Review Evergreen Terrace – Dead Horses

Mehr als viereinhalb Jahre hat es gedauert, bis sich die aus Florida stammenden Hard-/Metalcoreler von EVERGREEN TERRACE nach dem Abgang von Lead-Gitarrist Josh James zu Stick To Your Guns weit genug für die Aufnahme eines neuen Albums formiert hatten. „Dead Horses“ heißt das neue Werk, an das man ohne große Erwartungshaltungen herangehen kann, hatten die letzten beiden Releases doch einen recht unterschiedlichen Sound und war außerdem ungewiss, wie sich der Abgang des Lead-Gitarristen auf EVERGREEN TERRACE auswirken würde.

Schnell bemerkbar macht sich, dass die Kalifornier auf „Dead Horses“ den Härtegrad herunter geschraubt haben und statt in Metalcore-Gefilden nun häufig auf den Spuren der Architects wandeln – ohne allerdings wie eine Kopie dieser rüberzukommen. Dafür sind vor allem die Gesangsstimmen von Shouter Carey und Sänger/Gitarrist Craig Chaney, die EVERGREEN TERRACE schon immer getragen haben, zu einzigartig. Die Breakdown-Dichte ist weiter gesunken – stattdessen variiert das Quintett häufig das Tempo sowie zwischen Parts mit harten Gitarren und geshouteten Vocals und solchen mit cleanem Gesang und melodischen Riffs. So startet der Opener „Crows“ ziemlich ruppig, um dann in einen poppigen Chorus überzugehen. Von einem ähnlichen Schlage sind „Lacuna Inc.“ und „Browbeaters Anonymous“, auch wenn das Niveau hier zwischenzeitlich etwas abflaut.

Das vierte Lied „Dead Horses“ hat das Potenzial, den alten „Wolfbiker“-Kracher „Chaney Can’t Quite Riff Like Helmet’s Page“ als neue Bandhymne abzulösen: Hier kombinieren EVERGREEN TERRACE einen eingängigen Chorus mit großartigen Melodien im Refrain – gleichzeitig sind Andrew Careys Shouts mal im Hintergrund, mal vordergründig zu hören, was dem Song in Kombination mit dem durchweg flotten Tempo eine unheimliche Dynamik verleiht. Genauso empfehlenswert in dieser Richtung, nur mit etwas weniger Hitpotenzial: „Mike Myers Never Runs, But He Always Catches Up“. Manchen Fans mag es jedoch etwas sauer aufstoßen, dass der cleane Gesang inzwischen mit ordentlich Hall versehen ist und man sich in Liedern à la „Lacuna Inc.“ und „When You’re Born In The Gutter, You End Up In The Port“ eher an „Pop-Core-“Bands wie A Day To Remember orientiert und ein gewisser Lala-Faktor nicht zu leugnen ist.

An „Wolfbiker“ kommt das neue Album bei weitem nicht ran – „Dead Horses“ hat im Vergleich zu den Vorgängern zu deutlich an Durchschlagskraft eingebüßt. Das lässt sich auch an der zahmen Produktion nachverfolgen. EVERGREEN TERRACE scheinen sich selbst nicht sicher zu sein, in welche Richtung es in Zukunft gehen soll. Man wird dadurch vermutlich nicht allzu viele Fans einbüßen, aber Lorbeeren lassen sich mit dieser Platte auch nicht einfahren.

Wertung: 6 / 10

Publiziert am von Pascal Stieler

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.