CD-Review: Fen - Winter

Besetzung

Grungyn – Gesang, Bass
The Watcher – Gesang, Gitarre
Havenless – Schlagzeug

Tracklist

01. I (Pathway)
02. II (Penance)
03. III (Fear)
04. IV (Interment)
05. V (Death)
06. VI (Sight)


Mit ihrem 2013er-Album „Dustwalker“ ließen die FEN die Herzen vieler Post-Black-Metal-Fans höher schlagen: Ganz im Stile von Bands wie Alcest oder Les Discrets überzeugten die Schotten ihre Hörer mit melancholisch-sanften Klängen. Bereits der nur ein Jahr später erschienene Nachfolger Carrion Skies (2014) ließ jedoch in so manchem Punkt zu wünschen übrig. Kein gutes Omen für das nun erschienene fünfte Album, „Winter“?

Melancholisch-sanft, wie man FEN von „Dustwalker“ her kannte, klingen hier nur die ersten drei Minuten, bevor es die Truppe in raue Fahrwasser mit vergleichsweise rohem Black-Metal-Riffing und Zerrgitarren verschlägt. Neben der Spielzeit des Openers von stolzen 17 Minuten ist das bereits die zweite Überraschung – und in der Kombination, man kann es nicht anders sagen, keine all zu gelungene. Um ein Album mit einem solch ausladenden Stück zu beginnen, braucht es einen gewissen Mut – vor allem aber eine kompositorische Spannungskurve, die das zulässt. Genau daran hapert es hier jedoch: Zwar drehen FEN gelegentlich am Tempo – ansonsten bleibt das Stück jedoch erschreckend leblos – daran ändert auch ein Clean-Part weiter hinten im Song nichts.

So kunstvoll FEN ihr Material nämlich noch auf „Dustwalker“ arrangiert hatten, so sehr mangelt es „Winter“ an kompositorischem Witz. Von den bisweilen überraschend melodiereichen Bass-Linien abgesehen, findet sich in den Songs nämlich wenig, das aufhorchen lässt: Emotionsloser Schreigesang, der die Musik mehr begleitet, denn Akzente zu setzen, trifft auf Riffs, die an Austauschbarkeit kaum zu überbieten sind. Mit dem zunächst instrumentalen, sich langsam auf ruhige Clean-Gitarren aufbauenden 14-Minüter „IV“ lässt sich nach einer guten halben Stunde zumindest einmal die Intention des Albums erahnen: Hier gelingt es FEN durch musikalischen Abwechslungsreichtum, vor allem aber auch durch den Einsatz verschiedener Gesangsstile (bis hin zum lupenreinen Klargesang, wie man ihn vor allem von „Dustwalker“ her kannte) zumindest einmal, so etwas wie Spannung zu erzeugen.

Bereits dem folgenden „V“ (ebenfalls über 12 Minuten lang) ist all das wieder vergessen: Sieht man von einer kurzen Gesangslinie in der Songmitte ab, gibt es hier neuerlich keinen Höhepunkt, kein Ausbrechen aus den nunmehr all zu bekannten Kompositionsschemata mehr zu vermerken – und auch „VI“ wäre allenfalls ein guter Song geworden, hätte man ihn um mehr als die Hälfte auf seine Quintessenz reduziert.

Dass die Stücke auf dem zähe 75 Minuten langen „Winter“ in erster Linie Nummern und nur in Klammern Titel tragen, ist in Anbetracht der Austauschbarkeit der meisten Ideen nur konsequent. Nachdem bereits „Carrion Skies“ nicht mit dem vielleicht nicht einzigartigen, aber doch zumindest atmosphärisch dichten Stil von „Dustwalker“ mithalten konnte, bringen FEN auch mit „Winter“ keine spannenden neuen Impulse in ihr Klangbild. Stattdessen verlieren sich die Schotten über weite Strecken in unnötig langen Songs und Riffs, die in etwa so kreativ sind wie der Albumtitel. Ob es das bei der Masse an Post-Black-Metal-Bands da draußen wirklich braucht, ist fraglich.

Bewertung: 5 / 10

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