CD-Review: Architects - All Our Gods Have Abandoned Us

Besetzung

Sam Carter - Gesang
Tom Searle - Gitarre, Keyboard
Adam Christianson - Gitarre
Alex Dean - Bass
Dan Searle - Schlagzeug, Programming

Sessionmusiker:
Linda Seare – Violine
Rebecca Bill – Violine
Jennifer Allen – Violine
Michael Rollins – Bratsche
Sara Cerrato – Cello
Elizabeth Clarke – Cello
Elizabeth Shill – Waldhorn
Tom Francis – Bassposaune

Tracklist

01. Nihilist
02. Deathwish
03. Phantom Fear
04. Downfall
05. Gone With The Wind
06. The Empty Hourglass
07. A Match Made In Heaven
08. Gravity
09. All Love Is Lost
10. From The Wilderness
11. Memento Mori


Mit sieben Alben in einem Zeitraum von zehn Jahren dürften ARCHITECTS zu den fleißigeren Vertretern im Metal gehören. Wer die Band kennt, weiß aber, dass diese kurzen Zeitspannen zwischen den Alben definitiv nicht einem möglicherweise simplen Songwriting geschuldet sind. Bei ihren vergangenen Alben bewiesen ARCHITECTS immer wieder, dass sie zu den musikalisch anspruchsvolleren Bands dieses Genres gehören und waren in ihrem Sound für viele sogar wegweisend. Mit „All Our Gods Have Abandoned Us“ legen sie nun ihr neues Werk vor und deuten mit diesem recht aussagekräftigen Titel die Fortführung ihres bisherigen Kurses an.

Tatsächlich hat sich in der grundsätzlichen Vorgehensweise auf „All Our Gods Have Abandoned Us“ im Vergleich zum viel gefeierten Vorgänger „Lost Forever // Lost Together“ nicht viel geändert. Der konzeptionelle Fokus der ARCHITECTS liegt noch immer auf technischem, kreativem, wiedererkennbarem und atmosphärischem Metalcore mit gesellschaftsbezogenen, politischen Texten, die wie immer irgendwo zwischen resigniert-jammrig und wütend-rotzig von Sänger Sam Carter vorgetragen werden. Worin sich ihr neues Werk allerdings unterscheidet, sind die fast durchgehenden Ambientspuren, welche die Songs gerade in den ruhigeren Passagen untermalen und der Atmosphäre eine weitaus tragischere, hoffnungslosere Komponente als der der Vorgängerwerke verleihen. Über die Länge des gesamten 46-minütigen Albums gesehen mag dieser Kniff zwar zunächst etwas zu billig wirken, tatsächlich aber bleibt die Wirkung gerade durch den sehr subtilen, gezielten Einsatz dieser Klänge durchgehend erhalten und damit eine Bereicherung.
Davon abgesehen haben ARCHITECTS die Ohrwurmtauglichkeit ihrer Songs im Vergleich zum Vorgänger, der ja doch zumindest in den Refrains richtige Mitsingpassagen bot, noch mal deutlich zurückgefahren. Zwar gibt es auch hier ein paar wenige Songs wie „Deathwish“ oder „A Match Made In Heaven“, die sich relativ schnell in den Gehörgängen einnisten dürften, doch davon abgesehen sind die Songs auf „All Our Gods Have Abandoned Us“ deutlich komplexer und schwerer zugänglich. Das führt dazu, dass die Platte zum Zünden sicherlich ein paar Durchläufe mehr braucht, sobald sie das tut in ihrer Vielschichtigkeit aber noch gelungener wirkt.

Thematisch geht es auch bei „All Our Gods Have Abandoned Us“ wieder um die Verfehlungen der Menschheit und die Enttäuschung darüber, dass diese sie nicht einsieht und daran arbeitet. Gutmenschentum und nervige Weltverbesserer-Attitüde mögen die einen da genervt entgegnen, jedoch lässt sich nicht leugnen, dass ARCHITECTS damit dennoch gezielt den Nerv der Zeit treffen und unangenehm den Finger in die Wunde stecken und darin herumbohren. Ob man Carters gewöhnungsbedürftigen Gesang nun mag oder nicht – er schafft es jedenfalls sehr direkt und ehrlich die Verbitterung über den düsteren Zustand, in dem sich die Welt aktuell befindet sowie die Machtlosigkeit des Einzelnen, dies ohne den Zusammenhalt der Menschen um ihn herum zu ändern, zum Ausdruck zu bringen.
Ansonsten ist die Platte musikalisch wieder ähnlich abwechslungsreich wie ihre Werke zuvor geworden. Von ruhigeren Songs wie „All Love Is Lost“ und brutalen Brettern wie dem grandiosen Opener „Nihilist“ über komplexe Konstrukte wie „The Empty Hourglass“ und straighte Reißer wie „Gravity“ ist wieder alles aus dem typischen ARCHITECTS-Repertoire dabei. Zwar vermag nicht ausnahmslos jeder Song zu zünden, jedoch zeigt die Truppe dabei erneut eindrucksvoll, dass sie mit ihrem eigenständigen, kreativen Riffing unter den zahllosen Bands im Einheitsbrei des Metalcore eine echte Ausnahme sind.
Ein wahres Highlight gibt es dann noch zum Schluss, wenn sich das hochatmosphärische „Memento Mori“ zunächst schleppend, ruhig und trist über fast sechs Minuten zieht und sich dann zum Ticken einer Uhr (ein Wink mit dem Zaunpfahl) zu einem gewaltigen Blastbeat-Ungetüm aufbläht, das im großen Gänsehaut-Finale noch einmal all die Aggression und Verzweiflung auf den Hörer niederprasseln lässt. Einen grandioseren Abschluss hätten die fünf Engländer für ihre neue Scheibe kaum wählen können.

ARCHITECTS haben weder sich noch den Metalcore mit ihrem neuen Werk neu erfunden. Der weiter ausgebaute Einsatz von Ambientklängen und das Zurückfahren von Ohrwurmpotential verleihen dem Album dennoch eine eigene Note und drastischere Wirkung als je zuvor und auch in ihren Riffs und dem anspruchsvollen Songwriting zeigen sie wieder einmal, warum sie aktuell die wohl wichtigste Band im Metalcore sind. „All Our Gods Have Abandoned Us“ ist ein sehr empfehlenswertes Album für all jene geworden, die im Metalcore raue Emotion und Relevanz vermissen. Wer außerdem schon das Vorgängerwerk „Lost Together // Lost Forever“ schätzte, wird auch von diesem Album beeindruckt sein.

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Bewertung: 8 / 10

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1 Kommentar zu “Architects – All Our Gods Have Abandoned Us”

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