Seit Jahren legen HELLRIPPER eine steile Karriere hin. Mastermind James McBain hat sein Ein-Mann-Projekt seit der Gründung 2014 mit bemerkenswerter Konsequenz vom rumpeligen Blackened-Thrash-Geheimtipp zu einer der spannendsten Bands im modernen Metal Untergrund entwickelt und legt mit „Coronach“ den bislang deutlichsten Beweis dafür vor.
Ein kurzer Blick zurück: Das Debüt „Coagulating Darkness“ (2017) war noch tief im räudigen Black’n’Roll verwurzelt, während „The Affair Of The Poisons“ (2020) die Formel verfeinerte und erstmals so etwas wie eine eigene Handschrift erkennen ließ. Spätestens mit „Warlocks Grim & Withered Hags“ begann McBain 2023 dann, die Grenzen seines Sounds aufzubrechen. Längere Songs, epischere Arrangements und eine stärkere Verankerung in schottischer Folklore rückten dabei ins Zentrum.
Diese Entwicklung kulminiert nun in „Coronach“, dem vierten Album, das nicht nur als logische Fortsetzung erscheint, sondern als bewusste Konsolidierung. Stilistisch bleibt das Fundament unangetastet und bietet Blackened Thrash mit Vollgasgarantie. Neben den obligatorischen Highspeed-Riffs finden sich aber plötzlich Streicher, Piano-Passagen („The Art Of Resurrection“) und sogar Dudelsäcke („Coronach“), die das Album tief in schottischer Tradition verankern. Hier ist McBain bewusst die Gefahr eingegangen, die Songs zu überladen, meistert aber den Drahtseilakt mit Bravour. Die Songs funktionieren organisch und leben von genau diesen Kontrasten. Rasende Abrissbirnen wie „Blakk Satanik Fvkkstorm“ stehen neben epischen Tracks wie dem Titelstück, das mit fast zeremonieller Gravitas daherkommt. Diese Erhabenheit wird aber auch nicht übertrieben ausgenutzt, so dass die Mischung aus rotzigem Punk-Spirit, klassischem Heavy Metal und frostigem Black Metal immer präsent ist.
HELLRIPPER gelingt hier eine Weiterentwicklung ohne Identitätsverlust. „Coronach“, vereint die Raserei des Debütalbums, die Präzision von „The Affair Of The Poisons“ und die epischere Ausrichtung von „Warlocks Grim & Withered Hags“. Die Band ist noch lange nicht am Ende, aber sie klingen hier so souverän wie nie zuvor. Wer erleben will, wie man ein scheinbar ausgereiztes Genre mit Persönlichkeit, Spielfreude und Detailverliebtheit neu auflädt, bekommt hier eines der stärksten Metal-Alben des Jahres serviert.
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Wertung: 9 / 10


