CD-Review: Grave Digger - Rheingold

Besetzung

Chris Boltendahl – Gesang
Manni Schmidt – Gitarre
Jens Becker – Bass
HP Katzenburg – Keyboards & Samples
Stefan Arnold – Schlagzeug
Special Guest: Michi Rhein („Das letze Einhorn“, In Extremo) - Gesang

Tracklist

01. The Ring
02. Rheingold
03. Valhalla
04. Giants
05. Maidens Of War
06. Sword
07. Dragon
08. Liar
09. Murderer
10. Twilight Of The Gods
11. Hero *
12. Goodbye *
(* Ltd. Edition Bonus Tracks)


Bei Grave Diggers mittlerweile schon zwölftem Album hat man sich wieder an ein geschichtliches Thema herangewagt: Diesmal ist es die Nibelungensage, und zwar nach der Erzählungsweise der Opern von Richard Wagner. Dieses Thema stand schon bei der Wahl zum dritten Teil der legendären Mittelaltertrilogie zur Debatte, damals wollten die Fans jedoch lieber Excalibur.
Mit der Sage um den Ring der Nibelungen haben sich die Mannen um Chris Boltendahl wieder sehr eingehend beschäftigt, natürlich steht im Booklet auch wieder ein bisschen was zur Story selbst.

Musikalische Veränderungen lassen sich nicht ausmachen. Und das ist gut so, denn so wie die Fans Grave Digger in den letzten 20 Jahren geliebt haben, werden sie Grave Digger auch heute noch lieben!
Im direkten Vergleich zum Vörgänger „The Grave Digger“ agiert man freilich nicht so düster, dafür geht’s wieder Richtung des Stils von „Tunes Of War“, „Knights Of The Cross“ und „Excalibur“, übrigens soll „Rheingold“ der Auftakt zu einer weiteren Trilogie werden, man darf gespannt sein.

Schon das Intro, bzw. das Eröffnungsstück „The Ring“ ist sehr episch und bombastischgeworden, da hat das „Virtual Symphonic Orchestra“ (so nennen sich Maestro Katzenburg und sein geliebtes Keyboard) bereits ein starkes Stück hingezaubert, aber das ist natürlich nur der Anfang.
Der Titeltrack „Rheingold“ beginnt gleich mit dem typischem und kernigem Gitarrenspiel von Manni Schmidt, so muss Grave Digger klingen! In den letzten Jahren hat er sich auch hörbar besser ins Bandgefüge eingefügt, das klingt jetzt alles noch besser abgestimmt und erwachsener. Zum Refrain kann man nicht viel sagen außer „bombastisch“ und „episch“, Chris wird hier von klasse Chorgesang unterstützt und dadurch wird alles auch noch etwas einprägsamer. In dieser Hinsicht behält man diese Linie bei den Refrains den Rest des Albums über fast durchgehend bei.

Es folgen der garantierte zukünftige Konzert-Mitgröhl-Hit „Vahalla“ und mit „Giants“ ein weiterer treibender Brecher.
Der Beginn von „Maidens Of War“ deutet schon auf eine Ballade hin, doch dann folgt ein hochklassiger harter und schneller Teil, bevor daraus eine mittelschnelle Midtempo-Nummer wird, bei der Boltendahl bis auf den Refrain fast durchgehend klar singt und beweist, dass er auch das verdammt gut beherrscht (aber trotzdem nichts ist im Vergleich zu seiner einzigartigen Röhr-Stimme). „Maidens Of War“ ist eines der abwechslungsreichsten Stücke, die Grave Digger je geschrieben haben, und auch mein Favorit auf „Rheingold“.

Nachdem bei „Giants“ schon klasse mit den Zitaten aus der Wagner-Oper experimentiert wird, kann man bei „Sword“ das Schmiden des Siegfrieds’ Schwertes hören. Überhaupt ist der Track in sehr gemäßigtem Tempo gehalten, aber noch lange keine Ballade, dazu gibt’s wieder einen unglaublichen hymnischen Refrain mit einem truem Text, der truer kaum sein kann.
Auch das abwechslungsreiche und düstere „Dragon“ beginnt mit Opern-Einspielungen und bietet einen Mitbrüllrefrain von einsamer Spitze, danach folt mit „Liar“ eine typische Grave Digger-Speednummer, die aber reichlich unspektauklär ausfällt und mit dem restlichen Material nicht wirklich mithalten kann.
„Murderer“ beginnt mit einem langem Intro des Ein-Mann-Orchesters und ist der düsterste Song des gesamten Albums, auch der Refrain steht trotz seinem Bombast im Gegensatz zu den anderen, eben weil er so düster ausgefallen ist. Mit dem fast 7-minütigem „Twilight Of The Gods“ beschließt ein verdammt gutes episches Werk das Album sehr würdig.
Auf der Limited Edition im Digipack gibt’s ausserdem mit „Hero“ und der Akustik-/Klavier-Ballade (!) „Goodbye“ noch zwei schmucke Bonustracks als Zugaben.

Mit „The Grave Digger“ haben sich die teutonischen Grabschaufler technisch verbessert, nicht zuletzt durch den Zugang von Gitarrist Manni Schmidt, der dem Bandgefüge wirklich gut getan hat. Auch sonst sind die Songstrukturen vielleicht noch ein wenig ausgefeilter als bei der Mittelaltertrilogie, auf jeden Fall gibt es keinen schlechten Song auf „Rheingold“.
Alte Fans werden mit Gewissheit nicht enttäuscht werden, und können, nein müssen, ohne lang zu zögern zu Rheingold greifen.

Bewertung: 8 / 10

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