Author & Punisher Krüller Artwork

Review Author & Punisher – Krüller

Der Reiz von AUTHOR & PUNISHERs Industrial-Doom liegt nicht nur in der akustischen Komponente, sondern auch in der Art und Weise, wie Multitalent Tristan Shone seine Klänge generiert: Der US-Amerikaner nutzt statt konventioneller MIDI-Controller wie Keyboards oder Pads zumeist selbst konstruierte und gebaute, eher martialisch anmutende Maschinen aus gefrästem Aluminium, was seine Live-Performances zu einzigartigen Veranstaltungen macht, die sowohl Ohr als auch Auge ansprechen.

Sein neuer Longplayer „Krüller“ bietet einige spannende Neuerungen, ohne dass bekannte Trademarks wie die markanten Synth-Bass-Drone-Flächen oder die ultrafetten, elektronischen Drums auf der Strecke bleiben. So sind auf dem neunten AUTHOR-&-PUNISHER-Longplayer erstmalig E-Gitarren und echte Drums zu hören – letztere eingespielt von niemand Geringerem als Danny Carey, seines Zeichens Schlagzeuger von Tool. Dass Bandkollege Justin Chancellor Bassspuren für den Song „Centurion“ eingespielt hat, ist ein nettes Gimmick, fällt aber akustisch nicht weiter auf. Im Gegensatz dazu sind die Breakbeat-Drums des Elektronik-Künstlers Vytear im vorletzten Song „Blacksmith“ mehr als offensichtlich – und gegen Ende fast ein bisschen anstrengend.

Aber auch in Sachen Songwriting hat sich einiges getan: Auf „Krüller“ dominieren im Gegensatz zu früheren Werken erstmalig melodische Passagen – zumindest in Sachen Gesang hat Shone eine ganze Schippe draufgelegt, was der Atmosphäre äußerst zuträglich ist. Dass sich in der zweiten Albumhälfte mit „Glorybox“ von Portishead ein auf den ersten Blick ungewöhnliches Cover versteckt, passt im Gesamtkontext der Platte wie die Faust aufs Auge. Kleiner Wermutstropfen: Wirklich garstig wie auf „The Barge“, dem Opener des vorletzten Albums „Melk En Honing“ klingt AUTHOR & PUNISHER auf „Krüller“ dafür nicht mehr.

Das Fundament der neuen Songs von AUTHOR & PUNISHER bleibt allerdings die bereits erwähnte, nennen wir es mal „Rhythmusgruppe“, bestehend aus Bass und Drums. Obwohl man gerade bei den Bass-Synthesizeren nichts wirklich Neues hört, führt die ungewöhnliche Art, wie Shone seine virtuellen Instrumente triggert, zu spannenden Klangverläufen und Effekten, die man so noch nicht gehört hat (nicht ganz einfach zu erklären, Interessierte mögen sich das unten verlinkte Video anschauen). In Verbindung mit dem angezerrten, eben oftmals melodischen Gesang klingt „Krüller“ somit phasenweise wie Static-X auf 33 statt 78 (so schnell drehten sich in ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Shellac-Schallplatten) Umdrehungen pro Minute.

Tristan Shone alias AUTHOR & PUNISHER hat einen großen Sprung nach vorne gemacht: Das Album ist musikalisch spannend, durchaus abwechslungsreich und extrem atmosphärisch. Die gelungene, fette Produktion macht aus „Krüller“ quasi einen „Blade Runner“-Soundtrack auf Steroiden. Das Album ist alles andere als überpoliert oder gar poppig, trotzdem wäre es für die Zukunft wünschenswert, dass Shone nicht verlernt, ab und zu wieder etwas bissiger zu klingen. Das ist jedoch Meckern auf äußerst hohem Niveau, denn die Ohrwurmdichte ist auf „Krüller“ nicht zuletzt duch den melodischeren Gesang ausgesprochen hoch.

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Wertung: 9.5 / 10

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