Das Cover vom Album "Minnewar" von Harpyie

Review Harpyie – Minnewar

Mit „Minnewar“ rufen HARPYIE den Sängerkrieg der Superhelden aus, das legt zumindest das Artwork nahe. Insgesamt 12 der größten Szene-Hits, von Subway to Sally über ASP bis Santiano, haben sich die Ostwestfalen vorgenommen und in ihrem eigenen Stil modernisiert. Ein guter Song bleibt dabei ein guter Song, doch die Überarbeitungen gehen manchmal nicht weit genug oder schießen gar über das Ziel hinaus.

Wenig falschen machen HARPYIE immer dann, wenn sie sich mit ihrer Cover-Version nahe am Original bewegen, so wie bei „Wenn ich tot bin“ (Luna Luna), „Rapunzel“ (Letzte Instanz) oder „Es gibt nur Wasser“ (Santiano). Dann wirkt „Minnewar“ zwar etwas uninspiriert, aber die einzelnen Stücke gehen gut ins Ohr und Sänger Aello agiert stimmlich in Gefilden, die ihm liegen. Wenn der Barde jedoch wie im Refrain von ASPs „Krabat“ die hohen Töne angeht, bröckelt der Superheldenanzug massiv. Beim Faun’schen „Tanz mit mir“ zieht der Harpyie-Frontmann wiederum gegen Mr. Hurley den kürzeren: Während sich der Pulveraffen-Patron souverän durch einen der kommerziellsten Faun-Song aller Zeiten groovt, fällt Aello daneben ab. Zwar hat der Harpyie-Sänger, besonders im Vergleich zu den Erstlingswerken der Band, massiv an sich gearbeitet, doch zeigt sich immer wieder deutlich, wo seine Grenzen liegen.

Charmant ist auf „Minnewar“, dass Saltatio Mortis am Cover von „Spielmannsschwur“ mitwirken und sich somit selbst neu interpretieren. Ähnlich wie „Vollmond“ von In Extremo gewinnt der Song im HARPYIE-Gewand primär an Tempo und Härte. Am Ende zu wenig, genau wie die E-Gitarre in „Thekenmädchen“ als einzig echter Unterschied zum Gassenhauer von Versengold. Richtig mutig werden HARPYIE bei „Blau wie das Meer“ von Mr. Hurley und die Pulveraffen, indem die Geige das Motiv aufgreift und sich Industrial-Sounds dazugesellen. Dies entfremdet das Original jedoch zu sehr und lässt den Charme vermissen, der dazu führt, dass „Blau wie das Meer“ auf vielen Märkten (und leider auch in einer geklauten Version am Ballermann) immer wieder für ausgelassene Stimmung sorgt. „Kleid aus Rosen“ haben Subway to Sally oft genug selbst einen neuen Anstrich verpasst, beispielsweise erst kürzlich mit einem dreistimmigen Frauenchor, so dass HARPYIE hier mit ihrer erneut relativ originalgetreuen Variante ebenfalls kaum punkten können.

„Minnewar“ ist hart, modern und kommt stylisch daher. Wer die Originale nicht kennt, dürfte mit der Platte deutlich mehr Freude haben als all jene, die den Vergleich sofort im Ohr haben. Am Ende gewinnen HARPYIE einige Songs dazu, die besonders live ihren Zweck erfüllen werden. Etwas weniger Essenz und dafür mehr Kreativität hätten „Minnewar“ im Studiogewand allerdings gut zu Gesicht gestanden.

Wertung: 4 / 10

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