Review Earth Tongue – Dungeon Vision

Läuft bei EARTH TONGUE. Nachdem das Duo mit dem letzten Album „Great Haunting“ für den Taite Music Prize nominiert wurde und schließlich sogar den Preis als beste Band bei den 2025 Aotearoa Music Awards gewann, konnte für den Nachfolger Noise- und Produzenten-Legende Ty Segall gewonnen werden. Geschrieben in Berlin, wo die Neuseeländer seit 2025 leben, und aufgenommen in Los Angeles, rückt „Dungeon Vision“ kein Stück ab vom eigenwilligen Sound der Band. Gussie Larkin und Ehemann Ezra Simons lieben es immer noch kauzig, fuzzy und heavy.

Es dürfte dem Einfluss von Ty Segall zu verdanken sein, dass „Dungeon Vision“ dennoch ein großer Schritt nach vorne ist. Das liegt einerseits an der organischen und dennoch druckvollen Produktion, die besonders den Vocals von Gussie Larkin mehr Raum gibt und sie präsenter in den Vordergrund rückt. Andererseits haben EARTH TONGUE mit Hilfe von Segall ihr Songwriting verfeinert, weshalb es neben den gewohnten Fuzz-Monstern auch ungewohnte Klänge wie „Body Of Water“ oder „Symmetry Dripper“ zu hören gibt. Ruhige, folkige Klänge und Gussies glockenklare Stimme bilden die erste Hälfte von „Body Of Water“, während „Symmetry Dripper“ komplett ohne Gesang auskommt, dafür aber mit spacigen Synthies punktet. Ein oder zwei mehr solcher Ausbrüche aus dem gewohnten Klangkosmos des Duos hätten es gerne noch sein dürfen.

Aber wer EARTH TONGUE hört, will natürlich vor allem eines: Fuzz. Und der kommt auf „Dungeon Vision“ nicht zu kurz. Egal ob extrem heavy („Silver Eye“), garniert mit Synthies („Flashlight“) oder schleppend („Watchtower“): Bei so viel Fuzz glaubt man Gussie sofort, dass bei den Albumaufnahmen diverse Effekt-Pedale durchgebrannt sind. Am stärksten ist „Dungeon Vision“ aber, wenn Fuzz nicht alleine die Hauptrolle spielt. Der Titeltrack etwa mischt dem gewohnten Sound eine Prise High-Energy-Rock bei und geht damit sofort ins Genick. „Orbit Of A Witch“ hat einen unwiderstehlichen Groove, Wah-Wah-Effekte an den richtigen Stellen und noisige Feedback-Schleifen. Mit „Ritual“ als letztem Song auf der Platte ist EARTH TONGUE ein echter Geniestreich gelungen. Die Nummer könnte auch 1:1 aus einem 70er-Jahre-Horrorfilm stammen oder direkt ein Mitschnitt einer schwarzen Messe sein. Schwere, schleppende Riffs und spooky Gesangsharmonien von Gussie sorgen für eine wortwörtliche ritualistische Stimmung. Wenn nach zwei Dritteln der Laufzeit die Instrumente stoppen und nur noch Gussies Gesang beschwörend aus den Boxen kommt, sitzt man als Hörer noch Minuten danach fasziniert da und will einfach nur auf Replay drücken.

EARTH TONGUE nähern sich auf „Dungeon Vision“ der perfekten Balance zwischen rohem, primitivem Rock und kreativen Ideen. Sieht man von ein oder zwei Durchhängern ab, zeigen Gussie und Ezra auf beeindruckende Weise, wie sehr sie ihren Duo-Sound weiterentwickelt haben. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass „Dungeon Vision“ ohne Ty Segall als kreativen Partner und Produzenten sicherlich nicht ganz so viel Spaß machen würde. Album Nummer vier darf daher gerne wieder in dieser Konstellation aufgenommen werden.

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Wertung: 8 / 10

Juan Esteban

Publiziert am von

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