CD-Review: Dead Summer Society - ...So Many Years Of Longing...

Besetzung

Mist - Gesang, Instrumente

Tracklist

01. So Many Years
02. Coldness Gods
03. It Devours My Faith
04. Some Peace To Feel
05. Longing
06. Shatters
07. State Of Waiting
08. Every Death Is Certain
09. A Winter Day
10. Failure
11. Desperate Sun
12. Stalemate


Zeit ist eine relative Sache. Sie kann schnell vergehen bei allen Dingen, die Spaß machen, sie kann sich ziehen, wenn langweilige Dinge anstehen oder unerträglich zäh wie Kaugummi werden, wenn man nach einer wichtigen Prüfung auf die Einschätzung der Kommission wartet. DEAD SUMMER SOCIETY rangieren sich irgendwo im Bereich des Zweiteren ein, „…So Many Years Of Longing…“ ist das zweite Full-Length-Album des italienischen Ein-Mann-Projekts des Künstlers Mist und es stellt sich nun zur Begutachtung vor.

Gothic und Doom stehen auf der Fahne von Mist, der DEAD SUMMER SOCIETY vor einigen Jahren aus der Taufe hob. Kann man erst einmal so stehen lassen, auch wenn sich der Protagonist anderen Einflüssen nicht verschließen möchte. Der offene Blick in andere Spielarten ist aber zugleich der erste Grund, warum „…So Many Years Of Longing…“ nicht in der Form beim Hörer ankommt, wie es sich der Mittelitaliener vermutlich gedacht hat. Die 66 Minuten vergehen quasi in Zeitlupentempo, immer wieder fragt man sich, ob man wirklich erst drei (fünf, acht…) Lieder gehört hat. Das liegt dabei nicht einmal an einer übertriebenen Uniformität der Titel, Mist bemüht sich erkennbar um Abwechslung und holt dafür einige weibliche Stimmen ins Boot. Diese machen ihre Sache nicht gänzlich verkehrt, aber so wirklich ausgegoren wirken die Versuche nicht.
Da gefällt einem das wuchtige Organ des Fronters schon besser, welches wenigstens etwas Kraft in den dünnen Brei bringt. Besonders, wenn er sich einmal zu mehr Tempo und Aggressivität durchringen kann. Leider scheint das Vorlieben eher im langsamen, oft akustischen Bereich zu liegen, wodurch „…So Many Years Of Longing…“ insgesamt viel zu viel Fahrt verliert. Entweder sind die Songs (zu) lang oder in Intromanier (zu) kurz. Hier wird weiteres wertvolles Potential verschenkt, der Hörer kommt letztlich nie in den Flow der zwölf Songs.
Natürlich kann man so an eine Scheibe herangehen. Langsame Musik ist ja nicht per se schlecht, aber dann muss die Umsetzung besser klappen. Ein paar Ohrwurmmelodien wären schon ein Anfang, aber ebenso, wie sich die Lieder durch unnötigen Ballast der Wiedererkennung entziehen, tun sie es durch mangelhafte Eingängigkeit. Geeignet ist die Musik, wenn man nun wirklich nichts anderes zu tun hat oder wenn man ohne große Eigeninitiative etwas zum Plätschern neben dem Alltag sucht.

Man merkt also, DEAD SUMMER SOCIETY ist mit „…So Many Years Of Longing…“ nicht gerade ein Meisterwerk gelungen. Die Platte dümpelt vor sich hin und wenn sich beim nächsten Mal nicht rigoros etwas ändert, wird sich dies zukünftig auch kaum ändern. Allen Ambitionen zum Trotz langweilt die Angelegenheit auf beinahe ganzer Linie.

Bewertung: 3 / 10

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