CD-Review: Hate Eternal - Fury and Flames

Besetzung

Erik Rutan – Gesang, Gitarre
Shaune Kelley – Gitarre
Alex Webster – Bass
Jade Simonetto – Schlagzeug

Tracklist

01. Hell Envenom
02. Whom Gods May Destroy
03. Para Bellum
04. Bringer of Storms
05. The Funerary March
06. Thus Salvation
07. Proclamation of the Damned
08. Fury Within
09. Tombeau (Le Tombeau De La Fureur Et Des Flammes)
10. Coronach (Outro)


Dass HATE ETERNAL nicht gerade eine Band ist, die von Release zu Release mit mehr Innovation punktet, ist klar. In diesem Fall darf dies aber als Vorteil bewertet werden, da zugleich die Qualität der Songs konstant bleibt, und das ist, wenn man „I, Monarch“ gehört hat, doch eindeutig ein Lob. Aus bandhistorischer Sicht ist dieses Album aber ein besonderes, es wurden sowohl ein neuer Drummer als auch ein neuer (erstmals fester) Gitarrist an Bord geholt. Alex Webster lässt sich auch mal wieder hören und spielt auf „Fury and Flames“ zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder den Bass. Dass er und Rutan selbst Qualitätsgaranten sind, dürfte sowieso klar sein, aber auch die beiden Neulinge machen ihre Sache außerordenlich gut.Auch aus persönlicher Sicht ist dieses Album ein besonderes für Chefdenker Erik Rutan, es ist seinem besten Freund und dem langjährigen HATE ETERNAL-Mitglied Jared Anderson gewidmet, der am 14. Oktober 2006 verstarb. Wie nahe Andersons Tod Rutan geht, kann man auch heute noch auf der MySpace-Seite HATE ETERNALs feststellen, denn hier steht seit nun bereits anderthalb Jahren ein sehr emotionaler Nachruf an Anderson online, der mit den Worten „You will never be forgotten my friend, may you find peace!!! I love you brother!!“ endet, was auf „Fury and Flams“ untermauert werden soll.

Und tatsächlich: Dieses Album wirkt aufgewühlt, wütend, von ohnmächtiger Trauer erfasst und übertrifft mit diesen Komponenten, wenn davon auch nur im Ansatz die Rede sein kann, seinen Vorgänger „I, Monarch“ noch einmal in Sachen Härte und unverblümter Brutalität. Und wieder gibt es im Prinzip nur ein Problem mit dem Album: Der gesamte Sound wirkt die ersten Hördurchgänge außerordentlich verwirrend und motiviert nicht gerade zum wiederholten Hören. Wie bei den Vorgängern übersieht man irgendwie schlicht, was einem entgeht, „Fury and Flames“ unterscheidet sich also insofern von der Sperrigkeit eines Prog-Albums, als dass man bei jenen bereits von Anfang an weiß, dass Großes wartet, während hier die ersten Hördurchgänge bei mir schlicht überhaupt nichts hängen blieb. Das macht aber weiter nichts, denn gerade wenn man die Texte nebenher liest, öffnet sich einem „Fury and Flames“ doch irgendwann immer weiter, und diverse Gitarrenläufe, Breaks oder auch einfach einzelne Riffs fangen plötzlich an, regelrecht zu begeistern.Dass das Album nebenbei natürlich mal wieder alles absolut niederwalzt, soll hier nur am Rande erwähnt werden, denn dass HATE ETERNAL eine technisch versierte, höllisch schnelle Dampfmaschine ist, versteht sich ja doch irgendwie von selbst.
Zurück zu den Songs, neben gewohnt gewaltigem Drumming und einem im Allgemeinen wirklich erdrückenden Soundgewand lässt sich diesmal auch der Bass zumindest relativ gut raushören, die Gitarren dagegen könnten für meinen Geschmack dafür noch etwas differenzierter sein. Trotzdem, das Album plättet auf voller Strecke. Gesondert erwähnt werden sollten hier vor allem das bereits vorab zum Download bereitgestellte, mit einem gewaltigen Refrain ausgestattete „Bringer of Storms, das verdammt schnelle, zu den Waffen rufende „Para Bellum“ und das hektisch wirkende „Proclamation of the Damned“. Allesamt sind mit meist wieder sehr kriegerisch, erhaben wirkenden Texten ausgestattet, die jedoch absolut klangvoll formuliert und für meinen Geschmack auch wirklich lesenswert sind.

Das Element, das Atmosphäre dann meiner Meinung nach aber erst wirklich entstehen lässt, sind die Soli, die immer leicht apokalyptischen Charakter besitzen und die Stimmung der Songs immer unterstreichen und ausfeilen. Paradebeispiel hierfür, Abschluss des Albums und den besten Song desselben stellt „Tombeau (Le Tombeau de la Fureur et des Flammes)“ dar, wo Rutan Jared Anderson in sehr direkter Weise Lebewohl sagt und ihm ewigen Frieden wünscht. Wo es anfangs nochmal ohne Gnade voll auf die zwölf gibt, dreht der Song nach 2 Minuten um 180° und walzt in Endzeitstimmung in ein hingebungsvolles Solo, bevor „Fury and Flames“ mit dem Outro „Coronach“ und den Worten „Blessed be my brother, blessed by my friend“ endet. Dieser neunte Track kann in der Kombination aus Text, Musik und Hintergrundwissen wirklich ergreifend wirken, so unglaublich das bei einem HATE ETERNAL-Song sein mag.

Ja, gegen Ende wird also nochmal klar gemacht, welches Geschehnis dieses Album maßgeblich geprägt hat, obwohl auch die restlichen Texte zumindest teilweise auf Andersons Tod bezogen werden können. „Fury and Flames“ ist wieder HATE ETERNAL allererster Klasse, „I, Monarch“ steht das Teil in nichts nach. Ganz im Gegenteil würde ich im Vergleich zum Vorgänger noch einen halben Punkt draufsetzen, weniger sperrig ist es nicht, vollkommen entfaltet auch genauso genial, die Texte sind meiner Meinung nach nochmal besser gelungen als auf dem Vorgänger – Trotzdem sollte man aber nicht leugnen, dass die Band eben doch stagniert, zwar auf hohem Niveau, aber etwas Neues lässt man sich nun wirklich nicht einfallen. Deshalb will ich es in Sachen Bewertung auf gleiche Ebene mit „King of all Kings“ und „I, Monarch“ stellen und eine Kaufverpflichtung aussprechen. Danke, das wars.

Bewertung: 8.5 / 10

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