Review Ereb Altor – Nattramn

Bis jetzt waren die Schweden EREB ALTOR nicht unbedingt eine Band, auf deren neues Album man sich schon wochenlang vor Release freute. Zwar hatten sie die Aufmerksamkeit spätestens mit dem letzten Werk „Fire Meets Ice“ enorm erhöht, über den Status eines Geheimtipps waren die Viking Metaller aber nicht hinausgekommen. Die Prognose für Album Nummer V „Nattramn“ ist diesbezüglich hingegen günstig.

Erneut werden die Schilde aus dem Keller geholt, die Streitäxte geschwungen und die Schlachthymnen angestimmt. Vor allem letzteres ist definitiv Programm, denn die bereits sehr epische, nach wie vor von Bathory inspirierte Vorgängerplatte wird hinsichtlich ihrer Erhabenheit noch einmal deutlich übertroffen. Hierfür greifen EREB ALTOR allerdings nicht allzu tief in die Trickkiste, sondern arbeiten einfach ihre Trademarks ab. Langsame Songs voller großer Melodien und Gefühle waren schon immer die beste Seite der Truppe aus Gävle, welches infrastrukturell als Tor ins Norrland fungiert. Vielleicht macht dies die Musik auch so unheimlich skandinavisch, denn das ist sie. Man lehnt sich sicher nicht weit aus dem Fenster, wenn man behauptet, Stoff wie „Nattramn“ kann einfach nur aus dem Norden kommen.
Bevor wir es an dieser Stelle mit der Lobhudelei übertreiben, vielleicht lieber noch ein paar Fakten. Schon der Vorgänger glänzte immer besonders dann, wenn das Gaspedal mit Bedacht getreten wurde. Zwar finden sich in einigen Songs durchaus Double-Bass-Attacken wieder, hier und da wird auch mal aggressiv gegrunzt, aber der gefühlsbetonte Metal, unterstützt mit vielen massiven Keyboards, hat eindeutig den Regiestuhl inne.
So verwundert es etwas, dass EREB ALTOR gerade das tendenziell schnellste Lied zum Titeltrack gemacht haben. Irgendwie sticht „Nattramn“ aber auch qualitativ etwas heraus, fällt es doch als im Prinzip einzige Nummer gegenüber dem Rest etwas ab. Ein ähnliches Phänomen wie bei Metallicas „Ride The Lightning“. Denn auch im vorliegenden Fall muss man es als Kritik auf hohem Niveau bezeichnen. Ebenso wie der Rest überzeugt nämlich auch dieses Lied durch dichte Arrangements und mächtige eine Atmosphäre. Obwohl es bis auf das Intro immer über fünf Minuten und oft sogar weit darüber hinaus geht, kommt in keinem Moment Langeweile auf, weil „Nattramn“ nahezu die kompletten 43 Minuten interessant und auch irgendwie abwechslungsreich bleibt. Dies liegt neben den starken Gesangslinien auch am unterschwellig das Zepter schwingenden Keyboard. Selten spielt es sich in den Vordergrund, aber es ist stets präsent und führt die Songs in die richtige Richtung. Garniert wird dies alles mit feinen Leads und starken Soli, die sich sanft in das Gesamtgefüge legen, ohne aufdringlich oder unpassend zu klingen, was man bei vielen Bands des härteren Stahls häufiger beobachten kann.

EREB ALTOR machen fast alles richtig. Die Lieder auf „Nattramn“ sitzen fast alle perfekt, das ist Wikinger-Stoff, der Spaß macht. Die Musik hat nicht die Party-Attitüde von Ensiferum, sondern erinnert von der Ernsthaftigkeit her eher an Moonsorrow, um mal aktuelle Quervergleiche zu bemühen. Musikalisch sind die Schweden jedoch eigenständig genug, um sich mit anderen Bands messen zu müssen. Die Platte ist dank der Hits (so kann man es durchaus mal sagen) „Midsommarblot“, „The Dance Of The Elves“ und „The Nemesis Of Frej“ gut genug, um EREB ALTOR zu einer Band zu machen, auf deren Release man sich schon wochenlang vorher freut.

Wertung: 9 / 10

Publiziert am von Jan Müller

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