Das Cover von "Boundless I Am Free" vom Feanor

Review Feanor – Boundless I Am Free (EP)

  • Label: Massacre
  • Veröffentlicht: 2021
  • Spielart: Heavy Metal

Die nach dem gleichnamigen Charakter aus Tolkiens „Silmarillion“ benannten FEANOR stammen ursprünglich aus Argentinien, sind inzwischen aber international aufgestellt: Bereits für ihr 2016 erschienenes Album „We Are Heavy Metal“ nahm die Band mit Wizard-Sänger Sven D’Anna eine der prominentesten Figuren des teutonischen True Metal in ihre Reihen auf und seit 2018 ist auch der einst bei Manowar angestellte Gitarrist David Shankle mit von der Partie. In dieser Besetzung veröffentlichten FEANOR im vergangenen Frühjahr ihr viertes Album „Power Of The Chosen One“ und schoben im September noch die EP „Boundless I Am Free“ nach.

Erscheint eine EP nur wenige Monate nach dem letzten Album, so liegt der Verdacht nahe, dass hier in erster Linie Material verwertet wird, das es nicht auf den zuvor veröffentlichten Langspieler geschafft hat. Im Falle von „Boundless I Am Free“  bewahrheitet sich diese Resterampen-Vermutung leider voll und ganz: Formal bieten FEANOR mit vier Titeln die für dieses Format übliche Anzahl an Eigenkompositionen. Weil aber schon der Titeltrack zweimal vorhanden ist – zusätzlich zu seiner Urfassung als „Acoustic Version“ – und es sich beim abschließenden „The Scorpion Stings In Am“ um ein reines Instrumental handelt, gibt es hier eigentlich nur zwei wirkliche Songs und das ist alleine schon quantitativ ein wenig dürftig.

Besagter Titeltrack „Boundless I Am Free“ geht für sich genommen in Ordnung: Ab dem Klavier-Intro ist klar, dass es sich hier um eine pathosschwangere Power-Ballade ganz im Stile des Genres handelt. Vom platten Text abgesehen punktet der Song mit gewohnt starken Vocals von Frontmann D’Anna und überzeugt obendrein sowohl eingangs als auch im Mittelteil mit bockstarken Leadgitarren – kein Wunder, wirkt hier doch auch der Manowar-Gründer Ross „The Boss“ Friedman mit. Zwar erreicht der Song zu keiner Zeit das Niveau ebenjener offensichtlicher Vorbilder, aber er ist doch eine rundum gelungene Nummer, die man sich gerne auch mehrfach anhört. In der „Acoustic Version“ sieht der Fall anders aus, denn in der vornehmlich vom Klavier getragenen Fassung verliert der Song viel von seinem Charme. Zwar kommt der wirklich gelungene Gesang hier noch besser zur Geltung, gleiches gilt allerdings auch für die reichlich künstlich anmutenden Synthie-Streicher, die in der voll instrumentierten Fassung dezent im Gesamtbild verschwinden und hier nun in den Vordergrund treten. So wirkt „Boundless I Am Free“ nicht mehr episch, sondern billig.

Mit „I Have A Fever“ liefern FEANOR sodann noch einen gradlinigen Midtempo-Stampfer mit teutonisch inspiriertem Mainriff. Trotz des superben Gesangs outet sich die klischeebeladene Nummer schnell als typische B-Seite, die es wahrscheinlich vor allem aufgrund der viel zu langen Solo-Passagen nicht in die Album-Auswahl geschafft hat. Kann man hören, ist aber nichts Besonderes. Beim abschließenden Instrumental „The Scorpion Stings In Am“ darf dann noch ein gewisser Eric Marullo in die Saiten greifen – der gehört ebenfalls zum Dunstkreis von Manowar, handelt es sich bei dem Mann doch um den Sohn von deren Sänger Eric Adams. Das spanische Akustikgitarrenstück ist technisch sicher anspruchsvoll und klingt auch gut, wird von den Meisten aber vermutlich nicht mehr als einmal angehört werden – ein regulärer Song wäre bei der begrenzten Spielzeit einer EP weitaus erfreulicher gewesen.

„Boundless I Am Free“ ist eine typische Platte, die sich nur für Komplettisten lohnt: Keiner der Songs ist wirklich schlecht, aber in Summe sind sie nicht gut genug, um alleine eine Veröffentlichung zu tragen. Der Titelsong hätte gut und gerne in die reguläre Tracklist der nächsten vollen Platte gepasst und sowohl „I Have A Fever“ als auch die Akustikversion des Titelstücks hätten gute Bonustracks abgegeben. Somit ist diese EP leider nicht viel mehr als die ebenso nachvollziehbare wie durchschaubare Verwertung übriggebliebenen Materials, die man sich vermutlich besser auf einem Streamingdienst seiner Wahl anhört, als bares Geld dafür auszugeben.

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