CD-Review: Dark Tranquillity - Haven

Besetzung

Mikael Stanne – Gesang
Niklas Sundin - Gitarre
Michael Niklasson – Gitarre
Martin Henriksson - Bass
Anders Jivarp - Schlagzeug
Martin Brändström - Elektronik, Keyboards

Tracklist

01. The Wonders At Your Feet
02. Not Built To Last
03. Indifferent Suns
04. Feast Of Burden
05. Haven
06. The Same
07. Fabric
08. Ego Drama
09. Rundown
10. Emptier Still
11. At Loss For Words


Schon dass 99er Century Media Debüt „Projector“ stieß auf geteilte Meinungen der Öffentlichkeit. Während die Fachpresse und die einschlägigen Magazine Höchstwertungen dafür vergaben, konnten viele Fans kaum etwas mit den neuen Klängen Dark Tranquillity’s anfangen. Das Experiment war zu elektronisch, zu viele Wave-Einflüsse und klare Gesänge, zu wenig Härte. Auch „Haven“ ist ein zweischneidiges Schwert. Wieder regnete es Lob und Bestnoten von allen Seiten, doch die Fans alter Tage konnte das nicht zurück zur Band locken.

Mit „The Wonders At Your Feet“ wird die Scheiblette gut eingeläutet, und der Weg zurück zur Härte scheint hier angesagt zu sein – Mikeal Stanne growlt wieder aggressiver und tiefer, und auch so knallt der Stoff wieder kräftiger und druckvoller aus den Boxen. Ausserdem ist der Opener ein eingängiges Stück und bringt ein schickes Solo mit sich.
Einen etwas sonderbaren Aufbau hat „Not Built To Last“ – der Refrain ruhig und keyboardlastig, die Strophen dagegen riffbetont und schnell. Gegen Ende hin wird nach einer langen, ruhigen Phase sogar richtig Gas gegeben, das wertet den Song noch extra auf.
„Indifferent Suns“ wirkt anfangs wie ein durchschnittlicher und eher langweiliger Song, jedoch ist der Refrain echt klasse. Insgesamt aber doch eher schwächer, da mir das Drumherum hier nicht wirklich gefallen will.
Ein schleppend-harter Track ist „Feast Of Burden“, der sich durchgehend im Midtempo bewegt und schöne Banger-Passagen hat.
Langsam aber stetig steigert sich der Titeltrack von verzerrten klaren Gesängen bis hin zu wunderbar aggressiven Growls mit harten Riffs. „Haven“ ist ein sehr abwechslungsreicher Track, und auch einer der stärksten der CD.

Einer meiner Favoriten des Albums ist „The Same“, das einen verdammt eingängigen Refrain, eine zum Kopfnicken nur so einladende Melodie und Rhythmik hat, und dazu werden die elektronischen Spielereien hier perfekt eingesetzt und es wird eine melancholische und dramatische Atmosphäre erzeugt.
„Fabric“ hingegen kann mich nicht so begeistern… Anfangs gefiel’s mir eigentlich gar nicht, inzwischen kann ich’s mir ganz gut anhören. Die Elektro-Einschübe sind mir hier zu viel und auch etwas übertrieben eingesetzt. „Ego Drama“ ist da auch nicht besser, dagegen ist „Rundown“ einer der schnellen und harten Tracks des Albums, der sogar in den ruhigen Momenten aggressiv rüberkommt. Das ist wieder eher eines der Lieder, in denen Dark Tranquillity ihre wahren Stärken ausspielen.
„Emptier Still“ beginnt sehr leise und mit klaren Gesängen, gegröhlt wird erstmal nur ein ‚So Tell Me Are You Lonely’’, die klaren Gesänge weichen später aber dann glücklicherweise. Sie sind zwar nicht schlecht und Mikael Stanne hätte auch ohne Zweifel die Stimme dafür – aber bei Dark Tranquillity will ich das nicht. Mit „At Loss For Words“ wird das Album mit einem richtig guten Knaller abgeschlossen. Kein Knaller ist das unsägliche Quietschen am Ende des Songs, das sich fast 2 Minuten hinzieht und eher auf die Nerven geht.

Die Produktion (wieder von Frederik Nordström, aufgenommen wurde die Platte in März/April 2000 in den Fredman Studios) ist einsame Klasse, das Coverartwork mit einem Herz voller Dornen ist richtig schick und die Göteborger beherrschen ihre Instrumente wie kaum jemand anders. Doch auf „Haven“ gibt’s immer noch zu viele elektronische und ruhige Momente, um ein wirklicher Hammer zu sein. Es gibt viele gute Tracks, es gibt ein paar eher durchschnittliche, aber keinen einzigen wirklich schlechten. Es ist wohl Geschmackssache, um man nun eher die rein todesbleierne oder die elektronisch-gothische Ausführung DT’s lieber mag – mir gefällt jedoch die erste Möglichkeit besser.
„Haven“ ist bei weitem kein schlechtes Album, doch liegen die Stärken um Mikael Stannes Truppe einfach in anderen Gebieten, siehe „The Gallery“ oder „The Mind’s I“.

Bewertung: 7.5 / 10

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