Das Cover von "Evolution" von Elegant Weapons

Review Elegant Weapons – Evolution

  • Label: Exciter
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Heavy Metal

Einst stand er als möglicher Ersatzmann bei IRON MAIDEN in den Startlöchern, aber dann war es die andere große britische Band, die ihn auflas: Seit 2011 ist Richie Faulkner Gitarrist bei JUDAS PRIEST und beerbte niemand geringeren als Ur-Mitglied K. K. Downing. Diesen Karriereschritt wusste der Mann auf ganzer Linie zu nutzen, denn dank seiner gewachsenen Reputation konnte der gebürtige Londoner für seine eigene Band ELEGANT WEAPONS neben Ausnahmesänger Ronnie Romero (u. a. MSG, RAINBOW) auch Bassist Dave Rimmer (URIAH HEEP) sowie ACCEPT-Schlagzeuger Christopher Williams gewinnen. Mit „Evolution“ ist gerade das zweite Album der Truppe erschienen.

Zumindest im Opener „Evil Eyes“ wird recht schnell deutlich, wo Bandkopf Faulkner die letzten anderthalb Jahrzehnte verbracht hat, denn die groovenden Riffs der Nummer atmen den Geist der JUDAS PRIEST aus den späten 70ern, allen voran „Delivering The Goods“. Das ist kaum innovativ, auf „Evolution“ aber immerhin stark umgesetzt und damit durchaus spaßig. Generell scheinen ELEGANT WEAPONS den Fokus auf ihrem zweiten Album auf coolen Groove und fett produzierte Classic-Rock-Riffs zu legen, denn über das folgende „Generation Me“ bis hin zu „Holy Roller“ geht es in diesem Stile weiter.

Das ist nicht schlecht, allerdings stellt sich spätestens ab dem vierten Mal, zu dem ELEGANT WEAPONS eine Nummer mit groovendem Lavalampen-Riffing einleiten, eine gewisse Gleichförmigkeit ein und die Hörerschaft dürfte zum ersten Mal auf die Uhr sehen. Da kommt die recht gefällige, aber doch auch ziemlich gelungene AOR-Ballade „Come Back To Me“ als Abwechslung genau zum richtigen Zeitpunkt und überhaupt präsentiert sich die Truppe ab der zweiten Hälfte von „Evolution“ deutlich abwechslungsreicher und experimentierfreudiger als es zu Anfang der Platte der Fall war.

Zwar bleibt die Band ausschließlich im Midtempo, vor diesem Hintergrund ist aber vor allem der Flirt mit dem breitbeinigen Stadionrock in „Thrown To The Wolves“ ein echtes Highlight und auch das Riffing der PANTERA-mäßigen Strophe von „Shooting Shadows“ lässt aufhorchen. Zum Abschluss begeben sich ELEGANT WEAPONS dann noch einmal zurück in die 70er und verneigen sich im bombastischen „Keeper Of The Keys“ mit Hammondorgel-Klängen vor RAINBOW und DEEP PURPLE. Neben dem erwartbar großartigen Gitarrenspiel von Richie Faulkner sammelt „Evolution“ vor allem Punkte durch den überraschend klischeefreien Gesang von Ronnie Romero, der trotz mancher Gelegenheit nie den DIO macht und insgesamt ungewohnt kernig klingt.

Das zweite Album von ELEGANT WEAPONS ist also ein ziemlicher Gemischtwarenladen der Stilrichtungen, aber Musiker etablierter Bands widmen sich in ihren Nebenprojekten ja zumeist ihren sonstigen musikalischen Ambitionen. Dankenswerterweise versucht Mr. Faulkner nicht, JUDAS PRIEST 2.0 zu etablieren und „Evolution“ ist mit Sicherheit kein schleches Album. Es ist aber auch kein wirklich zwingendes, denn trotz einwandfreier technischer Umsetzung fehlt es der Musik von ELEGANT WEAPONS hinten und vorne an eigenem Profil. Das Gefühl von „Musik im Stile von“ erreicht auf dieser Platte fast schon das Niveau der Frontiers-Meterware, weshalb „Evolution“ nur für Faulkner-Komplettisten zu empfehlen ist.

Du siehst gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicke auf die Schaltfläche unten. Bitte beachte, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Wertung: 6 / 10

Thomas Meyns

Publiziert am von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert