CD-Review: Dimmu Borgir - Puritanical Euphoric Misanthropia

Besetzung

Shagrath – Gesang, Synthesizer
Silenoz – Gitarre
Galder – Gitarre
Mustis – Samples, Synthetics
Vortex – Bass, Gesang
Nicholas – Schlagzeug

Tracklist

01. Fear And Wonder
02. Blessing Upon The Throne
03. Kings Of The Carnival Creation
04. Hybrid Stigmata
05. Architecture Of A Genocida
06. Puritania
07. Indoctrination
08. The Mealstrom Mephisto
09. Absolute Sole Right
10. Sympozium
11. Perfection Or Vanity
12. Burn In Hell (Bonustrack)


In einem Punkt waren sich fast alle einig: „Puritanical Eurphoric Misanthropia“ ist besser als der Vorgänger „Spiritual Black Dimensions“. Die andere Sache ist, dass die „Puritanical…“ wohl eine der umstrittensten Metal-Platten der letzten Jahre ist. Für die einen nicht true genug, für die anderen ein Meisterwerk. Für die einen nichts neues und 0815, für die anderen innovativ und fortschrittlich.
Ich frage mich dabei nur, „Was soll das ganze Gerede um true oder nicht?“. Ganz stur zum Black Metal oder Melodic Black Metal kann man Dimmu mit dieser CD hier sowieso nicht mehr stecken. Die Drums erinnern hier sehr oft und sehr stark an Fear Factory, auch sonst sind verstärkt Industrial- und Thrash-Elemente vorhanden. Auch untypisch für das Genre der wohl intolerantesten Szene im Metal ist der klassische Aspekt. Das Gothenburg Opera Orchestra hat hier einen nicht unerheblichen Beitrag geleistet. Unter anderem stammt von dem Orchester das Intro „Fear And Wonder“ und das Outro „Perfection Or Vanity“.
Ich will hier jetzt auch nicht damit anfangen, was Black Metal überhaupt ist, aber die Verfechter des True Black Metal können wohl einfach nicht über ihren Tellerrand schauen und können nicht anerkennen, dass sich die Norweger weiterentwickelt haben. Nicht nur durch die Line-Up-Wechsel (Galder von Old Mans Child und Nicholas Barker von Cradle Of Filth sind neu dabei) hat sich die Musik auf der nebligen Burg verändert. Mit Alben wie „Stormblast“ oder „Enthrone Darkness Triumphant“ – die beide ohne Zweifel Scheiben für die Ewigkeit sind – kann man das neue wirklich nicht mehr vergleichen. Neben den schon angesprochenen Veränderungen wird auch sehr viel mit dem Computer hantiert, verzerrt, getriggert, etc.
Ein bisschen was zu dem ein oder anderen Track möchte ich aber auch noch sagen.

„Blessing Upon The Throne Of Tyranny“ beginnt schon sehr ungewöhnlich – extrem thrashig und sogar mit Parts, wo nur die Gitarre allein zu hören ist. Die rasenden Drums knallen hier alles weg, mit den ruhigen Einschüben und der vielen Abwechslung wirkt der Song gar progressiv. „Kings Of The Carnival Creation“ ist ebenfalls ein verdammt guter Track, der wieder mit geilem Drumming besticht. Hier kommt auch erstmals der klare Gesang von Vortex zum Einsatz, den ich für recht schwach und überflüssig halte. Wäre ohne besser gekommen.
Etwas völlig außergewöhnliches für Dimmu-Verhältnisse ist „Puritania“. Die Strophen werden hier mit einem Computer richtig extrem verzerrt, die Drums erinnern schon zwangsläufig an Industrial Marke Fear Factory und ganz allgemein gesehen ist der Song ein absoluter Brecher. Die Einsätze der Streicher verleihen dem Teil wie auch fast allen anderen Tracks noch ein Groß an Dramatik und Spannung, und fügen sich auch einfach gut ins Gesamtgefüge ein.
Bei „Indoctrination“ kommt das Orcehster bei dem Part nach knapp zwei Minuten richtig cool, bevor die ruhige Stelle dann ins Jenseits gekreischt und geblastet wird. Auch bei „Sympozium“ gibt’s durch die Streicher ne geile Melodie. Abgeschlossen wird das ganze auf der Limited Edition (in einem Pappschuber mit Poster) durch die Coverversion des Twisted Sister-Klassikers „Burn In Hell“, die sichin der der Dimmu-Version richtig gut hören lässt.

Auch alle jetzt nicht angesprochenen Songs sind auf ihre eigene Weise überzeugend und gut. Keine Spur von Langeweile oder fehlender Trueness (nein, die fehlt mir hier wirklich nicht). Wer Dimmu hier allen Ernstes fehlende Innovativität vorwirft, der hat wohl wirklich nicht viel Ahnung von der Materie. Ebenso, wenn man die „Puritanical Eurphoric Misanthropia“ ganz stur dem Genre Black Metal zuweisen will. Beides geht nicht, beides Schwachsinn. Warum kann es nicht egal sein, welchem Genre die Band angehören soll? Warum muss man bei der Weiterentwicklung einer Band immer gleich mit billigen Kommerzvorwürfen um sich werfen?
Dimmu Borgir anno 2001 sind einfach nicht mehr Dimmu Borgir anno 1996.Es mögen sich manche zwar an den vielen elektrischen Spielereien stören, oder auch am Einsatz des Orchsters, oder am klaren Gesang von Vortex (an dem ich mich etwas störe, der aber anderen auch gefällt) – jedoch wurde hier ein gutes und fortschrittliches Album erschaffen, das auch ohne den Anspruch in eine bestimmte Schublade passen zu müssen, bestehen kann. Ganz nebenbei erwähnt wurde der Scheibe auch eine ehrenamtliche Produktion von Fredrik Nordström und dessen Studio Fredman verpasst.
Ich schreibe auch bewusst nicht „Melodic Black Metal“ als Stilbeschreibung in das Kästchen da oben, sondern denke, dass Black/Thrash recht treffend ist. Doch wie auch immer der einzelne es sieht: Das Album kracht – aus!

Bewertung: 8.5 / 10

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