CD-Review: Coldworld - Autumn

Besetzung

G.B. – Gesang, alle Instrumente

Tracklist

01. Scars
02. Void
03. Womb Of Emptiness
04. Autumn Shades
05. The Wind And The Leaves
06. Climax Of Sorrow
07. Nightfall
08. Escape II


2008 erschien mit „Melancholie²“ das erste und bislang einzige Album des Erfurter Musikers Georg Börner unter dem Projektnamen COLDWORLD. Acht Jahre mussten seitdem vergehen – in der heutigen, schnelllebigen Zeit also eine halbe Ewigkeit – nun jedoch erfüllen sich die Hoffnungen all jener, die COLDWORLD bereits mit ihrem Debüt zu begeistern wussten: COLDWORLD ist mit einem neuen Album zurück. Sein Titel: „Autumn“.

„Autumn“, der Herbst – wenn man eine Metapher für „Melancholie“ suchen würde, wäre dieser Begriff wohl einer der ersten Gedanken. In der Tat: Die Grundstimmung des Albums könnte herbstlicher, melancholischer kaum sein. Schleppende Riffs („Void“), eingängige Melodieführungen („Nightfall“), derer man auch nach unzähligen Wiederholungen nicht überdrüssig wird, sowie nachdenkliche Arrangements aus Akkustikgitarre und Streichern („The Wind And The Leaves“) fügen sich zu einem vollkommen runden Bild dessen, was man sich unter „Depressive Black Metal“ vorstellt.

So sind es weniger einzelne Riffs oder Momente, die das Album auszeichnen – vielmehr beeindruckt der Fluss, die Schlüssigkeit und Kohärenz des Werkes als 52-minütige Einheit: Einmal in Fahrt gekommen, verbreitet „Autumn“ eine Atmosphäre, der man sich spätestens beim zweiten Durchlauf kaum mehr zu entziehen vermag. Denn wie schon „Melancholie²“ ist auch „Autumn“ gewollt einfach gehalten: Zum Grundgerüst aus für sich genommen eigentlich unspektakulärem und doch auf seine Art pathetischem Riffing gesellen sich eingängige Gesangs- und Streichermelodien, genretypisch gezogener Schreigesang sowie ein aufs Nötigste reduziertes, stringentes Drumming. Primitiv! mag da schreien, wer sich selbst keinen Song ohne Twist, Harmonie- oder Tempowechsel durchgehen lässt – Effizient! lautet die einzig richtige Antwort. Denn wo sich andere in komplexen Arrangements verkünsteln, gelingt es COLDWORLD mit solch scheinbar einfachen Mitteln, mitzureißen. Auch das ist hohe Kunst.

Abgerundet wird dieser Eindruck, den „Autumn“ hinterlässt, durch seinen rundum stimmigen Sound: Weiche Clean-Gitarren, ein milder, mittenlastiger Zerr-Sound und zurückhaltend gemixter Gesang, der dank langer Hallfahnen angenehm mit dem Gesamtbild verschmilzt – entspannender kann Black Metal kaum klingen.

Das Warten hat sich gelohnt: Mit „Autumn“ legt COLDWORLD ein zweites Album vor, das nicht nur den guten Ersteindruck von vor acht Jahren bestätigt, sondern durch seine einnehmende Atmosphäre weit darüber hinaus fasziniert. Während sich die Konkurrenz in Anbetracht der hier vertonten Kälte warm anziehen sollte, führt für Genreliebhaber an diesem Album kaum ein Weg vorbei.

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Bewertung: 9 / 10

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