CD-Review: Fen - Dustwalker

Januar 2013

Besetzung

Grungyn – Gesang, Bass
The Watcher – Gesang, Gitarre
Derwydd – Schlagzeug

Tracklist

01. Consequence
02. Hands Of Dust
03. Spectre
04. Reflections
05. Wolf Sun
06. The Black Sound
07. Walking The Crowpath
08. Epilogue (Ltd.-Edition-Bonustrack)


Die Erkenntnis, dass progressiver, melodisch-melancholischer (Post) Black Metal derzeit groß im Kommen ist, während die eher true Auslegung der Spielart immer seltener von Erfolg gekrönt ist, so es sich nicht um das neue Projekt eines szenebekannten Musikers handelt, ist keine Offenbarung. Nicht umsonst waren es gerade diese Bands, die in letzter Zeit von sich reden machten – seien das nun Enslaved, Lantlôs, Agalloch oder auch die Franzosen Alcest.

Den Briten FEN dürfte dieser Trend durchaus zu Gute kommen – schlägt ihr Album „Dustwalker“ doch genau in eben jene Kerbe und dürfte so, auch wenn das sicher nicht die Intention der Londoner war, recht elegant auf der Begeisterungswelle für diese Musikrichtung mitschwimmen.
Und, Hype hin oder her, unverdient wäre es definitiv nicht, würde dem Trio in Zukunft etwas mehr Aufmerksamkeit zu Teil. Nach dem düster-doomigen Opener „Consequence“, in dem schwere Riffs mit aggressiven Passagen abwechseln, so dass das Resultat am Ende vergleichsweise hart ausfällt, entführen FEN den Hörer bereits mit „Hands Of Dust“ in die Welt sphärischer Cleangitarren, getragener Chöre und melancholischer Leadgitarren – ohne jedoch ihre harte Seite gänzlich zu verleugnen.
Von diesem Wechselspiel aus sanften und rohen Passagen profitiert „Dustwalker“ in gehörigem Maße – halten FEN doch in beide Richtungen die Balance und rutschen so selbst in ihren gefühlvollsten Momenten nicht ins Kitschige, selbst in ihren rohesten nicht ins Belanglose ab.
Nicht ganz zu verspielt wie Alcest, sind es dennoch gerade die melancholischeren Songs wie der verträumte Zehnminüter „Spectre“, die dem Album seinen Charme verleihen, während die roheren Passagen die Spannung leider nicht immer vollends aufrecht erhalten können. Gerade „Wolf Sun“ gibt diesbezüglich ein gutes Beispiel für einen drastischen Knick im Spannungsbogen eines Albums ab, weiß der Song mit seiner vergleichsweise simplen Struktur nicht ganz mit dem Rest des Albums mitzuhalten. Bereits das darauf folgende „The Black Sound“, das erneut einige alcestsche Gitarrenmelodien aufweist, wie auch das finale „Walking The Crowpath“ wissen dieses Makel musikalisch mehr als nur auszugleichen.
Schwieriger ist es da mit dem Sound der Platte, welcher in den harten Passagen alles andere als differenziert klingt. Ob dies nun der Atmosphäre des Albums zuträglich und damit mit einem Pluspunkt zu belohnen ist oder nicht, ist sicherlich Ansichtssache – etwas weniger dominantere Bassfrequenzen und ein etwas weniger vermatschtes Gesamtbild hätte meines Erachtens nach zumindest nicht geschadet.

Die limitierte Edition der CD versucht, mit einem exklusiven Bonustrack zu überzeugen – leider handelt es sich bei „Epilogue“ jedoch lediglich um ein weiteres, in diesem Fall absolut verzichtbares Instrumental, welches dem Album nichts Essenzielles mehr hinzuzufügen weiß.

„Dustwalker“ ist definitiv kein makelloses Album – musikalisch nicht, und auch nicht hinsichtlich seines Sounds. Dennoch wissen FEN mit dem ihnen eigenen Stil erneut zu gefallen und verdienen dafür durchaus Anerkennung – machen sie mit Stücken wie „Spectre“ den ein oder anderen Aussetzer doch locker wett. Insgesamt ein Album, das man jedem Freund vielseitigen Black Metals guten Gewissens ans Herzen legen kann, ohne es dabei überschwänglich anzupreisen – Fans der Band wird das sowieso egal sein.

Bewertung: 7.5 / 10

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