CD-Review: Feanor - Power Of The Chosen One

Besetzung

Sven D'Anna - Gesang
David Shankle - Gitarre
Walter Hernandez - Gitarre
Gustavo Acosta - Bass
Emiliano Wachs - Schlagzeug

Tracklist

01. Rise Of The Dragon
02. Power Of The Chosen One
03. This You Can Trust
04. Metal Land
05. Hell Is Waiting
06. Together Forever
07. Bringer Of Pain
08. Lost In Battle
09. Fighting For A Dream
10. The Return Of The Metal King (The Odyssey In 9 Parts)


Der Name David Shankle ist den meisten True-Metal-Fans ein Begriff: In seiner kurzen Zeit bei der Genre-Prominenz Manowar schrieb der Mann deren Album „The Triumph Of Steel“ und somit ein Kapitel Metal-Geschichte. Seither etablierte sich der Gitarrist mit seiner Solo-Band David Shankle Group und etlichen Gitarren-Lehrvideos als einigermaßen einflussreicher Shredder. Dem True Metal hat der U.S.-Amerikaner jedoch nie so ganz abgeschworen, weshalb er jüngst die argentinische Band FEANOR gekapert hat. Gekapert, weil es die Truppe schon seit 1996 gibt, Mr. Shankle aber erst seit 2016 mit an Bord ist, seither aber von der Formation spricht, als handle es sich um seine eigene Band. Bisher hat der Musiker allerdings auf genau keinem Album von FEANOR gespielt – das soll sich nun ändern, denn mit „Power Of The Chosen One“ kündigt der Mann vollmundig den geistigen Nachfolger zu „The Triumph Of Steel“ an.

Neben David Shankle ist bei FEANOR noch ein gewisser Sven D’Anna beschäftigt – den kennen Genre-Fans nur zu gut, weil er seit über 30 Jahren auch dem deutschen True-Metal-Flaggschiff Wizard vorsteht. Das ist wichtig, weil Herrn D’Annas markanter – und dabei absolut tadelloser – Gesang auch bei FEANOR sämtliche der hier vertretenen Nummern kraftvoll anführt. Obwohl „Power Of The Chosen One“ vom ehemaligen Manowar-Gitarristen geschrieben wurde, rücken die Argentinier so sofort in die Nähe ihrer Bocholter Kollegen: Songs wie das mitreißende „Rise Of The Dragon“ könnten ohne weiteres auch auf deren letztem Album „Metal In My Head“ stehen und auch mit dem treibenden „This You Can Trust“ oder der stampfenden Hymne „Metal Land“stehen FEANOR der Hauptband ihres Sängers in nichts nach.

So ist schnell auszumachen, dass es bei FEANOR kaum etwas revolutionär Neues gibt, aber das muss es auch gar nicht. Die argentinisch-deutsch-amerikanische Truppe spielt ihren mustergültigen True Metal trotz tumber Texte mit eherner Überzeugung und viel Spielfreude, wobei sich Kitsch und Wucht selbst in der Power-Ballade „Fighting For A Dream“ schöne die Waage halten. Kleinere Überraschungen gibt es mit dem eher modern ausgerichteten Titeltrack sowie dem groovenden „Bringer Of Pain“, die in ihrer vergleichsweise düsteren Riff-Gewalt eher an David Shankle Group als an Wizard erinnern – leider sind das auch die schwächeren Momente von „Power Of The Chosen One“. Weitaus besser funktioniert da das neoklassisch angehauchte „Hell Is Waiting“, das die im Vorangegangenen beschriebene Formel ebenfalls leicht variiert und dabei weit besser zum übrigen, traditionellen Songmaterial passt.

David Shankle selbst tut sich auch bei FEANOR in erster Linie durch sein explosives Leadgitarrenspiel hervor. Stilistisch und auch mit seinem Sound erinnert er in seinen wüsten Frickelorgien stets an Superschredder Michael Angelo Batio. Bedenkt man, dass „Power Of The Chosen One“ ein überwiegend traditionelles True-Metal-Album ist, trägt der Mann hier eigentlich durchgehend viel zu dick auf. Weil Mr. Shankle aber schlicht spielen kann wie der Teufel und anders als manch anderer Gitarrengott auch ein Gespür für Melodien hat, geht das trotzdem in Ordnung.

Abschließend seien noch einige wenige Worte über das knapp 20-minütige Epos „Return Of The Metal King (The Odyssey In 9 Parts)“ verloren: Als spiritueller Nachfolger von Manowars „Achilles, Agony And Ecstasy In Eight Parts“ ist diese Mammut-Nummer letztendlich das Einzige, was „Power Of The Chosen One“ seinem mutmaßlichen Vorgänger „The Triumph Of Steel“ ähnlich macht. Damals wie heute bekommt der Hörer es mit einer Reihe anständiger True-Metal-Songs zu tun, die mittels balladesken Füllmaterials „aneinandergeklebt“ wurden. Daran ist prinzipiell nichts auszusetzen, damals wie heute bleibt jedoch auch die Frage unbeantwortet, warum das Material nicht in Form einzelner Songs veröffentlicht werden konnte.

Wer schon immer wissen wollte, wie es klingen würde, wenn Michael Angelo Batio bei Wizard einsteigt, der sollte sich an FEANOR wenden: „Power Of The Chosen One“ ist ein ebenso gelungenes wie typisches True-Metal-Album, das sich hauptsächlich durch die irrwitzigen Leadgitarren von David Shankle von den Platten der deutschen Genre-Prominenz unterscheidet. Wie so viele Vertreter ihrer Sparte fügen auch die Argentinier absolut nichts Neues hinzu, aber wandeln doch stets trittsicher auf ausgetretenen Pfaden. Fans von Bands wie Lonewolf oder eben Wizard, die deren letzte Veröffentlichungen bereits wieder verstoffwechselt haben, können auch bei FEANOR gleichermaßen beherzt wie bedenkenlos zugreifen.

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Bewertung: 7.5 / 10

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