CD-Review: Code Orange - Forever

Besetzung

Reba Myers – Gesang, Gitarre
Eric Balderose – Gesang, Gitarre
Joe Goldman – Bass
Jamie Morgan – Gesang, Schlagzeug

Tracklist

01. Forever
02. Kill The Creator
03. Real
04. Bleeding In The Blur
05. The Mud
06. The New Reality
07. Spy
08. Ugly
09. No One Is Untouchable
10. Hurt Goes On
11. dream2


„I have finally arrived. I have changed“ hieß es am Ende von „I Am King“, dem letzten Album von CODE ORANGE. Nach einigen EPs und Demos veröffentlichte die Band aus Pennsylvania 2012 mit einem Durchschnittsalter von 18 Jahren unter dem Namen Code Orange Kids ihr Debütalbum „Love To Love / Return To Dust“, nur um zwei Jahre später als CODE ORANGE das deutlich heftigere, an manchen Stellen noch nicht komplett stimmige, dennoch extrem beeindruckende „I Am King“ vorzulegen. Mit „Forever“ liefern CODE ORANGE Anfang 2017 nun ihren dritten Langspieler ab, auf dem die Band brutale Breakdowns, heftige Riffattacken, elektronische Elemente und antisoziale Shouts gemeinsam mit überraschenden Momenten zu einem explosiven Gemisch vermengt.

Im Verlauf der eröffnenden drei Minuten des Titeltracks suhlen sich CODE ORANGE zunächst mit aggressivem, tiefen Gebrüll in verschiedenen Tonlagen im doomigen Hardcore, preschen plötzlich nach vorne, um mittendrin von elektronischen Elementen und Reba Meyers verhalltem Gesang unterbrochen zu werden, bis die Nummer schließlich in einem heftigen Breakdown ihren Höhepunkt findet. Ähnlich rabiat gestalten sich auch die folgenden gut dreißig Minuten: Immer wieder unterbrechen CODE ORANGE ihre Songs abrupt, brechen die Rhythmik der Songs, streuen düstere, elektronische Industrialklänge ein, verstören mit Dissonanzen, ziehen das Tempo mit heftigen Riffwalzen an, nur um im nächsten Moment wieder in brutalen Breakdowngefilden zu wüten.

Dabei überraschen die vier Musiker auch mit unerwarteten, oft auch ruhigen Momenten: So kombinieren CODE ORANGE in „Bleeding In The Blur“ den 2000er-Emo-Klargesang von Reba Myers mit einem Indie-Schlagzeug und heftigen, doom-punkigen Gitarrenbrettern. Genauso wie das ähnliche konzipierte „Ugly“ zeigt dieser Song, wie eine Neufassung von Grunge im 21. Jahrhundert klingen müsste. Diese Kombination aus gleichzeitig abstoßenden und melodischen, aus eingängigen und verstörenden Momenten definiert „Forever“. So fasziniert „The Mud“ mit seiner Industrial-Hardcore-Ausrichtung, seinen Samples, seinen ruhigen Momenten und seiner komplett zerschossenen Struktur, während der elektronische Brocken „Hurt Goes On“ zwischenzeitlich an den Soundtrack zu Blade Runner erinnert, bevor CODE ORANGE gegen Ende noch in die Nine-Inch-Nails-Industrial-Ecke abbiegen. „dream 2“ schließt das Album versöhnlich, dennoch nicht beruhigend ab – zu eerie sind die in diesem sehr ruhigen Track genutzten Harmonien. Bezeichnend, dass der letzte Ton auf „Forever“ ein Störgeräusch ist.

Trotz der fragmentarischen, oft gewaltsam auseinandergerissenen Struktur einzelner Songs ist „Forever“ absolut stimmig, packt den Hörer, kaut ihn durch, schmeißt ihn blutig in den Moshpit hebt ihn kurz wieder hoch und tritt dann noch einmal nach. CODE ORANGE haben mit „Forever“ ihren ganz eigenen Sound gefunden, die stärksten Elemente der beiden Vorgänger übernommen und stimmig zu etwas Neuem weitergedacht. Das Ergebnis ist bereits zu Jahresanfang ein Kandidat für diverse Jahresbestenlisten und ein absolutes Highlight modernen Hardcores, dass sich nicht um Erwartungen oder Genreregeln schert.

Bewertung: 8.5 / 10

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