CD-Review: Evile - Hell Unleashed

Besetzung

Ol Drake - Gesang, Gitarre
Adam Smith - Gitarre
Joel Graham - Bass
Ben Carter - Schlagzeug

Tracklist

01. Paralysed
02. Gore
03. Incarcerated
04. War Of Attrition
05. Disorder
06. The Thing (1982)
07. Zombie Apocalypse (Mortician-Cover)
08. Control From Above
09. Hell Unleashed


Die britischen Thrasher EVILE haben in letzter Zeit widersprüchliche Signale gesendet: Erst verlässt Leadgitarrist Ol Drake die damals noch von seinem Bruder Matt angeführte Band. Ein mutmaßlich adäquater Ersatz wird gefunden, dann steigt der abgängige Saitenakkrobat aber doch wieder ein und schlussendlich verlässt Frontmann Matt Drake die Band – alles vor dem Hintergrund, dass die Truppe eigentlich an ihrem fünften Album arbeitet. Acht Jahre nach ihrem letzten Output „Skull“ sind EVILE zumindest personell eine vollkommen andere Band, wobei die größte Neuerung wohl die ist, dass Gitarrist Ol Drake anstelle seines Bruders nun auch den Gesang übernommen hat. Kann die Formation ihre Fans trotzdem mit ihrem lange erwarteten neuen Album „Hell Unleashed“ überzeugen?

Wenn man ehrlich ist, dann haben EVILE mit ihrem Debüt „Enter The Grave“ das Slayer-Album veröffentlicht, das ihre Vorbilder selbst nicht mehr machen konnten und damit bei Fans traditionellen Thrash Metals offene Türen eingerannt. Seither machten die Engländer etliche Entwicklungen durch, von denen nicht alle auch von ihrer Anhängerschaft als positiv empfunden wurden. Auf „Hell Unleashed“ wird die Uhr nun ein ganzes Stück zurückgedreht: Verpackt in grandiosen Sound liefert die Platte prägnante, furiose, ultrapräzise Thrash-Riffs zuhauf, wobei EVILE keine Angst davor haben, in Songs wie „Gore“ oder „Incarcerated“ unverhohlen bei Slayer abzukupfern – und damit eben in die Zeit ihres großartigen Erstlingswerkes „Enter The Grave“ zu entführen.

Doch auch ansonsten klingt die Truppe hier wie ausgewechselt – was ja auch passiert ist. Ob nun arschcooler Groove wie in „Control From Above“ oder Hochgeschwindigkeits-Riffing wie in „War Of Attrition“, EVILE scheinen sich im Vergleich zu Platten wie „Skull“ endlich wieder in ihrem Element zu fühlen. Das macht sich auch daran bemerkbar, dass „Hell Unleashed“ mehr als irgendein anderes Album der Briten die Leadgitarren-Künste von Frontmann Ol Drake zur Schau stellt. War das versierte Spiel des Mannes schon immer eines der Aushängeschilder des EVILE-Sounds, so scheint es, als würde der Leadgitarre auf „Hell Unleashed“ noch mehr Raum als auf der letzten Platte der Truppe gegeben – was wiederum den Eindruck verstärkt, bei den Thrashern wehe 2021 spürbar frischer Wind.

Neben der Leadgitarre übernimmt Ol Drake auf „Hell Unleashed“ allerdings wie erwähnt auch den Gesang. Das funktioniert, aber lange nicht so gut wie erhofft. Anders als sein Bruder, der stellenweise vom jungen Tom Arya kaum zu unterscheiden war, grölt der neuerlich zum Frontmann aufgestiegene Gitarrist nahezu durchgehend in einer einzigen Tonlage über die neun Nummern. Weil auch er sich dabei im Rahmen seiner Möglichkeiten am Slayer-Fronter orientiert, erinnert das in seinen besten Momenten tatsächlich an seinen Bruder – allzu oft klingen EVILE dank der charakterlosen Vocals aber wie jede x-beliebige zeitgenössische Thrash-Band aus der zweiten Reihe. Man kann sich daran gewöhnen und spätestens nach dem dritten Song werden sich die meisten damit abgefunden haben, gerade weil der Rest dieser Platte aber so überdurchschnittlich gut geraten ist, wird man das Gefühl nicht los, „Hell Unleashed“ hätte mit Matt Drake sein volles Potenzial entfaltet.

Im Vorfeld der Veröffentlichung von „Hell Unleashed“ ließ die Truppe vollmundig verlauten, dass die Platte das beste Thrash-Metal-Album seit 20 Jahren sei. Unwahrscheinlich. Warum? Weil es noch nicht einmal das beste EVILE-Album ist. Das traurige daran ist, dass es das aber hätte sein können. Songwriting, Performance und Produktion reichen in jeder der enthaltenen Nummern an ihr großartiges Debüt heran und übertreffen es stellenweise sogar. Weil auf „Hell Unleashed“ mit Ol Drake – man muss es leider sagen – aber nur ein Platzhalter für einen tatsächlich passenden Sänger zu hören ist, verfehlt es die Platte jedoch, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Das ist wirklich schade, denn musikalisch haben sich EVILE hier nicht nur wiedergefunden, sondern womöglich gar selbst übertroffen.

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Bewertung: 7.5 / 10

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