CD-Review: Dimmu Borgir - Spiritual Black Dimensions

Besetzung

Shagrath – Gesang
Erkekjetter Silenoz – Gitarre
Astennu – Gitarre
Nagash – Bass
Simen – klarer Gesang
Mustis – Synthesizer
Tjodalav – Schlagzeug

Tracklist

01. Reptile
02. Behind The Curtains Of Night Phantasmagoria
03. Dreamside Dominions
04. United In Unhallowed Grace
05. The Promised Future Aeons
06. The Blazing Monoliths Of Defiance
07. The Insight And The Catharsis
08. Grotesquery Conceiled (Within Measurelless Magic)
09. Arcane Lifeforce Mysteria


Nach dem Meisterwerk „Entrhoned Darkness Triumphant“ und dem eher missglückten Mini „Godless Savage Garden“ setzen Dimmu Borgir hier mit ihrem vierten Studioalbum „Spiritual Black Dimensions“ nach.
Viele sprachen schon lange von Ausverkauf und dass Dimmu einfach nur billige Poser seien. Doch diese Leute sind dann wohl zum Großteil verbohrte Black Metaller, die keine Weiterentwicklung anerkennen wollen. Für die „True Black Metaller“ machen Dimmu eh schon lange keine Musik mehr. Überhaupt wird die Kritik hier viel zu oft ganz falsch angegangen: Ein Großteil der Schreiber achten hier in erster Linie darauf, ob es auch wirklich Black Metal ist. Warum kann man nicht einfach die Musik auf sich wirken lassen, ohne dass man ständig jede CD schon vorab in eine Schublade pressen muss?

Mit Dimmu kann man das aber eigentlich schon gar nicht mehr machen, denn mit reinem Black Metal hat es bis auf die nicht gerade christliche Haltung der Band und folglich auch die Ausrichtung der Texte nicht mehr allzu viel zu tun.
Der Vorgänger wirkt aber merklich auf die Ausrichtung dieser CD hier ein, denn vom Sound her deckt sich das gebotene mit „Enthrone Darkness Triumphant“, schließlich ist auch hier wieder Peter Tätgren für den Mix zuständig gewesen. Dazu kommen noch einige Verbesserungen – oder sagen wir lieber Veränderungen und Zusätze – zum Gerüst: Die Melodielinien der Keyboards sind viel stärker ausgeprägt, stellenweise schimmern sogar ein paar Gothic-Elemente durch die Klangwelt. Zahlreiche klare Gesangspassagen wurden eingeworfen und allgemein gesehen klingt der Stoff noch etwas härter und aggressiver als der Vorgänger.
Doch genau das sehen die meisten nicht. Die Härte und Aggression haben zugenommen, und sind nicht, wie in vielen Fällen vorgeworfen, verloren gegangen. Diese Vorwürfe kann ich mir höchstens damit erklären, dass sich die betreffenden Kritiker nicht oft und tief genug mit der Platte auseinandergesetzt haben. Leider muss ich sagen, dass die Keyboards vieles hier verwässern und manchmal der komplette Sound zu einem einzigen Brei zusammenlaufen zu scheint.

Mein folgender Vergleich könnte jetzt sehr gewagt sein, aber ich wage es dennoch: Die „Spiritual Black Dimensions“ kann man, wenn man denn so will, unter gewissen Gesichtspunkten mit der „A Night At The Opera“ von Blind Guardian assoziieren. Nein, ich bin nicht betrunken, habe nichts geraucht und bin auch sonst voll im Besitz meiner Sinne, und nein, musikalisch haben beide CDs wahrlich nichts miteinander zu tun. Bei beiden Platten aber hat sich im Vergleich zum jeweiligen Vorgänger viel geändert. Alles ist komplexer, vielschichtiger, undurchsichtiger geworden, beides ist definitiv nicht zum nebenbei hören geeignet. Beide male schien die Presse überfordert, das Gehörte vernünftig einzuordnen und zu bewerten. So kam es wohl auch zu den teils grandiosen, teils nahezu vernichtenden Kritiken. Von „langweilig und überproduziert“ bis hin zu „geniales Meisterwerk“ kam so gut wie jede Meinung zum Vorschein.
Was ich damit sagen will, man muss „Spiritual Black Dimensions“ einfach auf sich wirken lassen, man muss darauf eingehen, man darf nicht vorschnell darüber urteilen. Dieses Album braucht Zeit.

Ich jedoch für meinen Teil vertrete weder die Meinung „Rückschritt, einfach nur schlecht, langweilig“ oder „bahnbrechendes, atmosphärisches Kunstwerk“. Meine Meinung schwebt irgendwo dazwischen. Nach vielen Durchgängen habe ich, wie ich glaube, einigermaßen zu der Scheibe gefunden. Doch wenn man mal so weit ist, nutzen sich die Songs überraschend schnell ab. Stellenweise wirkt’s dann wirklich mal langweilig, stellenweise nerven die Keyboarddudeleien ungemein. Andererseits sind die verschachtelten Melodien stellenweise genial und die Soli sind phantastisch.Wie auch immer, jeder Metaller sollte sich seine eigene Meinung über dieses extrem umstrittene Stück Black Metals einer der umstrittensten Black Metal Bands überhaupt bilden.

Bewertung: 7 / 10

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4 Kommentare zu “Dimmu Borgir – Spiritual Black Dimensions”

  1. Katastrophicus

    Ich finde SBD ist das beste Album von Dimmu. Es hat einfach eine eigene Strahlkraft, die einzigartig ist. Die sich auftürmenden und allesumfassenden Keyboardwände, Shagrahths unangefochten beste Performance jemals und die death- und trashlastigen Einflüsse, die sich durch die Songs ziehen, wie in The Blazing Monoliths of Defiance oder Grotesquery Conceiled (Within Measureless Magic). Dazu dann noch das aggressive Tempo, das nie nachlässt und die abgespaceten Solos seitens Astennu, sowie Vortex’s hymnische Refrains.

    Ein Album für die Götter.

    1. Stephan Rajchl

      Ich finds ja auch echt stark, aber ich persönlich mag halt EDT noch eine Spur mehr, weil es aus meiner Sicht noch atmosphärischer ist. Außerdem fand ich Shagraths Gesang da sogar noch etwas stärker und die Produktion ist nicht ganz so verwaschen und überladen. Aber wie gesagt, ich denke auch, dass SBD zu den besten Dimmu Platten zählt.

  2. Lautus Pluma

    Die gnadenlose Härte und Aggressivität dieses Albums stellt alles andere von Dimmu in den Schatten. Ich kann es immer noch nicht glauben, wie sie es hinbekommen haben, solch eine überbordende Klanggewalt der Keyboards mit diesem unbarmherzigen Tempo zu kombinieren. Purer kosmischer Terror.

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