Interview mit Mikael Stanne von Dark Tranquillity

Read the English version

Als Pioniere des Melodic Death Metal blicken DARK TRANQUILLITY auf über 30 Jahre Bandgeschichte zurück. Nachdem sie gerade ihr zwölftes Album „Moment“ veröffentlicht haben, sprachen wir mit Sänger und Gründungsmitglied Mikael Stanne über den Entstehungsprozess des Albums, seinen Gesang, aber auch über die aktuelle Situation während der Corona-Krise.

Herzlichen Glückwunsch zur Veröffentlichung eures zwölften Albums „Moment“. Hättet ihr damals, als ihr angefangen habt, gedacht, dass DARK TRANQUILLITY nach 30 Jahren noch als Band existieren würde?
(lacht) Nein, natürlich nicht. Es war einfach eine Sache, die Spaß gemacht hat. Ich habe mir auch nicht ausgemalt, was nach fünf oder zehn Jahren sein würde. Das ist eines dieser Dinge, bei denen man einfach weitermacht, weil es einem so gut gefällt und man eine tolle Zeit hat. Es ist immer noch interessant und es macht immer noch Spaß. Aber als wir anfingen, dachten wir natürlich nur: „Es wäre doch cool, wenn wir eines Tages etwas aufnehmen könnten. Zum Beispiel eine 7“-EP oder ein Album oder was auch immer.“ Dann geriet es irgendwann außer Kontrolle. Das ist gut so. Ich mochte diese Art von Anfang. Es gab nie einen Plan, das irgendwann einmal zu machen. Zu der Zeit schien es ein unmöglicher Traum zu sein.

„Das war am Anfang schwer: Leute zu finden,
mit denen wir uns wohlfühlen.“

Nach Martin Henriksson hat nun auch euer anderer Gitarrist, Niklas Sundin, die Band verlassen. Beide waren seit dem ersten Album aktiv und haben maßgeblich zum Songwriting beigetragen. Gab es jemals den Gedanken, die Band aufzulösen?
Es gab nie einen derartigen Gedanken. Natürlich hat jeder im Laufe des Bandlebens sehr unterschiedliche Rollen gehabt. Am Anfang ist man der Hauptsongwriter, dann übernimmt jemand anderes und man wird sozusagen zu einer Art „partner in crime“, wo man sich gegenseitig aushilft. Es hat sich alles sehr stark verändert. Am Anfang war Niklas der Hauptsongwriter, dann hat Martin das übernommen. Dann, als er das Gefühl hatte, dass er so viel gemacht hat, dass er nicht mehr weiß, was er noch beitragen soll, hat Anders [Jivarp, Schlagzeug – Anm. d. Red.] übernommen. Martin entschied sich schließlich, Manager der Band zu werden und wollte eigentlich nicht mehr auf Tour gehen. Es machte Sinn und wir verstanden es und sagten „OK, wir werden einen Weg finden, um weiterzumachen“, so wie wir es immer tun, egal was passiert. Es war schwierig und es war irgendwie unerwartet. Aber als wir darüber nachdachten, schien es zugleich die beste Option zu sein. So war es auch bei Niklas: Er hat schon vor „Atoma“ gesagt, dass er nicht von zu Hause weg wollte. Er wollte bei seiner Familie sein und Zeit im Studio verbringen. Auf Tour zu gehen war einfach nicht mehr sein Ding. Das ergab auch absolut Sinn. Also, nein, es gab nie einen Zweifel daran, dass wir weitermachen werden. Es ging nur darum, die richtigen Leute zu finden. Natürlich haben wir uns an bestimmten Punkten gefragt, wen zur Hölle wir eigentlich wollen. Wir kennen überall eine Menge Musiker. Aber es musste jemand sein, der passt. Jemand, der in der Nähe wohnt, mit dem man abhängen kann, der aber auch unheimlich versiert ist. Das war am Anfang schwer: Leute zu finden, mit denen wir uns wohlfühlen.

Nachdem Niklas und Martin weg sind und Anders jetzt der Hauptsongwriter ist, wie sieht eure Herangehensweise an das Schreiben von Songs für die Band heutzutage aus?
Anders fängt immer an und schreibt eine Menge Ideen auf. Martin Brändström schreibt auch ein paar Songs für jedes Album und für „Moment“ hat auch Johan Reinholdz ein paar Songs geschrieben, die wir noch auf das Album packen konnten. Sobald wir festgelegt hatten, wie wir an diesem Album arbeiten wollten, sagte Johan, dass er ein paar Sachen hat, die funktionieren könnten. Dann haben wir das in die richtige Richtung gelenkt, sodass es mehr DARK TRANQUILLITY wird und auf das Album passt. Aber das war eine große Herausforderung.

Michael mit DARK TRANQUILLITY 2017 in München. © Afra Gethöffer-Grütz/Metal1.info

Ein Schlagzeuger als Hauptsongwriter ist ungewöhnlich. Hat Anders theoretische oder gar praktische musikalische Kenntnisse für melodische Instrumente?
Er hat schon immer ein bisschen Gitarre gespielt, aber hauptsächlich Klavier. Das ist schon seit sehr langer Zeit so. Anders schrieb immer Melodien und Akkorde auf. Einfache Sachen, die sich gut anhören oder so, als ob sie eine emotionale Wirkung haben könnten. Dann hat Martin Henriksson diese Sachen genommen und sie zu etwas Superheftigem und Schnellem umgemodelt. Ich glaube, Anders hat das noch ein bisschen perfektioniert: Er kann ganze Songs zusammenstellen und sie arrangieren. Aber Melodien und solche Dinge hat er von Anfang an beigesteuert, das hat sich nicht so sehr verändert.

„Ich war ein furchtbarer Gitarrist, wirklich.“

Du warst der Rhythmusgitarrist auf eurem Debütalbum „Skydancer“. Hast du jemals darüber nachgedacht, dich wieder am Songwriting zu beteiligen, nachdem Niklas und Martin gegangen waren?
(lacht) Oh nein. Nein, nein, nein, nein. Ich war ein furchtbarer Gitarrist, wirklich. Ich fühlte mich nicht wohl dabei und ich hatte nie das Gefühl, dass ich es richtig kann. Ich bin wirklich glücklich, dass ich nicht Gitarre spiele.

„Moment“ ist viel sanfter und atmosphärischer als frühere Arbeiten und folgt damit dem Trend seit „Construct“. Ist dieser Stilwechsel darauf zurückzuführen, dass Niklas und Martin sich aus dem Songwriting zurückgezogen haben oder wurden diese Veränderungen noch von ihnen vorangetrieben?
Ich denke, vieles davon kommt von der Grundlage dessen, was Anders schreibt und Martin macht. Also, vielleicht hat es sich ein wenig verändert. Besonders vor „Atoma“, weil wir uns zu diesem Zeitpunkt für eine neue Arbeitsweise entschieden haben, die einigen der Ideen von Anders viel Raum gab. Aber wie gesagt: Ich finde es cool, dass sich die Verantwortlichkeiten so verschieben. Jemand anderes kommt dazu und übernimmt eine zentrale Rolle. Es war in etwa das Gleiche, als Daniel [Antonsson; Anm. d. Red.] nach „Fiction“ dazukam. Er schrieb ein paar Songs und dann schrieb Martin ein paar Songs und dann schrieb Anders ein paar Songs. Und man kann wirklich die Unterschiede zwischen ihnen hören. Bei „Moment“ ist es ähnlich: Anders‘ Songs, die von Martin [Brändström – Anm. d. Red.] und Johans Songs sind sehr unterschiedlich. Ich mag das sehr. Aber zugleich hat Martin, dieses Mal in der Rolle des Produzenten, dafür gesorgt, dass alles zusammenpasst. Dass es einen einheitlichen Sound hat und als ganzes Album Sinn ergibt, nicht nur einzelne Songs. Jemandem mehr Raum zu geben und das Vertrauen zu haben, dass es cool wird, ist eine tolle Idee, um die Kreativität zu fördern. Denn es ist einfach zu sagen: „Ja, das wird schon werden.“, aber es ist besser, das zu befeuern und zu sagen: „Ja, das ist großartig. Fang an, daran zu arbeiten und gib uns einfach, was du hast.“. In der Vergangenheit waren wir vielleicht hart zu jedem, der Musik für die Band geschrieben hat. Wir waren sehr kritisch und analytisch. Jetzt hingegen sagen wir: „Her mit dem Zeug! Was auch immer wir haben, wir werden irgendwann etwas daraus machen.“

Hältst du es für möglich, wieder zu einem schnelleren, aggressiveren Death-Metal-getriebenen Stil zurückzukehren, oder liegt dieser Stil definitiv hinter euch und ihr wollt den ruhigeren Weg von „Atoma“ und „Moment“ weiterverfolgen – oder werdet ihr sogar etwas ganz Neues versuchen?
Ich weiß es nicht. Ich liebe auch das. Was immer sich im Moment richtig anfühlt, das machen wir. Wir planen nicht zu weit im Voraus, wie das nächste Album sein soll. Anfang letzten Jahres, als wir mit „Moment“ anfingen, hatten wir zum Beispiel eine Menge an Rohmaterial. Wir kannten den Grundcharakter davon. Das Gefühl, das wir davon bekommen, was die Melodien angeht. Und dann haben wir etwas daraus gemacht. An einem gewissen Punkt war es sehr wuchtig und einige der Songs waren super-schnell und wir fanden das cool. Aber gleichzeitig passte es nicht zu dem, wo wir gerade sind. So etwas passiert eben, dass sich die Dinge drastisch verschieben. Als wir Anfang des Jahres mit den Aufnahmen angefangen haben, wollten wir uns auf die Songs konzentrieren, die einen sanfteren Charakter haben, weil sich das einfach richtig anfühlte. Plötzlich war abzusehen, dass wir in nächster Zeit nicht auf Tour gehen würden und alle Festivals wurden abgesagt, also blieben wir im Studio. Dann wurden die Touren abgesagt und wir blieben noch eine Weile im Studio. Das beeinflusste wirklich, wie wir das Album betrachteten und wie wir es letztendlich klingen lassen wollten.

„Es kommt immer darauf an, wie es sich anfühlt.“

„Moment“ enthält den meisten Klargesang seit „Projector“. Magst du diese Art von Gesang heutzutage lieber als gutturalen Gesang?
Ich muss mich nicht entscheiden, was aber auch gut ist. (lacht) Ich kann beides und ich mag es. Es kommt natürlich auf den Song an. Wenn es sich gut anfühlt und zum Song passt, wenn die Musik emotional und melodisch davon profitieren kann, und wenn es Sinn ergibt, dann: Lasst es uns machen! Es kommt immer darauf an, wie es sich anfühlt. Und das war schon immer so. Als wir anfingen, über dieses Album zu sprechen und wir einige der Songs hatten, haben wir sehr unterschiedliche Ansätze ausprobiert. Ich habe eine Version mit einer klargesungenen Strophe und einem superheftigen Refrain gemacht. Dann habe ich es geändert und das Gegenteil gemacht und aus jedem Song ein paar Versionen gemacht. Dann haben wir entschieden, welche davon cool ist und welchen Weg wir weitergehen werden. Jeder hatte ein Mitspracherecht und wir hatten frühe Demos von allem. Normalerweise ist das nicht der Fall. Früher haben wir die Songs instrumental konstruiert und aufgebaut. Dann habe ich in den letzten paar Monaten angefangen, Texte zu schreiben, und in den letzten zwei Wochen habe ich sie den anderen Jungs präsentiert, und sie haben einfach gesagt: „Ja, passt!“. Aber hier hatten wir das ganze Jahr Zeit. Das macht es einfacher, die Songs darauf abzustimmen. Wir können eine coole Gesangsmelodie haben und das Beste daraus machen. Das habe ich sehr zu schätzen gewusst. Es war toll, so zu arbeiten.

Michael mit DARK TRANQUILLITY 2017 in Linz/AT. © Afra Gethöffer-Grütz/Metal1.info

Bist du ein autodidaktischer Sänger oder hattest du Unterricht für Clean- und/oder gutturalen Gesang?
Nein, ich singe im Grunde einfach zu meinen Lieblingsplatten mit. Das war schon immer so. Ich sollte definitiv Gesangsunterricht nehmen und lernen, wie man richtig singt, aber ich habe es einfach nicht getan. Das Screamen und Growlen war „Versuch und Irrtum“. Eine Menge „Irrtum“. (lacht) Und eine Menge „Versuch“. Aber auch eine Menge Proben. Wir haben so viele Jahre damit verbracht, viele Tage in der Woche zu proben, um herauszufinden, was funktioniert und was sich gut anfühlt. Also, ja: eine Menge Übung.

Rob Halford sagte kürzlich in einem Interview, dass er traurig darüber ist, dass er seine Songs nicht mehr wie vor vielen Jahren singen kann, weil seine Stimme ermüdet. Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht, dass du Dinge, die vor 20 bis 30 Jahren stimmlich möglich waren, heute nicht mehr machen kannst?
Nein, ich denke, es ist … nun ja, nicht das Gegenteil, aber ich fühle mich jetzt besser als vor zehn oder sogar fünfzehn Jahren. Ich glaube, ich habe quasi eine Technik perfektioniert, oder zumindest dafür gesorgt, dass sie für mich funktioniert. Also, es geht in die richtige Richtung. Natürlich ist das etwas anderes. So zu schreien und zu singen, wie ich es tue, ist einfach. Ich habe nicht so eine Power-/Heavy-Metal-Stimme. Das ist nicht die Art, wie ich singe, also erwarte ich nicht allzu viele Probleme damit. Für mich fühlt es sich jetzt viel besser an als früher. Natürlich hatte ich mit 25 ein anderes Durchhaltevermögen, aber das ist ja klar.

„Ich versuche herauszufinden,
wie sehr wir uns unterscheiden.“

Lass uns über die Texte sprechen. Es scheint, dass du immer wieder Inspirationen, Themen und Begriffe aus der Philosophie und auch der Psychologie beziehst. Ist das ein Bereich, der dich besonders interessiert? Hast du ein theoretisches Hintergrundwissen?
Nein, aber ich finde es faszinierend. Philosophische Themen sind interessant. Ich versuche einfach herauszufinden, was die Bedeutungen der Dinge sind, wie wir uns voneinander unterscheiden und warum. Was die Philosophie angeht, versuche ich einfach, irgendwie zu verstehen. In Sachen Psychologie treffe ich viele Menschen auf der ganzen Welt, die ganze Zeit. Ich versuche herauszufinden, wie sehr wir uns unterscheiden. Ich sehe, wie sich die Welt in seltsame Richtungen bewegt, mit denen ich nicht einverstanden bin – und ich frage mich, warum. Wie ist man zu dem Typ geworden, der diese Philosophie, diese politische Partei oder diese Religion unterstützt. Wie ist das passiert? Woher kommt das? Was hat es mit unserer Art zu denken auf sich, dass wir diese logischen Trugschlüsse vollziehen, dass wir tatsächlich an Dinge glauben, anstatt sie zu wissen. Warum sind wir so neugierig? Oder warum sind wir nicht mehr neugierig und haben lieber die Sicherheit, etwas zu glauben – und das genügt einem dann, ohne es zu hinterfragen. Ohne sich zu fragen, was wirklich hinter den Dingen steckt. Und man folgt einfach blind etwas, weil es einfach ist. Weil man nicht hinterfragen muss, weil man nicht lernen muss.

Man kann einfach blind etwas akzeptieren, weil man sich dann besser fühlt. Und das ist in Ordnung, das ist ein menschlicher Umstand, dessen wir alle auf die eine oder andere Weise schuldig sind. Aber manchmal bedeutet das, dass wir in Schwierigkeiten geraten. Alle großen Katastrophen der Welt wurden durch Dinge wie Religion oder philosophische und grundlegende Differenzen zwischen Menschen verursacht, die wir ehrlich gesagt gar nicht haben. Die Ursachen für all diese Konflikte versuche ich zu verstehen. Ich lese viel darüber, Bücher und Aufsätze über all das. Das gibt mir zumindest das Gefühl, dass ich es verstehe, und ich bemühe mich, nicht die gleichen Fehler zu machen. Es ist eine Möglichkeit für mich, die Frustrationen loszuwerden, die ich darüber habe, wohin sich die Welt entwickelt oder was vor sich geht. Alleine schon in meinem Freundeskreis und so weiter. Aber ich predige nicht, ich sage niemandem, was er tun soll. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich irgendetwas erklären muss. Ich sehe die Dinge einfach so, wie ich sie sehe. Macht damit, was ihr wollt. Wenn es euch gefällt, wenn ihr das Gleiche fühlt – super! Das gibt mir ein gutes Gefühl. Aber wenn nicht, ist es eigentlich egal. Ich weiß, dass nicht jeder die Texte liest oder sich dafür interessiert. Für mich ist es genug, dass ich darüber schreien und schreiben kann.

Michael mit DARK TRANQUILLITY 2017 in München. © Afra Gethöffer-Grütz/Metal1.info

Aufgrund der Corona-Krise wurde eure Release-Show vorab aufgezeichnet und gestreamt. Wie war das?
Es war natürlich seltsam. Das Gute war, dass wir unsere ganze Crew da hatten, die wir seit einem Jahr nicht mehr gesehen haben; einige großartige Leute, wie die Kameracrew, Fotografen und Regisseure. Enge Freunde waren auch da und das war’s. Wir haben sozusagen für sie performt, also fühlte es sich an wie die Aufnahme eines Musikvideos, bei dem man quasi etwas vortäuscht. Aber das hier war echt, also mussten wir uns alle Songs merken und richtig spielen. Wir haben es ein paar Tage vor dem Streaming gedreht, nur um sicherzugehen, dass alles funktioniert. Ich war nervös. Das waren wir alle. Wir hatten viel geübt, wir hatten genug geprobt, aber trotzdem: Zwölf völlig neue Songs, die wir noch nie zusammen gespielt hatten, zum ersten Mal vor Kameras zu spielen, das war anstrengend. Aber gleichzeitig zu wissen, dass die Leute zu Hause sitzen und sich das anschauen – so wie ich es jedes Mal tue, wenn es eine coole Streaming-Show gibt – ein Bier trinken und versuchen, es so zu genießen, wie ich eine tolle Musik-DVD oder ein Live-Konzert genieße: Das fühlte sich gut an. Man musste sich irgendwie darauf konzentrieren und sich vorstellen, dass das passiert, überall auf der Welt. Ich bin wirklich zufrieden mit dem, was dabei herausgekommen ist. Es war großartig, zu sehen, dass all die Leute sich darauf eingelassen haben, Tickets gekauft haben – und es mochten. Es war erstaunlich und ich bin sehr, sehr froh, dass wir es geschafft haben, auch wenn es eine Menge harter Arbeit war. Aber es war sehr, sehr cool und ich hoffe, dass wir so etwas noch einmal machen können, falls wir nicht bald wieder auf Tour gehen. Wir werden sehen.

„Jetzt ist die Technologie da. Die Leute wissen, wie es funktioniert.“

Siehst du in dieser Art von Konzert-Streaming auch nach Corona eine Alternative, etwa für spezielle Album-Shows oder Jubiläumsshows?
Das gibt nun tatsächlich die Möglichkeit, das zu tun, und das ist wirklich cool. Ich denke, eine Menge Bands werden das als Option nutzen, um etwas Besonderes zu machen. Oder sie streamen in ein Land oder ein Gebiet auf der Welt, in dem man gerade nicht touren kann. Stellen sicher, dass es nur dort verfügbar ist und spielen eine spezielle Show nur für diese Gegend oder machen coole Sachen wie so etwas. Denn jetzt ist die Technologie da. Die Leute wissen, wie es funktioniert. Also, ja, absolut. Als Bonus für richtige Touren halte ich es für eine gute Idee. Und dann ist es natürlich auch cool, live von einem Konzert mit Fans streamen. Ich denke, das wird die Dinge verändern.

Wie geht es euch sonst mit der Corona-Situation – Ist die Zukunft der Band gefährdet, da ihr finanziell von der Krise betroffen seid?
Sie ist nicht gefährdet, aber 90% unserer Einnahmen kommen vom Touren. Wir haben dieses Jahr schon 65 bis 70 Shows abgesagt. Für das nächste Jahr hatten wir auch schon viele Pläne. Also, das ist natürlich hart. Das bedeutet, dass wir unsere Crew und Musiker nicht bezahlen können. Ich werde es überleben. Ich kann wieder arbeiten gehen, wenn ich will. Und das werde ich wahrscheinlich auch. Aber im Moment bin ich super beschäftigt mit dem Album. Eine Zeit lang wird es schon noch gehen, aber es ist natürlich nicht einfach für jeden. Es kostet eine Menge Geld, dieses Geschäft jeden Tag zu betreiben. Es gibt überhaupt kein Einkommen. Aber wenn man so etwas wie eine Streamingshow macht, hat man zumindest ein gewisses Einkommen. Man macht das Beste daraus und das zu machen ist sehr teuer, aber man bekommt etwas zurück und das hilft tatsächlich ein bisschen. Solche Sachen, und natürlich T-Shirts und andere Merch-Artikel zu verkaufen. Denn die Leute verdienen immer noch Geld und das tue ich auch: Ich habe eine Menge Geld für Alben, T-Shirts und Sachen ausgegeben, von denen ich weiß, dass sie den Bands wichtig sind. Das hilft wirklich, weitermachen zu können. Aber wir werden sehen. Wir haben Pläne für eine Tour, aber es wird nicht so bald sein. Wenn wir kein Geld verdienen, dann gehen wir eine Weile zurück zur Arbeit und dann machen wir uns auf den Weg, wann immer wir können.

Vielen Dank für das Interview. Zum Schluss unser traditionelles Brainstorming:
Schwedens spezielle Corona-Strategie: Unbestimmt.
US-Wahlergebnisse: Ich bin sehr glücklich darüber. Sehr, sehr glücklich. Ekstatisch.
Momente oder Zeitspannen? Zeitspannen.
Lieblings- und am wenigsten bevorzugtes DARK-TRANQUILLITY-Album? Am wenigsten mag ich wohl „Haven“. Favorit vermutlich „Moment“ – vorerst.
Das ist interessant. Niklas hat auch einmal in einem Interview gesagt, „Haven“ sei sein am wenigsten bevorzugtes Album …
Ich denke, da gab es eine Menge Konflikte. Das heißt nicht, dass es schlecht ist, und ich höre es mir auch gerne an, aber damals war alles ein großes Durcheinander. Wir hatten unterschiedliche Ideen. Aber ich mag es trotzdem.
DARK TRANQUILLITY in 10 Jahren: Wir machen das Gleiche. Unser 14. Album wahrscheinlich. Vielleicht sogar das 15., wir werden sehen. (lacht)

Ich danke dir für deine Zeit! Hast du noch ein paar abschließende Worte für unsere Leser?
Ich bin einfach glücklich, dass das Album draußen ist und wir dieses Streaming-Konzert gemacht haben. Das war unser Plan für dieses Jahr. Jetzt werden wir uns eine Auszeit nehmen und einfach ein bisschen entspannen. Wir versuchen zu sehen, was wir sonst noch tun können, um den Schwung beizubehalten und weiterhin mit den Leuten und Fans in Kontakt zu bleiben. Ich hoffe einfach, dass es den Leuten gut geht, dass sie sich wohl fühlen, auch wenn man zu Hause eingesperrt ist. Wenigstens haben wir Musik, oder? Das hilft. Das ist für mich schon sehr wichtig.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Dieses Interview wurde per Telefon geführt.

Geschrieben am

Fotos von: Afra Gethöffer-Grütz

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: