Fast auf den Tag genau zwei Jahre ist es her, dass DEATH LENS ihr letztes Album „Cold World“ veröffentlicht haben, und was war das für eine gelungene Mischung aus Hardcore, Pop-Punk und Indie! Die LA-Punks zeigten sich ordentlich angepisst von der damaligen Situation in ihrem Heimatland, mischten all der Wut aber auch noch hymnische Melodien unter. Die Lage in den USA ist seitdem nicht gerade besser geworden, besonders nicht für Menschen mit Migrationshintergrund, zu denen auch die vier Musiker von DEATH LENS zählen. Höchste Zeit also für musikalischen Nachschub.
Zumindest beim Songwriting scheinen DEATH LENS aber diesmal weniger von Wut, als vielmehr von dem Wunsch nach Eingängigkeit getrieben worden zu sein. Der Hardcore-Anteil wurde auf „What’s Left Now?“ fast vollständig zurückgefahren, Songs wie „Disturb The Peace“ sucht man eher vergeblich. Statt mit einem Batzen Wut, startet der Opener „Monolith“ mit spanischen Gitarren und Spoken Words, bevor knackiger Pop-Punk übernimmt. Damit erweist sich „What’s Left Now?“ von Beginn an als sehr tanzbar und eingängig. Songs wie „Drown“ mit seinem Mitspring-Rhythmus, „Useless“ mit „Wooh-oh“-Chören im Refrain oder „Power“ mit seiner punkigen Energie wurden für schwitzige, enge, mitreißende Clubshows geschrieben und machen sofort Lust auf Pits und lauthals mitgesungene Refrains.
Kein bisschen eingängiger sind zum Glück die Texte von Frontmann Bryan Torres geworden. „Saints In The Panic Room“ greift den Horror und die Unmenschlichkeit von ICE-Razzien auf, „Debt Collector“ prangert die immer größere Armut und gleichzeitig wachsende Verschuldung in Amerika an und „Monolith“ beschreibt, wie es ist, ein Leben mit niedrigem Einkommen zu leben und keinen Weg herauszufinden. DEATH LENS werden auf „What’s Left Now?“ aber auch überraschend persönlich, etwa wenn Torres gemeinsam mit Ian Shelton von Militarie Gun in „Waiting To Know“ über die Angst vor dem Tod singt oder in „Am I A Drug To You?“ eine Trennung verarbeitet.
Auch ohne Hardcore-Elemente also alles gut? Nicht ganz. Denn zum einen kratzen „Off The Edge“ und „Drown“ stellenweise schon sehr am Mainstream-Pop-Rock und zum anderen würde man sich gerade bei den angesprochenen textlich wütenden Songs auch mehr Wucht im Songwriting wünschen. Man wundert sich manchmal doch ein bisschen, wieso DEATH LENS so zahm agieren, gerade wenn man ihre letzte Platte „Cold World“ noch im Ohr hat.
DEATH LENS zelebrieren auf „What’s Left Now?“ das Miteinander und das Gefühl, wenn man sich bei einem Konzert in den Armen liegt und gemeinsam die Lyrics mitschreit. Das Quartett hat ein Händchen für hymnischen Pop-Punk, der hin und wieder in Richtung Alternative abbiegt. Insgesamt hätte „What’s Left Now?“ aber etwas mehr Varianz im Songwriting und an der ein oder anderen Stelle auch mehr Härte gutgetan. Eine gerade in diesen Zeiten wichtige Stimme bleiben DEATH LENS aber trotzdem.
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Wertung: 8 / 10


