CD-Review: Empyrium - Weiland

Besetzung

Thomas Helm - Gesang, Piano
Ulf Theodor Schwadorf - Gitarre, Bass, Mellotron, Schlagzeug, Gesang, Sprechgesang
Gastmusiker:
Susanne Salomon - Violine, Viola
Julia Hecht - Cello
Horst Faust - Fagott
Nadine Mölter - Flöte

Tracklist

01. Kein Hirtenfeuer glimmt mehr
02. Heimwärts
03. Nebel
04. Fortgang
05. A Capella
06. Nachhal
07. Waldpoesie
08. Die Schwäne im Schilf
09. Am Wasserfall
10. Fossegrim
11. Der Nix
12. Das blau-kristallne Kämmerlein


Den eigentlich Wandel von der düsteren Folk-Metal-Band zum Neofolk hatten EMPYRIUM bereits auf dem Vorgängeralbum „Where At Night The Wood Grouse Plays“ vollzogen, somit kam die stilistische Ausrichtung auf „Weiland“, dem eigentlichen Schlusspunkt der Band, weniger überraschend. Trotzdem unterscheidet sich die vierte Platte einer der außergewöhnlichsten deutschen Bands noch einmal erheblich.

Natürlich ist eine gewisse Stringenz zu erkennen, nach den stürmend-drängenden ersten beiden Werken wechselte man beim angesprochenen dritten zu rein akustischer Musik, sehr naturbelassen, sehr romantisch, emotional, aber auch teilweise minimalistisch im positiven Sinne. Die neun Lieder gingen gerade eine gute halbe Stunde, dies hat sich auf „Weiland“ grundlegend geändert. Hier gibt es im Prinzip eine Mischung aus einigen wirklich epischen Stücken, die sich erst über eine gewisse Zeit wirklich entfalten können, und den bekannten kurzen Nummern, die häufig sogar ohne Text auskommen.
Gerade diese Lieder sind es, die so richtig zum Dahinträumen einladen, die Bilder vor das geistige Auge zaubern und in andere Welten mitten ins Märchenreich entführen. Dies alles natürlich vom Krafteinsatz sehr dosiert, einsame Akustikgitarren, dezentes Schlagwerk und ein paar Streicher bilden das Grundgerüst der Instrumentalstücke; dazu kommen die EMPYRIUM-typischen Fagott und Flöte. Diese einfache Ausstattung erlaubt aber nicht, auf relaxtes Easy-Listening zu schließen. EMPYRIUM fordern den Hörer heraus und verlangen ihm Einsatzzeit und Aufmerksamkeit ab. Zwischen Traum und Drama ist es oft nur ein kleiner Schritt, wiegt man sich im einen Augenblick noch in sicherer Geborgenheit, wird man im nächsten von massiver Emotionalität schlicht überrollt. Selten hat eine Band ohne Worte so viel gesagt!
Natürlich bestechen auch die „besungenen“ Stücke mit einiger Qualität. Dabei pendelt man zwischen bedrohlichem Flüstern, vereinzeltem Krächzen und fast opernhaftem Tenor, häufig agiert man mehrstimmig und schafft dann sogar ohne Instrumentenunterstützung sehr abwechslungsreiche Parts.
Abwechslungsreichtum ist ein gutes Stichwort, „litt“ der Vorgänger noch etwas daran, dass sich einige Lieder doch etwas ähnlich waren, hat man dieses Mal noch divergierender arrangiert, was dem Gesamtklang nur gut tut. Etwas übertrieben hat man es vielleicht im fast viertelstündigen „Waldpoesie“, da wäre meiner Meinung nach auch schon in acht bis zehn Minuten alles gesagt gewesen, denn nach einem phantastischen Anfang fällt es dann doch irgendwann etwas ab, aber das mag jeder für sich entscheiden.

Nichtsdestotrotz ist „Weiland“ meiner Meinung nach das bessere der beiden Akustikalben, „Where At Night The Wood Grouse Plays“ hat irgendwie den Charme eines ersten, wenngleich auch absolut gelungenen Versuchs, auf „Weiland“ haben EMPYRIUM ihre Vision wohl zur möglichen Perfektion getrieben. Für den reinen Metalfreund sicher ein schwieriges, mitunter sperriges Album, aber perfekt geeignet, um sich zwischen Blast-Beats und Kreischgesang mal zu entspannen. Alleine aufgrund des Kults um die Band sollte jeder die Platte besitzen und wenn dieses Argument nicht reicht, dann doch die Qualität, die „Weiland“ vermittelt.

Bewertung: 9 / 10

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