock und Metal schätzt. Von beidem haben MASTODON profitiert. Die Band selbst nennt die Prog-Ikonen als wichtige Inspiration. Damit ließe sich auch der gedankliche Bogen schlagen, dass die beiden 70er-Legenden indirekt einen Impuls für die Gründung von ARCADEA gaben.

Moment, wer? ARCADEA ist eine Synth-Rock-Band aus Atlanta, Georgia. Am Gesang und Schlagzeug gibt sich niemand Geringeres als Brann Dailor (MASTODON) die Ehre. An seiner Seite steht sein langjähriger Freund Core Atoms, mit dem er auch in der Progressive-Rock-Band GAYLORD musiziert. Neu im Line-up ist João Nogueira an den Synthesizern. Mit dieser Besetzung hat die Band jüngst ihr neues Album „The Exodus Of Gravity“ veröffentlicht.

Im Gegensatz zum selbstbetitelten Erstlingswerk „Arcadea“, das in Sachen Progressivität noch deutlich näher an MASTODON erinnerte, setzt „The Exodus Of Gravity“ auf beatgetriebene Tanzmusik. So startet „Dark Star“ mit flirrenden Synth-Arrangements, die von variablen wie treibenden Drums getragen werden. „Exodus Of Gravity“ erinnert anschließend durch die geschichteten Vocals ein wenig an die Schweden von PRIEST. Der eingängige Refrain und ein kurzes Lead-Intermezzo bei den Keyboards runden das Stück überzeugend ab.

„Fuzzy Planet“ bringt dann die Idee futuristischer Maschinenmusik bestens auf den Punkt und steht damit irgendwo zwischen ALPHAVILLE, den PET SHOP BOYS und MOBY. Der markante Gesang und das tighte Schlagzeugspiel sorgen dafür, dass man um diese schmissige Synth-Rock-Nummer kaum ohne ein Zucken in der Hüfte herumkommt. Als Kontrast dazu klingt „Lake Of Rust“ mit seiner düsteren Atmosphäre ein wenig nach NORTHERN LITE – jedoch in opulenterem Gewand.

Zwei Songs, auf die man noch eingehen muss, sind „Galactic Lighthouse“ und der Albumcloser „Planet Pounder“. Ersterer bringt einen echten Rock-Drive ins Spiel, während sich die verschiedenen Synth-Layer mit unerbittlichem Groove verbinden. „Galactic Lighthouse“ zeigt sich aber nicht nur eingängig, sondern weiß sich mit einem extravaganten Keyboard-Solo auch nachhaltig in Szene zu setzen. „Planet Pounder“ beendet die fulminante Reise schließlich mit einer geradlinigen Verschmelzung aus omnipräsenter Electro-Frickelei und dezenten Riffs auf fast cineastisch Weise.

Allerdings hat „The Exodus Of Gravity“ auch zwei kleine Haken: Zum einen kommt die Rock-Komponente auf dem zweiten Album von ARCADEA deutlich zu kurz – die Synthie-Arrangements sind oft übertrieben dominant, was wirkliche „Rock-Vibes“ in den Hintergrund drängt. Auch die vielen Instrumente auf „The Exodus Of Gravity“, zum Beispiel Moog-Synthesizer, Toy Piano und Mellotron, verschwimmen in der Menge an Synth-Layern. Zum anderen kann man sich hier und da am etwas druckarmen Sound stören. Zwar hat die in den Proberäumen von MASTODON entstandene Produktion einen sehr organischen Charakter, doch ein Quäntchen mehr Wucht hätte der Genre-Kombination gutgetan. Wer diese kleinen Stolpersteine jedoch verschmerzen kann, den erwartet mit „The Exodus Of Gravity“ eine fantastische Reise durch retrospektive wie futuristische Klangwelten.

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Wertung: 8.5 / 10

Philipp Sorger

Publiziert am von

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