CD-Review: Greg Puciato - Child Soldier: Creator Of God

Besetzung

Greg Puciato – Gesang, alle Instrumente (außer Schlagzeug)
Verschiedene Schlagzeuger, incl. Chris Pennie

Tracklist

01. Heaven Of Stone
02. Creator Of God
03. Fire For Water
04. Deep Set
05. Temporary Object
06. Fireflies
07. Do You Need Me To Remind You?
08. Roach Hiss
09. Down When I’m Not
10. You Know I Do
11. Through The Walls
12. A Pair Of Questions
13. Evacuation
14. Heartfree
15. September City


(Synthwave/Extreme Metal) Wohin mit all der Kreativität, wenn die eigene Band auseinanderbricht? GREG PUCIATO, ehemals Sänger der 2017 aufgelösten The Dillinger Escape Plan, löst das altbekannte Dilemma auf die ganz klassische Weise: mit vielen neuen, kleinen Projekten – die ihre Daseinsberechtigung allerdings mitunter erst noch unter Beweis stellen müssen. Neben der wiederbelebten Allstar-Band Killer Be Killed (mit Max Cavalera, Troy Sanders und Dave Elitch) und seinem Post-Punk-/Synthwave-Projekt The Black Queen (mit Joshua Eustis und Steven Alexander Ryan) ist das ein selbstbetiteltes Soloprojekt, mit dem GREG PUCIATO nun (über sein ebenso in der Post-Dillinger-Phase gegründetes Label Federal Prisoner) das Album „Child Soldier: Creator Of God“ veröffentlicht.

15 Tracks mit einer Gesamtspielzeit von etwas über einer Stunde – so liest sich das Album in Zahlen. In dieser beachtlichen Spielzeit hat GREG PUCIATO aber auch einiges untergebracht: Zunächst einmal begeistert er ein ums andere Mal mit seiner grandiosen Stimme, die immer wieder so charmant an der Grenze zwischen Melodik und Scream bricht. Mehr noch als bei jedem anderen bisherigen Projekt stellt PUCIATO hier unter Beweis, was er kann: Zwischen wahnsinnigem Extreme-Metal-Geschrei („Fire For Water“) bis zu Pop-Gesang („Temporary Object“) liegen hier oft nur Minuten, manchmal Sekunden.

Ähnlich divers ist die Musik angelegt: Vom auf Akustikgitarre begleiteten Opener „Heaven Of Stone“ über verschiedene Spielarten von Synthwave, Ambient, Post-Punk und Noise bis hin zu heavy Gitarrenmusik ist auf dem Album alles vertreten. Das passt zu PUCIATO, seinem bis fast zum Bersten energiegeladenen Wesen, seinem hektischen, fast hyperaktiven Auftreten und seinen tollkühnen Aktionen, die Shows von The Dillinger Escape Plan einst so unverwechselbar gemacht haben. Ob all das auch auf ein einziges Album passt, ist eine andere Frage.

Wie die Antwort ausfällt, hängt stark davon ab, wie flexibel man als Hörer ist. Denn „Child Soldier: Creator Of God“ ist zunächst einmal Chaos – ein einstündiger Wust aus Ideen, Riffs, Sounds und Gesangslinien, die sich mal logisch ergänzen, mal eher zufällig arrangiert klingen und sekündlich die Stilrichtung wechseln: von Synthwave, wie man ihn eben von The Black Queen kennt („Creator Of God“), über düsteren, psychotischen Industrial-Rock, der an Marilyn Manson oder Nine Inch Nails erinnert („Deep Set“), bis hin zu Extreme Metal, der auch im Dillinger-Kontext nicht aus dem Rahmen gefallen wäre („Roach Hiss“). Und dazwischen setzt sich PUCIATO, der auf dem Album alle Instrumente bis auf das Schlagzeug selbst eingespielt hat, auch mal ans Klavier („Heartfree“).

Damit ist das Solodebüt von GREG PUCIATO am Ende nicht minder aufwühlend als ein Dillinger-Album – nur dass „Child Soldier: Creator Of God“ immer wieder Unverfänglichkeit und Ruhe antäuscht, um einem dann doch unvermittelt und überraschend fest in die Magengrube zu treten. Auf eine volle Stunde kann das verdammt anstrengend sein. Stilistisch deckt das Album so viel ab, dass man meinen sollte, es sei für jeden was dabei – da es sich aber um sehr spezielle Genres handelt, die hier mitunter ziemlich extravagant kombiniert werden, ist „Child Soldier: Creator Of God“ am Ende eben doch Nischenmusik für sehr aufgeschlossene Hörer.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Bewertung: 7.5 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: