CD-Review: Grave Digger - Fields Of Blood

Besetzung

Chris Boltendahl - Gesang
Axel Ritt - Gitarre
Jens Becker - Bass
Marcus Kniep - Schlagzeug

Tracklist

01. The Clansman's Journey
02. All For The Kingdom
03. Lions Of The Sea
04. Freedom
05. The Heart Of Scotland
06. Thousand Tears
07. Union Of The Crown
08. My Final Fight
09. Gathering Of The Clans
10. Barbarian
11. Fields Of Blood
12. Requiem For The Fallen


Auch musikalisch gut beschlagene Metalfans nehmen von GRAVE DIGGER oft fälschlicherweise an, sie wären – ähnlich wie etwa Motörhead – stilistisch nicht sonderlich variabel. Zwar haben die Gladbecker in ihrer 40-jährigen (!) Bandgeschichte immer wieder bewiesen, dass sie durchaus wandelbar sind, die Fehlwahrnehmung hält sich jedoch hartnäckig. Und dass die Truppe um Frontmann Chris Boltendahl mit „Fields Of Blood“ einmal mehr thematisch nach Schottland blickt, ist natürlich Wasser auf die Mühlen all jener, die glauben, es handle sich hier um die Band, die „halt immer von Clans und sowas singt.“ Tatsächlich kommt das bei GRAVE DIGGER ungefähr alle zehn Jahre vor, aber auch hier scheint die öffentliche Wahrnehmung getrübt. Umso schöner ist es, dass die Teutonenstahl-Mitbegründer auf ihrem 19. Album zwar inhaltlich bekanntes Territorium aufsuchen, ansonsten jedoch alle Erwartungen übertreffen.

Um es kurz zu machen: GRAVE DIGGER legen mit „Fields Of Blood“ vielleicht nicht ihr bestes, aber auf jeden Fall eines ihrer besten Alben und die bisher heißeste Heavy-Metal-Scheibe des nicht mehr ganz so jungen Jahres vor. Auf ihrem neuesten Werk werfen die Herren alles in die Waagschale, was ihren Sound ausmacht und kreieren damit eine Platte, auf der sich nicht ein einziger schlechter Song, ja nicht mal ein schwacher Moment findet. Dabei gelingt der Truppe die Quadratur des Kreises, denn Chris Boltendahl und Konsorten klingen hier unüberhörbar nach sich selbst und verändern ihre bekannte Formel doch durchgehend so gekonnt, dass hier zu keiner Zeit von Selbstkopie gesprochen werden kann.

Somit ist jeder Song auf „Fields Of Blood“ erwähnenswert. Weil das aber den Rahmen einer Kritik sprengen würde und es sich obendrein lohnt, als Hörer möglichst unbedarft an dieses Album heranzugehen, kommt hier die Kurzfassung: Während das Dudelsack-Intro und der leicht an „The Dark Of The Sun“ erinnernde Opener „All For The Kingdom“ noch ziemlich genau das sind, was man bei einem Schotten-Album von GRAVE DIGGER erwarten mag, übertrifft sich die Truppe im Folgenden laufend selbst. „Lions Of The Sea“ kombiniert das traditionelle Riffing der Truppe mit tollen Twin-Gitarren und Blind-Guardian-Schlagseite im Refrain, „Freedom“ nimmt nach seinem knallharten Mainriff manch überraschende Wendung und der rockige Stampfer „Barbarian“ überzeugt mit einem ruhigen Mittelteil. So gelingt es GRAVE DIGGER auf „Fields Of Blood“, stets die besten Elemente ihrer gewohnten Formel einzusetzen und um neue, frische Einfälle zu erweitern.

Dank der überschäumenden Spielfreude, mit der GRAVE DIGGER auf ihrem neuen Album zu Werke gehen, dürften es selbst eingefleischte Fans der Band schwer haben, auszumachen, wann die Truppe zuletzt derart frisch und unverbraucht klang. Noch nie in ihrer Karriere fuhr die Mannschaft derart viele große, hymnische Refrains und erhabene Melodien auf, was in Verbindung mit dem gewohnt griffigen Riffing eine schlicht unschlagbare Mischung ergibt. Selbst Gitarrist Axel Ritt, der auf früheren Alben gerne klang, als hätte er seine Fingerübungen aufgenommen, legt den Fokus hier auf nachvollziehbare Phrasierung und setzt sein Können so songdienlich wie noch nie ein. So macht „Fields Of Blood“ unmissverständlich deutlich, dass GRAVE DIGGER auch nach 40 Jahren noch an die Spitze des Teutonenstahls gehören. Man möchte angesichts einer solch überragenden Veröffentlichung annehmen, dass diese Band einfach nicht altert – das ist wahrscheinlich nicht wahr, aber zumindest altern GRAVE DIGGER verdammt gut.

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Bewertung: 9.5 / 10

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1 Kommentar zu “Grave Digger – Fields Of Blood”

  1. Winterpercht

    Ich weiß ja nicht…ich hab es echt versucht, ich habe seit vorgestern alle Alben nacheinander gehört und bleibe bei den üblichen verdächtigen rund um Tunes of War und Knights of the Cross hängen. Selbst der Sound klingt merkwürdig kraftlos im Vergleich. Klar ist das Niveau noch recht hoch, aber ich werde mit keinem der neueren Alben mehr warm.
    Der Erfolg sei der sympathischen Band natürlich gegönnt. Live waren Grave Digger vor ein paar Jahren auf ihrer Klassikertour (und dem souveränen Umgang mit der Digger-Platte) absolut eine Bank!

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