Muss es immer modern sein? Immer innovativ oder neu? Manchmal ist es genug, voller Passion für eine Sache zu brennen. ENSANGUINATE aus Slowenien tun das seit 2020. Nach ihrem ersten Release „Eldritch Anatomy“ geht die Band nun mit ihrem zweiten Album „Death Saturnalia“ an den Start. Der Blackened Death Metal, den die Formation auffährt, ist dabei ebenso genormt wie eigenwillig.
Auf dem Intro „Lámia“ geht es konventionell düster und unheilvoll zu. Das von hallenden Keyboard-Sounds getragene Stück leitet perfekt in das folgende „Angel Of A Thousand Poisons“ über. Von Sekunde eins peitscht dieser Track in fast manischer Aggression voran. Dabei lockern ENSANGUINATE das Chaos durch feine Leads, variables Drumming und dezenten wie wirkungsvollen 70er-Charme auf. Dieser Feingliedrigkeit gegenüber stehen jedoch auch Titel, die im konformsten Sinne dem entsprechen, was das Genre vorgibt.
Das flirrende „Rooted In Accursed Ground“ mit seinen schwarmartigen Riffs, rasantem Schlagzeugspiel und groovigen Einsprengseln bringt die Rezeptur von ENSANGUINATE als Musterbeispiel bestens auf den Punkt. Fast schon schmissig wird es hingegen bei den entschleunigten Parts von „Gloaming“. Generell ist dieser Track der „lockerste“ auf „Death Saturnalia“, stehen diesmal doch eher die Leadgitarren der Saitenreißer A.C. und J.C. im Vordergrund anstatt der reinen Geschwindigkeit um der Sache willen. Und obwohl „Gloaming“ etwas weniger aggressiv ins Werk gesetzt ist, passt der keifende Gesang, ebenfalls von A.C. beigesteuert, bestens ins Bild.
Dass ENSANGUINATE sich jedoch gar nicht so sehr auf die Maßstäbe ihres Genres verlassen müssen, zeigt der Neunminüter „The Whip And The Pendulum“. Auf der Grundlage rasender Blackened-Death-Salven leitet die Band in einen ruhigen, von sanften Gitarren begleiteten Part über, der in seiner Düsternis nicht nur eine notwendige Drosselung des zuvor hohen Tempos erreicht, sondern auch ein absolut energiegeladenes Titelfinale vorbereitet. Stimmige Leadgitarren und wendige Drums treffen hier auf überraschend passende Orgelklänge und formen so den wohl stärksten Track auf „Death Saturnalia“.
Da ist es tatsächlich bedauerlich, dass der Schlusspunkt „Daughter To Cain“ ein vergleichsweise gewöhnlicher Song ist, der in Sachen Intensität und Abwechslung nicht zu seinem Vorgänger aufschließen kann. „Savage Hunger Far Beyond“ und „On Wings Of Bone“ fallen in die gleiche Kategorie. Zwar haben die Slowenen auch diese Stücke für ihr Genre punktgenau umgesetzt, allerdings schaffen sie es nicht, die kleinen Spannungsspitzen, die ENSANGUINATE auf ihrem zweiten Album anbieten, zu halten oder zu reproduzieren. Anders gesagt: Am besten funktioniert „Death Saturnalia“ immer dann, wenn die Truppe sich traut, einen Schritt aus dem Genremorast zu machen. Dann nämlich kommt die eigentliche Klasse zum Vorschein, die der kompositorischen Kraft von ENSANGUINATE innewohnt.
„Death Saturnalia“ ist ein Album voller Widersprüche. In den stärksten Momenten können tolle Leadmelodien in Kombination mit klugem Songwriting voll überzeugen. Dann liegen Vergleiche mit CLOAK, TRIBULATION oder WATAIN durchaus nahe. Allerdings gelingt es ENSANGUINATE noch nicht zu jeder Zeit, ein Gleichgewicht in ihre Songformel zu bringen, und auch um die eine oder andere Länge kommt die Platte nicht herum. Insgesamt handelt es sich bei „Death Saturnalia“ aber um eine durchaus solide Veröffentlichung.
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Wertung: 7 / 10


